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| 19:00 Uhr

Aus dem Alltag eines Notfallsanitäters
„Der Tod macht keine Angst mehr“

Thomas Elsner ist Rettungssanitäter der Malteser in Hoyerswerda.
Thomas Elsner ist Rettungssanitäter der Malteser in Hoyerswerda. FOTO: Malteser
Hoyerswerda. Thomas Elsner ist Notfallsanitäter bei den Maltesern in Hoyerswerda. Es ist ein Beruf, bei dem keiner weiß, was ihn am Einsatzort erwartet. Von Rainer Könen

Mit 21 Jahren hat Thomas Elsner in seinem neuen Job den Tod kennengelernt. „Ich bin damals als Praktikant mit zu einem Einsatz gefahren“, blickt der heute 37-Jährige zurück. Er habe dieses Bild auch heute noch immer gut vor Augen: den Mann, der in einer dunklen Lache lag. Tot. An Magenbluten war er verstorben. Diesen Einsatz vergisst der gebürtige Schwarzkollmer nicht.

Als Krankenpfleger stieg er einst ins Berufsleben ein. Doch ziemlich schnell habe für ihn festgestanden, dass er etwas Anderes brauche, eine „mobile Herausforderung“, wie er das bezeichnet. Er fand sie im Rettungsdienst.
Seit 2005 arbeitet er bei den Maltesern in Hoyerswerda. In dieser Zeit hat es manches Schlüsselerlebnis für ihn gegeben, Unfälle „an die man sich sein ganzes Leben erinnern wird“, so Elsner.

Aber meist geht es nicht spektakulär zu, werden er und seine Kollegen häufig wegen internistischer Beschwerden gerufen: Herz- und Kreislaufprobleme, weniger Unfälle. Richtig lebensbedrohende Situationen bilden die Ausnahme.
Wenn Elsner am Wochenanfang in sein Büro in der Rettungswache kommt, weiß er nie, was der Tag, was die Woche bringen werden. „Das ist diese Spannung, die diese Arbeit so reizvoll macht“, erklärt er. Natürlich gibt es Hoch-Zeiten für die Notfallsanitäter. Karneval gehört dazu, oder im Sommer regionale Feste. „Da weiß man aus Erfahrung, dass es solchen Tagen bestimmt häufiger also sonst hinaus geht“, so Elsner.

Melde sich der Pieper, zähle jede Sekunde. Raus aus den Schlappen, rein in den Rettungswagen, Blaulicht an. Am Einsatzort wird dem Notarzt zugearbeitet, werden das EKG oder die Narkose vorbereitet, wird Blutdruck gemessen. „Da muss jeder Griff sitzen“, sagt der Rettungssanitäter.

Am Anfang sei es ihm unangenehm gewesen, in die Privatsphäre fremder Menschen einzudringen, denn: „Du kommst in Räume, die selbst die nächsten Angehörigen kaum kennen.“ Bei den Einsätzen habe er aber auch erlebt, dass Menschen in einer Notlage „so sind, wie sie wirklich sind“ - unverstellt.
Wenn die Notfallsanitäter zu Volksfesten gerufen werden, wo oft viele Betrunkene sind, stehe der Eigenschutz natürlich im Vordergrund, sagt Elsner. Das heiße: Vorsichtig agieren, aufpassen. Anpöbeleien kämen schon mal vor.

Beim Thema „Gaffer“ wird Elsner deutlich: „Das finde ich moralisch nicht in Ordnung“, sagt er. Zuschauen, wenn andere Menschen leiden, das gehe auf gar keinen Fall. Doch er könne nachvollziehen, dass es in manchen Situationen einfach schwer falle, wegzuschauen. Elsner: „Wenn am Einsatzort jemand herumsteht, versuche ich, ihn in die Hilfeleistung einzubinden.“

Dass bei Unfällen Verletzte mit einer Decke abgeschirmt werden, habe auch mit dem Schutz ihrer Privatsphäre zu tun .
Inzwischen ist der Natfallsanitäter Thomas Elsner dem Tod einige Male begegnet. Die Wahrscheinlichkeit, einen Menschen in Not erfolgreich zu reanimieren, sei in seinem Alltag ziemlich ernüchternd. Wenn das gelinge, sei das „wie ein Vierer im Lotto“. Aber mittlerweile gebe es ja die Telefonreanimation. Das heiße: Bei einem eingehenden Notruf begleite ein Mitarbeiter der Leitstelle den Angehörigen telefonisch bei der Reanimation so lange, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Das hat sich bewährt“, sagt  der 37-jährige Hoyerswerdaer.
Doch wie geht er mit all dem Gesehenen, dem Erlebten um? Elsner erzählt, dass jeder Rettungssanitäter seine eigene Methode habe. Klar, sich mit den Kollegen auszutauschen, das gehöre auf jeden Fall dazu. Elsner hat zwei Kinder, seine Partnerin arbeitet ebenfalls im Rettungsdienst. „Das ist schon hilfreich“, merkt er an.

Jeder Rettungssanitäter habe im Kopf Einsätze gespeichert, die er nicht vergesse. „Da weiß ich nach Jahren noch, was ich gemacht, wo ich gestanden habe“, so Elsner. Dieser Unfall vor einigen Jahren in Spreetal zum Beispiel. Ein Pkw war verunglückt, in Brand geraten. Der Fahrer war tot, seine Beifahrerin überlebte schwer verletzt. Solche Einsätze „muss man im Kopf gut verwalten“, sagt er. Immer wieder mal abrufen, in Gesprächen mit den Kollegen, um sie irgendwann als „verarbeitet“ im Gedächtnis ablegen zu können.
Thomas Elsner ist mit seinem Job sehr zufrieden, wie er sagt, will ihn möglichst bis zur Rente ausüben, weil ein Notfallsanitäter „mitten im Leben steckt“, sagt er mit Nachdruck, jeden Tag, jede Stunde.