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| 01:07 Uhr

Der Schornstein erinnert an Leid und Grausamkeit

Kamenz.. „Ein Konzentrationslager in Kamenz – ist das wirklich wahr?“ So haben Schüler der Lessingstadt eine Forschungsarbeit überschrieben, die sie auf die Spuren ungeheuerlicher Vorgänge direkt vor der Haustür gebracht hat.

Im Ergebnis ihrer Recherchen mussten die Jugendlichen feststellen: Ja, es stimmt tatsächlich. Die Spur führt ins idyllisch-morbide Herrental, zum Grundstück Nummer 9, der so genannten Herrenmühle.
Am 26. Januar 1945 begann hier eines der düstersten Kapitel in der Geschichte der Stadt Kamenz. An diesem Tag kamen die ersten Häftlinge aus dem KZ Flossenbürg, zumeist Kriegsgefangene unterschiedlichster Nation, in Kamenz an.
Sie waren dafür vorgesehen, in der Elsterwerke GmbH, einem Rüstungsbetrieb unter dem Dach der Daimler-Benz AG, als Arbeitskräfte verheizt zu werden. „Täglich wurden sie aus dem Lager quer durch Kamenz zur Fabrik getrieben“ , berichtet der Vorsitzende des Kamenzer Geschichtsvereines, Dr. Matthias Herrmann. Zutiefst Erschreckendes kam bei den Recherchen zu Tage. So wurden 857 Totenscheine ausgewertet, die darüber Auskunft geben, wie jung die Häftlinge zum Zeitpunkt ihres Todes waren und woran sie (angeblich) starben.
Dr. Matthias Herrmann erinnert unter anderem an die Todesmärsche, mit denen das Lager Kamenz (das eine Außenstelle des KZ Groß-Rosen war) ab dem April 1945 evakuiert wurde. Doch auch in der Zwischenzeit wurde selektiert, wurden Gefangenen, die nicht die von ihnen geforderten Arbeitsleistungen brachten, To desspritzen verabreicht.
Aber auch von Menschlichkeit ist die Rede: Von Arbeitern zum Beispiel, die den Gefangenen trotz strengster Verbote zu essen gaben.
Kooperativ zeigte sich, was die Erforschung der Geschehnisse in Kamenz im Jahre 1945 betrifft, die Daimler Chrysler AG, für deren Rechtsvorgänger die Gefangenen im Kamenzer KZ schuften mussten. „Dort ist man ehrlich an einer Aufarbeitung interessiert“ , lobt Dr. Matthias Herrmann.
Doch nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft beschäftigt sich das Projekt. So haben sich die Schüler Gedanken darüber gemacht, wie eine Gedenkstätte aussehen könnte. Ein zentrales Element ist in fast allen Entwürfen der Schornstein, der, sollte das Areal einmal beräumt werden, als Mahnmal erhalten bleiben soll. (um)