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| 17:28 Uhr

Katzenhilfe Hoyerswerda
Der mobile Miezen-Check

Joys wäre jetzt lieber im Katzenkörbchen. Von Dr. Jacqueline Schäfer bekommt sie eine Spritze verpasst – gegen den Katzenschnupfen. Joys ist seit vier Wochen im Tierheim und wurde völlig ausgehungert in einer Gartenanlage gefunden.
Joys wäre jetzt lieber im Katzenkörbchen. Von Dr. Jacqueline Schäfer bekommt sie eine Spritze verpasst – gegen den Katzenschnupfen. Joys ist seit vier Wochen im Tierheim und wurde völlig ausgehungert in einer Gartenanlage gefunden. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Tierärztin Dr. Jacqueline Schäfer verarztet regelmäßig 200 Katzen im Hoyerswerdaer Tierheim. Für Impfung und Zahnbehandlung kommt sie zum mobilen Miezen-Check vorgefahren. Von Anja Hummel

Die Ohren sind gespitzt, die Augen weit aufgerissen. Ob Beethoven, Karli, Henry, Trixi – sie alle schleichen auf ihren Samtpfötchen vom Katzenbett zur Tür, vom Fensterbrett in die Kratzbaumhöhle. Es herrscht Aufregung. Tierärztin Dr Jacqueline Schäfer ist im Anmarsch. „Die Tiere wissen schon, das irgendwas im Busch ist“, sagt Antje Hartig. Die 48-Jährige engagiert sich seit Jahren für die Tiere, die bei der Katzenhilfe untergebracht sind. „Etwa 200 Katzen haben wir momentan hier“, erzählt sie. Auf dem Gelände im Hoyerswerdaer Industriegebiet sind die Tiere in mehreren Räumen untergebracht – zum Beispiel im Baby- oder Seniorenzimmer. Einen umzäunten Außenbereich gibt es auch.

Wuselig ist es an diesem hochsommerlichen Tag überall. 38 Grad Celsius zeigt das Thermometer am Eingang an, als die Tierärztin aus Bernsdorf in den Hof einfährt. Jede Menge Medikamente hat sie dabei – gegen Katzenschnupfen und Milben, auch Impfstoffe sind im Köfferchen verstaut. Ehemann Bernd assistiert ihr. Es geht direkt in einen eigens eingerichteten Behandlungsraum, finanziert über Spenden. Insgesamt kann sich der Verein nur Dank finanzieller Unterstützung der Mitbürger so gut um das Wohl der Katzen kümmern. Heute braucht vor allem Alfredo dringend Hilfe. Jeden Moment wirkt die Narkose. Der schwarze Kater mit den weißen Tatzen hat entzündete Zähne. Es sind seine letzten vier Beißer, die der Zehnjährige heute los wird. „Katzen geht es ohne Zähne besser als mit schlechten“, sagt die Tierärztin, während sie Zahn Nummer eins mit einem schnellen Ruck entfernt. Die Kauleiste sei kräftig, Alfredo wird auch künftig noch alles fressen können.

Seit 1999 kommt Tierärztin Jacqueline Schäfer gemeinsam mit ihrem Ehemann regelmäßig zum Gesundheitscheck in das Hoyerswerdaer Katzentierheim. Ihre Praxis hat sie in Bernsdorf. Warum sie das tut? „Es ist ja mein Beruf, Tieren zu helfen“, sagt die 50-Jährige ganz selbstverständlich. Heute hat sie einen Welpenwurf begleitet, in der Nacht zuvor einen dehydrierten Hund betreut. „Sie war damals die einzige Tierärztin, die sich bereit erklärte, regelmäßig zu uns zu kommen“, blickt Antje Hartig zurück. „Man kann schlecht mit allen Katzen in die Praxis kommen. Da würden acht Körbe ja gar nicht reichen“, wirft Bernd Schäfer ein. Die Ehrenamtler und Mini-Jobber der Katzenhilfe kümmern sich um die Organisation, führen Buch über die Behandlungen, kennen ihre Vierbeiner genau. Joys zum Beispiel, die vor vier Wochen völlig ausgehungert in einer Bernsdorfer Gartenanlage gefunden wurde, hatte schlimmen Durchfall. Heute bekommt sie eine Spritze gegen Katzenschnupfen.

Simone Kühn vom Katzenhilfe-Team schmust mit Henry. Der Kater wurde schwer verletzt mit zwei gebrochenen Beinen am Straßenrand gefunden.
Simone Kühn vom Katzenhilfe-Team schmust mit Henry. Der Kater wurde schwer verletzt mit zwei gebrochenen Beinen am Straßenrand gefunden. FOTO: LR / Anja Hummel

„Bei dem Wetter sind mehr Erreger unterwegs. Bei vielen Tieren gibt es auch viele Bakterien“, so die Bernsdorferin. Schnupfenbehandlung, Impfung und Blutuntersuchung stehen am häufigsten auf dem Programm. Doch eines der größten Themen ist die Kastration. Längst nicht alle Katzenhalter lassen ihre Tiere operieren. „Das begünstigt zum einen eine extreme Vermehrung und Inzucht und zum anderen verbreiten die Katzen viele Krankheiten“, erklärt Jacqueline Schäfer, die an alle Halter appelliert, die einmaligen Kosten zu investieren. Je nach Gebührenordnung liegen die bei etwa 120 Euro, abhängig vom Geschlecht. Ganz unabhängig davon ist die Versorgung bei der extremen Wärme: „Tiere nie im Auto lassen“, erinnert die Fachfrau an die tödliche Hitzefalle. Das Team der Katzenhilfe sorgt in diesen Tagen für ordentlich Wassernachschub. „Auch die Katzen liegen flach bei den Temperaturen. Sie können ihren Pelz ja schlecht ausziehen“, scherzt Antje Hartig.

Der Tross aus Ärztin und Helfern zieht mitsamt Medikamentenkoffer in den nächsten Raum. Die Senioren sind an der Reihe. Mutzel hat Epilepsie, Trixi ist Diabetikerin, Ludwig schnupft. So unterschiedlich sie auch sind: Der mobile Miezen-Check ist für alle unverzichtbar.

Die kleinen Miezen wurden herzlos in einem Karton zwischen Mülltonnen abgestellt. Das Team der Katzenhilfe hat die „Mini-Tiger“ wieder aufgepäppelt.
Die kleinen Miezen wurden herzlos in einem Karton zwischen Mülltonnen abgestellt. Das Team der Katzenhilfe hat die „Mini-Tiger“ wieder aufgepäppelt. FOTO: LR / Anja Hummel