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| 17:17 Uhr

Sorbischer Heimattag
Deutsch erst in der Schule gelernt

Während des sorbischen Heimattages gab es einen kleinen Umzug durch die Blunoer Ortsmitte. Mit dabei waren mehr als ein Dutzend Trachtenpaare.
Während des sorbischen Heimattages gab es einen kleinen Umzug durch die Blunoer Ortsmitte. Mit dabei waren mehr als ein Dutzend Trachtenpaare. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bluno. Das Döfrchen Bluno hat erstmals zum Sorbischen Heimattag eingeladen. Helmut Kurjo beherrscht Sorbisch fehlerfrei.

Premiere in Bluno: Zum ersten Mal hat im Elsterheider Dorf der Sorbische Heimattag stattgefunden. Eigentlich, so berichtet Ortsvorsteher Udo Zippack, planen die Blunschen bereits seit Jahren, die Veranstaltung auszurichten. „Jetzt hat es endlich geklappt“, resümiert Zippack.

Klar, dass dabei Helmut Kurjo nicht fehlen darf. Der 83-Jährige gebürtige Blunsche bezeichnet sich als echten Sorben. „Deutsch habe ich erst in der Schule gelernt“, erinnert er sich. Im Jahr 1941 ist Kurjo in seinem Heimatort eingeschult worden. „Dort wurde dann nur deutsch gesprochen. Die meisten meiner Klassenkameraden kamen ebenfalls erst zu diesem Zeitpunkt erstmals mit dieser Sprache in Berührung.“

Nach Kriegsende hätte es auch in Bluno wieder einen sorbisch sprechenden Lehrer geben können, allerdings kam niemand. „Stattdessen unterrichtete damals ein Pädagoge, der uns Russisch beibrachte“, sagt Helmut Kurjo. Heute gehört der Landwirt mit Leib und Seele zu den ganz wenigen Einwohnern im rund 450 Seelen zählenden Dorf, der das Sorbische fehlerfrei beherrscht. „Es gibt noch ein paar Leute in meinem Alter, die sprechen aber nicht mehr Sorbisch, verstehen jedoch noch die Sprache“, weiß der Blunsche.

Während des Sorbischen Heimattages, der hauptsächlich von der Hoyerswerader Johanniskirchengemeinde organsiert wird, ist Helmut Kurjo wieder sehr gefragt. Schließlich wollen sich mehrere Frauen in der evangelischen Hoyerswerdaer Kirchgangstracht präsentieren. „Da dürfte es kaum jemand geben, der sich damit besser auskennt als unser Helmut“, sagt Susann Branzko.

Rund eine halbe Stunde benötigt der 83-Jährige, bis alle Trachtenteile an der richtigen Stelle sitzen, Rock und Schürze zueinander passen sowie die Schleife korrekt gebunden ist.

Von den drei Branzko-Kindern tragen zwei ebenfalls Tracht, zum Heimattag übrigens das erste Mal. „Ganz schön warm hier drin“, kommentiert die siebenjährige Lisa. Die sorbische Sprache ist bei den Branzkos allerdings nicht mehr in Gebrauch, sagt Familienvater Alexander Branzko. „Früher hat aber meine Oma Sorbisch gesprochen, wenn ich etwas nicht verstehen sollte.“

Trotz der kaum mehr vorhandenen Sprachkenntnisse sind die entsprechenden Traditionen in Bluno bis heute sehr lebendig. Ortsvorsteher Zippack verweist dabei unter anderem auf das Zampern im Winter sowie das Osterfeuer und Maibaumstellen inklusive Werfen im Frühjahr.

Schade sei aber, dass es den örtlichen Trachtenverein nicht mehr gibt. Helmut Kurjo führt dieses Manko auf den Mangel an Interessenten zurück. „Viele sind ja zum Arbeiten in die Ferne gegangen“. Immerhin: Im ehemaligen Gemeindeamt befindet sich ein größerer Fundus an sorbischen Trachten. Ein Teil davon durften die Besucher zum Sorbischen Heimattag bewundern.