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| 18:40 Uhr

Zoo Hoyerswerda
Der Mann der 100 Zoo-Anekdoten

Drei Generationen Tiergarten-/Zoo-Direktoren in Hoyerswerda: Dr. Werner Jorga (von 1984 bis 2008), Dr. Dieter Hohmann (von 1975 bis 1984) und der aktuelle Zoologische Leiter Eugène Bruins (r.). Hoyerswerda darf sich seit 1994 offiziell Zoo nennen.
Drei Generationen Tiergarten-/Zoo-Direktoren in Hoyerswerda: Dr. Werner Jorga (von 1984 bis 2008), Dr. Dieter Hohmann (von 1975 bis 1984) und der aktuelle Zoologische Leiter Eugène Bruins (r.). Hoyerswerda darf sich seit 1994 offiziell Zoo nennen. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Ex-Tiergarten-Direktor Dieter Hohmann ist ein großartiger Erzähler. Er hat am Mittwoch in Hoyerswerda berichtet, wer einst die Idee hatte, den Tiergarten zu gründen, dass viele Tiere zunächst nur ausgeliehen waren und wieso in Hoyerswerda Elche gehalten wurden. Von Sascha Klein

Er ist 78 Jahre alt, hat fast 35 Jahre Erfahrung als Tiergartenleiter in Sachsen und kann mindestens 100 Anekdoten aus der Sturm-und-Drang-Zeit des Hoyerswerdaer Tiergartens erzählen: Dr. Dieter Hohmann. Am Mittwoch hat Hohmann im Schloss-Saal gut eine Stunde Geschichten aus seinem Leben als Tiergartendirektor erzählt.

Gleich zum Start räumt er mit einem Mythos auf: Nicht Günter Peters habe die Ursprungs-Idee gehabt, den Tiergarten zu gründen, sondern der damalige Dresdner Zoo-Direktor Professor Wolfgang Ullrich. Dem sei bei einem Besuch der damalige Schloss-Hausmeister aufgefallen, der im Schlossgraben Enten züchtete und ein Reh hielt. Daraufhin soll Ullrich Peters animiert haben, in der schönen Kulisse nahe des Schlosses den Tiergarten ins Leben zu rufen. Peters habe das schließlich voller Enthusiasmus umgesetzt, erzählt Hohmann. Der Delitzscher ist ein großartiger Erzähler. Er nimmt die viel zu wenigen Besucher mit auf eine Reise, zeigt historische Bilder, greift Einzelheiten auf. Wer weiß zum Beispiel noch, dass die bundesdeutsche Tierfilmer-Legende Bernhard Grzimek schon zu DDR-Zeiten den Tiergarten Hoyerswerda besucht hat?

Hohmann kommt ins Plaudern: „Als ich Tierparkdirektor geworden bin, haben uns kaum Tiere gehört“, sagt er. Die meisten gehörten dem Dresdner Zoo, manche dem Cottbuser Tierpark. Nur die Löwen und die aus der Sowjetunion eingekauften Kamele seien Hoyerswerdaer Eigentum gewesen. Also hat sich Hohmann daran gemacht, dass die anderen Tierparks sie Hoyerswerda überlassen.

Auf Tiergarten-Gründer Günter Peters hält Hohmann größe Stücke: „Er war ein Ästhet, ein Künstler und ein guter Museumsdirektor. Aber er war eben kein Biologe“, sagt er. Peters habe die Tiere so in den Zoo „komponiert“, dass sie für die Besucher attraktiv gewesen sind. Das Biologische habe er später verändert. Erst zum Missfallen von Peters. „Später hatten wir ein sehr gutes Verhältnis. Ich zähre heute noch von den Dingen, die er mir damals beigebracht hat.“

Dr. Dieter Hohmann kam 1974 als Biologe aus Schwarze Pumpe und hatte zuvor die Abwasseranlage des Kombinats verantwortet – die damals größte Europas. Von 1975 bis 1984 ist er Tiergartendirektor in Hoyerswerda gewesen, von 1984 bis 1990 Zoodirektor in Dresden und von 1991 bis 2007 Leiter des Tiergarten Delitzsch. Dort wohnt er heute noch.

Über seine Zeit in Hoyerswerda könnte er abendfüllend erzählen – ohne dass es auch nur eine Minute langweilig wird. Er kennt die meisten Mitarbeiter-Namen noch aus dem Stand. Manchmal überrumpelt er auch den einen oder anderen: „Wie hießen noch einmal unsere Löwen? Weißt Du es noch, Werner?“, und zeigt auf Zoo-Tierarzt-Ikone Dr. Werner Tschirch. Der muss passen, Hohmann weiß es: Cäsar und Romy.

Der im Vergleich kleine Hoyerswerdaer Tiergarten hatte sogar einmal Elche. „Zoodirektoren heute würden fragen, ob wir damals verrückt gewesen sind“, sagt Hohmann und lacht. Aber: Eigentlich sollten sie in einem abgezäunten Waldstück bei Knappenrode angesiedelt werden, in einem Wildgehege. Zuvor war Nachzucht angedacht, um die Gruppe zu vergrößern.

Manchmal hat Hohmann auch krumme Wege gehen müssen. Zum Beispiel, um exotische Pflanzen zu bekommen. „Wir haben ja in der DDR kaum etwas gekriegt“, erzählt er. „Also bin ich nach Pillnitz gefahren. Der Gärtner dort hat mir schließlich den ganzen B 1000 vollgeladen“, sagt Hohmann. Der Grund: Der Gärtner sei sauer auf seine Vorgesetzten gewesen, weil er zu wenig Platz fürs Überwintern der Pflanzen gehabt habe. Profitiert hat Hoyerswerda.