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Der wandernde sorbische Wissenschaftler

An Mukas Wohnhaus in der Bautzener Weigangstraße ist dieses Antlitz des Ethnografen zu sehen.
An Mukas Wohnhaus in der Bautzener Weigangstraße ist dieses Antlitz des Ethnografen zu sehen. FOTO: amz1
Bautzen/Hoyerswerda. Am heutigen 10. Oktober jährt sich der Todestag von Arnost Muka (deutsch Ernst Mucke) zum 85.Mal. Der sorbische Volkskundler und Schriftsteller war im Herbst 1932 in Bautzen gestorben und ist dort auch begraben. amz1

Muka ist wohl in fast jedem Dorf der mittleren und der Niederlausitz kein Unbekannter. Denn berühmt wurde der im Jahr 1854 in Großhänchen (heute Ortsteil von Burkau bei Bischofswerda) geborene Mann vor allem durch seine Wanderungen durch die Region. Während der 1880er-Jahre lief er durch die sorbischen Gebiete der Lausitz und nahm akribisch die zahlenmäßigen Verhältnisse der sorbischen Bevölkerung in Augenschein. Daraus erwuchs sein Werk über die Statistik der Lausitzer Sorben aus den Jahren 1884 bis 1886. Neben diversen sozialen Strukturen spielen darin auch die Sprachkenntnisse der Einwohner eine maßgebliche Rolle und wie viel Prozent der jeweiligen Bewohner nur sorbisch beziehungsweise nur deutsch verstehen. Ebenso geht Muka auf die Trachten sowie die Volksbräuche ein.

Der Gelehrte führte seine Forschungen genau in jener Epoche durch, als die Industrialisierung der Nieder- und der nördlichen Oberlausitz, insbesondere durch die Kohleindustrie, begann. Schon im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts befand sich demnach die sorbische Sprache auf dem Rückzug. Die entsprechenden Trachten trugen die Leute allerdings wesentlich länger. In manchen aufstrebenden Industriegemeinden, beispielsweise in Großräschen, fanden Muka zufolge die Frauen letztendlich aber an der deutschen Kleidung mehr Gefallen.

Auf die Statistik Arnost Mukas baut das im Jahr 1954 erschienene Buch "Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung von 1832 bis 1945" auf. In diesem Werk hat Autor Ernst Tschernik erneut die von Muka betrachteten Orte untersucht. Die Zahlen im Vergleich zu den 1880er-Jahren unterscheiden sich teilweise beträchtlich. Der Anteil der Sorbisch sprechenden Menschen hatte innerhalb von rund 70 Jahren fast überall erheblich abgenommen.

Zu den weiteren Verdiensten Arnost Mukas gehören unter anderem das von ihm herausgegebene niedersorbische/niederwendische Wörterbuch, die Organisation der ersten sorbischen ethnografischen Ausstellung anno 1896 in Dresden sowie die Begründung des Sorbischen Museums in Bautzen vier Jahre später. Heute erinnern an den Gelehrten die nach ihm benannten Straßen in Bautzen und Cottbus. Mukas Wohnhaus in Bautzen in der Weigangstraße 16 trägt eine Plakette mit seinem Konterfei.