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| 14:31 Uhr

Geierswalde
Der Segler-Traum wird Wirklichkeit

Auch das kommt in die Schatulle zur Grundsteinlegung des Segel- und Inklusionszentrums am Geierswalder See: ein unterschriebener Zehn-Euro-Schein. Klaus Wiegmann (l., Vorsitzender 1.WSVLS), Bautzens Landrat Michael Harig, Elsterheides Bürgermeister Dietmar Koark und Staatssekretärin Andrea Fischer haben sich auf diesem Schein für die Nachwelt verewigt.
Auch das kommt in die Schatulle zur Grundsteinlegung des Segel- und Inklusionszentrums am Geierswalder See: ein unterschriebener Zehn-Euro-Schein. Klaus Wiegmann (l., Vorsitzender 1.WSVLS), Bautzens Landrat Michael Harig, Elsterheides Bürgermeister Dietmar Koark und Staatssekretärin Andrea Fischer haben sich auf diesem Schein für die Nachwelt verewigt. FOTO: Sascha Klein / LR
Geierswalde. Der 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland baut jetzt sein Segel- und Inklusionszentrum am Geierswalder See. Im Jahr 2019 sollen dann auch Behindertensportler das neue Gebäude nutzen können. Von Sascha Klein

Klaus Wiegmann nestelt an seinem Portemonnaie und zieht einen Zehn-Euro-Schein hervor. Der Vorsitzende des 1. Wassersportvereins Lausitzer Seenland nimmt einen Faserstift und schreibt hinter die Zehn dick „.11.2017“. Das Datum des besonderen Tages. Das Datum der Grundsteinlegung des Segel- und Inklusionszentrums in Geierswalde. Ein Projekt, das vor gut sechs Jahren geboren worden ist. Der Schein kommt in die Zeitkapsel – wie auch Baupläne, ein Info-Heft, Zeitungen und ein besonderes Stück Kohle. Das hat Geierswaldes Ex-Bürgermeister Karl-Heinz Radochla noch schnell besorgt. Es steht darauf: „BKK Glück Auf Knappenrode“. „So wie wir die Braunkohle veredelt haben, veredeln wir jetzt diesen Standort“, sagt er.

Und tatsächlich ist das Projekt etwas Besonderes. Das Segel- und Inklusionszentrum ist eines von bislang nur vieren bundesweit. Zwei davon sind in Ostdeutschland, in Plau am See und in Berlin-Grünau. Geierswalde kommt im Jahr 2019 dazu. Das Ziel: Behinderte Segler sollen ganz selbstverständlich ihren Platz neben allen anderen Seglern finden. Das hat sich der Wassersportverein, kurz: 1. WSVLS, auf die Fahnen geschrieben.

Staatssekretärin Andrea Fischer schreitet zur Tat. Gemeinsam mit Vereinschef, Landrat und Bürgermeister betritt die frühere Kamenzer Landrätin die bereits gegossene Bodenplatte des zukünftigen Gebäudes. In der Mitte der Bodenplatte ragt bereits der Fahrstuhlschacht hervor, ein zentraler Punkt des Hauses. Der Fahrstuhl und der barrierefreie Bau werden später garantieren, dass auch Rollstuhlfahrer alle Räume bequem erreichen. Das ist eine Grundvoraussetzung, damit die Inklusion bei den Seglern in der Lausitz gelingt.

Staatssekretärin Andrea Fischer legt den Grundstein für das neue Segel- und Inklusionszentrum. Der Rohbau soll bereits Ende Dezember fertig sein.
Staatssekretärin Andrea Fischer legt den Grundstein für das neue Segel- und Inklusionszentrum. Der Rohbau soll bereits Ende Dezember fertig sein. FOTO: Sascha Klein / LR

Besonders ist das Projekt auch finanziell. Die Wassersportler gehen von einer Bausumme in Höhe von 850 000 Euro aus. Rund 480 000 Euro davon kommen vom Freistaat – teils vom Innen-, teils vom Sozialministerium. „Das ist das größte und teuerste Sportvorhaben außerhalb des Profisports in Sachsen“, sagt Andrea Fischer. Das Zusammenspiel der Ministerien habe bestens funktioniert. Neben einem Zuschuss von 50 000 Euro durch den Landkreis Bautzen muss der Verein den Rest der Summe selbst schultern. Ein gewisser Teil läuft dabei über Eigenleistung.

Davon werden die Wassersportler bald profitieren. Doch noch steht eine Menge Arbeit bevor. Der Bauplan ist trotzdem ambitioniert. „Bis zum 22. Dezember soll der Rohbau stehen, dann ist Richtfest“, sagt Hagen Busch, beim Verein für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ab Februar/März 2018 wollen die Vereinsmitglieder mit dem Innenausbau beginnen. Spätestens Ende 2018 soll alles fertig sein. Die Wassersportler hoffen, dass es so lange nicht dauern wird.

Elsterheides Bürgermeister Dietmar Koark nannte den Bau eine Pionierarbeit und das Wassersportzentrum den dritten großen Meilenstein am Geierswalder See, nach dem Leuchtturm und dem Anbieter „Chill&Grill“. Nun muss der Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen mit der Infrastruktur folgen. Finale Absprachen dafür gibt es im Januar, sagt Koark. Ziel sei, 2019 loszulegen.

Bernd Zirkelbach ist Cheftrainer der deutschen Behindertensegler.
Bernd Zirkelbach ist Cheftrainer der deutschen Behindertensegler. FOTO: Sascha Klein / LR

Große Hoffnungen in Geierswalde hat auch Bernd Zirkelbach. Der Berliner ist Cheftrainer Abteilung Segeln im Deutschen Behindertensportverband. Die deutschen Behinderten-Segler seien Teil der Weltspitze, sagt Zirkelbach. Aber die etwa 20 bis 25 Personen große Gruppe sei im Durchschnitt über 50 Jahre alt. „Ich hoffe, dass wir durch das Inklusionszentrum in Geierswalde auch wieder frisches Blut bekommen“, so Zirkelbach. Zudem bringe das Segeln jungen Menschen Motivation und neue Ziele.