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| 17:29 Uhr

Sucht- und Drogenprävention
Der Weg zurück aus der Sucht

Rainer Kreisel (l.) und Steven sprechen vor den Schülern im Berufsschulzentrum Hoyerswerda über die dunklen Seiten der Drogensucht.
Rainer Kreisel (l.) und Steven sprechen vor den Schülern im Berufsschulzentrum Hoyerswerda über die dunklen Seiten der Drogensucht. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Ein Ex-Drogenabhängiger erzählt Hoyerswerdaer Schülern seine Geschichte.

(dcz) Es ist die Woche der Sucht- und Drogenprävention der Stadt Hoyerswerda und des Landkreises Bautzen. Das Ziel: Junge Menschen für die Suchtproblematik ohne „pädagogischen Zeigefinger“ zu sensibilisieren. Wie dabei besonders Berichte Betroffener wirken, die gerade den  schweren Weg aus ihrer Sucht meistern, bewies die Veranstaltung im Berufsschulzentrum (BSZ) Hoyerswerda mit dem Verein Fish Lausitz. Zuhörer waren unter anderen Schüler, die am BSZ soziale Berufe erlernen.

Es sprachen zwei junge Betroffene und Rainer Kreisel, der Schulteamverantwortliche des christlichen, überkonfessionell arbeitenden Fish-Vereins aus Weißkeißel. Der Seelsorger und Lebensberater Rainer Kreisel sagte, dass dort volljährige Männer Hilfe im Kampf gegen ihre Sucht erhalten. „Sucht ist eine Krankheit und entsteht meist dann, wenn dem Menschen Liebe und Anerkennung fehlen“. Deshalb leben Männer, die aus ganz Deutschland kommen, in dem Verein in einer familiären Struktur mit regelmäßigem Tagesablauf. Nach erfolgreicher Langzeittherapie bereiten die Männer im Nachsorgehaus ihr neues suchtfreies Leben in der Gesellschaft vor. Dann gehören sie auch zum Schulteam und erzählen auf Suchtpräventionsveranstaltungen ihre Geschichte.

So wie Steven. Er erzählte von seiner Kindheit mit dem alkoholsüchtigen Stiefvater, der die Mutter schlug. Sie habe mitgetrunken, um ihr Leben auszuhalten. Steven entwickelte als Kind eine Angststörung, die niemand ernst nahm und die sich im Erwachsenenalter verstärkte. Als Jugendlicher betrieb er Kraftsport, um mit dem Stiefvater irgendwann abzurechnen. Er ließ seine Wut aber an anderen aus und kam dreimal ins Gefängnis. Irgendwann entdeckte der heute 40-Jährige den scheinbaren Ausweg, seine Angst mit Bier zu bekämpfen. Er wurde alkoholabhängig, depressiv und die Beziehung zu seiner Frau und dem kleinen Sohn zerbrach. Entgiftungen im Krankenhaus halfen ihm nicht, weil er keine suchtfreie Strategie gegen die Angst kannte, erzählte Steven. Nach mehreren Selbstmordversuchen kam er 2011 von der Akutpsychiatrie des Suchtkrankenhauses Schweidnitz zum Verein Fish Lausitz. Dort erlebte er liebevolle Annahme und mit dieser Sicherheit im Rücken konnte er nach der Langzeittherapie seine Alkoholkarriere beenden. Jetzt macht Steven eine ambulante Therapie gegen die Angststörung. „Ich will und muss mir Selbständigkeit erkämpfen und es geht langsam vorwärts“, schilderte der gelernte Tischler. Er hat zum christlichen Glauben gefunden. Zum Sohn hat er wieder sporadischen Kontakt.

Was die Schüler interessierte: Wie sich das Leben ohne die Alkoholsucht verändert hat und wie er künftig leben will. Durch den Fish-Verein sei er offener gegenüber Menschen geworden. Und:  „Ich will noch ein paar Jahre leben. Dazu muss ich weniger rauchen“. Stevens nächster Schritt in ein neues und gesünderes Leben.