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| 18:11 Uhr

Bernsdorf
Nachtschicht für den Weihnachtsmann

Weihnachten in einer Großfamilie: Die Berndts aus Bernsdorf feiern das Fest zu zehnt: Florian (17), Zoe-Malu (4), Jonas (15), Pascal (11), Joel (10), Mama Peggy (35), Annelie-Joeline (7), Finley-Julian (6), Papa Martin (28) und die Jüngste im Bunde der Familie, Kimberley-Madison (fast 2). Auf der Wohnzimmercouch müssen die Kinder an Heiligabend geduldig auf die Bescherung warten.
Weihnachten in einer Großfamilie: Die Berndts aus Bernsdorf feiern das Fest zu zehnt: Florian (17), Zoe-Malu (4), Jonas (15), Pascal (11), Joel (10), Mama Peggy (35), Annelie-Joeline (7), Finley-Julian (6), Papa Martin (28) und die Jüngste im Bunde der Familie, Kimberley-Madison (fast 2). Auf der Wohnzimmercouch müssen die Kinder an Heiligabend geduldig auf die Bescherung warten. FOTO: Anja Hummel / LR
Bernsdorf. Heiligabend zu zehnt: Für Familie Berndt aus Bernsdorf ist das Weihnachtsfest ein Großereignis – mit zwei Dutzend Geschenken, Nudelsalat aus Töpfen und jeder Menge strahlender Kinderaugen. Von Anja Hummel

Wo bei anderen Familien ein Küchentisch steht, haben die Berndts eine vier Meter lange Tafel platziert. Zehn Stühle stehen drumherum, alle sind besetzt. Da wäre die kleine Zoe-Malu, Schwesterchen Annelie-Joeline und die Brüder Joel, Finley-Julian und Pascal. Die Größeren in der Runde sind der 15-jährige Jonas und sein zwei Jahre älterer Bruder Florian. Kimberley-Madison dagegen ist mit ihren fast zwei Lenzen die Jüngste im Familienbunde. Mittendrin: Mama Peggy und Papa Martin.

In der geräumigen Küche duftet es nach Weihnachten, im Hintergrund trällert Frank Schöbel die üblichen Lieder. Zwei große Teller voll mit Lebkuchen und Spekulatius sind auf dem Tisch verteilt, in der Mitte leuchten drei der vier Adventskerzen auf einem selbst gebastelten Gesteck aus Holz und Tannengrün. Die zehnköpfige Familie ist voll im Weihnachtsfieber.

„Wir haben alle Geschenke beisammen“, verkündet Papa Martin  stolz. Aber Mama Peggy grätscht dazwischen. Ein wenig „Süßkram“ fehle schon noch, sagt die 35-Jährige. Die Besorgung: eine Kleinigkeit für die achtfachen Eltern. Schließlich haben sie seit September 25 Geschenke zusammengesammelt, die alle nicht nur irgendwie unter den Weihnachtsbaum passen müssen und das Budget nicht sprengen dürfen, sondern auch den einzelnen Wünschen der Kinder entsprechen sollten.

Annelie möchte eine Gitarre, Pascal wünscht sich Kopfhörer, sein sechsjähriger Bruder Finley ein ferngesteuertes Auto. „Ich wünsche mir liebe Kinder“, ruft Papa Martin schmunzelnd dazwischen. Ob er das bekommt, kann die siebenjährige Annelie noch nicht versprechen, wohl aber ein selbst gebasteltes Glöckchen.

Bevor die Bescherung starten kann, muss der Weihnachtsmann aber gewiss noch in die Nachtschicht. Zwei Dutzend Geschenke wollen schön verpackt werden. „Vier Abende müssen wir dafür schon einplanen“, erzählt Peggy Berndt, die sich sehnlichst – aber wohl vergebens –  eine weiße Weihnacht wünscht. In der letzten Nacht vor Heiligabend muss dann auch noch das Essen vorbereitet werden. Bei den Berndts reicht dafür keine Schüssel. Gleich „töpfeweise“ wird Nudelsalat angerührt. „Dafür müssen wir dann immer eine Nachtschicht einlegen“, seufzt Mama Peggy. Alles halb so schlimm: „Familie heißt nun mal Geben und Nehmen“, sagt Martin Berndt. Ein wenig nüchtern schiebt er hinterher: „Als Elternteil gibt man natürlich das meiste.“

Für dieses Jahr haben sich die zehn Bernsdorfer vorgenommen, das Krippenspiel im Ort zu besuchen. In den vergangenen Jahren hat das zeitlich nicht geklappt. Nach dem Spaziergang gegen 17 Uhr ist schließlich Bescherung. Und die kann bis zu zwei Stunden dauern. „Die Kinder sitzen alle auf dem Sofa im Wohnzimmer und werden einzeln aufgerufen“, erzählt der 28-jährige Vater. Nacheinander werden die Geschenke ausgepackt. Vom Boden ist in dem neun Quadratmeter großen Raum dann nichts mehr zu sehen. Bis zum Abendbrot um 20 Uhr darf mit den neuen Sachen gespielt werden. „Das Schönste an Weihnachten ist einfach die Freude in den Augen der Kinder zu sehen“, sagt Martin Berndt. Er blickt zu seiner Frau hinüber. Ihr großes Glück ist den beiden in diesem Moment von den Augen abzulesen. „Das ist mehr als genug Belohnung für manch stressigen Moment“, sagt der Hobby-Autoschrauber.

Er verrät, dass es aber auch schon Bescherungen gab, die für weniger Freude sorgten: „Vor einigen Jahren habe ich im Keller fein säuberlich Kohle eingepackt. Da hingen die Mundwinkel aber runter“, erinnert er sich. Eine ganze Stunde mussten die „unartigen“ Kinder auf die richtigen Geschenke warten. Solch ein Denkzettel sei hin und wieder mal notwendig, sagt Martin Berndt. Erziehung ohne klare Regeln bei acht Kindern? „Unmöglich“, sagt der Elektriker, der laut Selbsteinschätzung „Nerven wie Drahtseile“ hat. „Wenn wir an der Supermarktkasse überforderte Eltern mit ein oder zwei Kindern sehen, dann müssen wir schon manchmal schmunzeln“, gesteht er.

Und weil im Zehn-Personen-Haushalt noch Platz ist, werden  am ersten Feiertag weitere Stühle an die Festtagstafel gerückt. Großeltern, Tante, Cousins, Cousinen – dann wird „in Etappen“ gegessen. So viel Platz auf einmal lässt die Vier-Meter-Tafel dann doch nicht zu. Sage und schreibe 16 Enkelkinder haben Peggy Berndts Eltern insgesamt. Auch da dürfte der weißbärtige Mann wohl Zusatzschichten schieben.

Warum die Berndts so viele Kinder haben? „Kinder plant man nicht“, sagt Familienvater Martin geradeheraus. Vom Größten bis zur Kleinsten – jedes Kind sei voll und ganz gewollt. Vor sieben Jahren hat Martin Berndt seine Frau kennengelernt. „Damals hatte sie bereits fünf Kinder“, sagt er. „Aber heute sind alle acht wie meine eigenen.“ Und im kommenden Jahr? Gibt es da etwa ein Weihnachtsfest in Fußballmannschaftsstärke? Nein, sagen die Eltern. „Wir sind zufrieden, so wie es ist.“ Der fleißige Weihnachtsmann dürfte es ihnen danken.