Zum Glück scheinen sich die Einwohner Wittichenaus mit Computertastaturen auszukennen, denn sie waren am Wochenende in ausreichend großer Anzahl vorhanden, um die Mehrzweckhalle bis auf den letzten Platz auszufüllen. Ein um das andere Mal sangen sie den typischen Karnevalssong "Wir sind der Witt'chenauer Karnevalverein. Heut‘ feiert Fasching Jung und Alt und Groß und Klein", immer wieder und unermüdlich im Wechsel mit anderen Liedern eingespielt von der Cottbuser Band "Na und". So wurden musikalische Brücken geschlagen zu den einzelnen Reden in der Bütt, Sketchen oder Tanzdarbietungen. Das Ballett "Piraten der Karibik" beispielsweise bekam verdienten langanhaltenden Applaus für seine äußerst anspruchsvolle und energiegeladene Inszenierung. Mit der Schatzkiste, welche die Kulowschen Piraten dabei hatten, hat der Stadtkämmerer sicher geliebäugelt. So jedoch lieferten lokale und internationale Folgeerscheinungen akuter Finanznöte oder misslungener Spekulationen reichlich Material für die in Gedichtform verfassten Spottschriften aus dem Fass. Etwa in Bezug auf den Kindergarten: "Die Kinder müssen leise spielen, sonst fällt die Farbe auf die Dielen!" Tonio Kockert und Jens Kilang schrieben den ABBA-Hit "Money, Money, Money" etwas um und machten live mit Gitarre die von offizieller Seite gern verschwiegenen Folgen der Griechenlandkrise zum Thema: "Euro, Euro, Euro, alles teuro!" In ihrer gesungenen Büttenrede verarbeiteten sie unter viel Gelächter ihr Insiderwissen um das Wirken und Schaffen des Bauhofleiters Helmut H. und brachten den Saal mit einem Heimatlied zum Kochen: "Ich liebt‘ ein Mädchen in Keula, das war der letzte Heuler. Ich liebt‘ ein Mädchen in Klitten, das hatte große - Augen. Und dann beim Fasching in Witt'chenau, da fand ich endlich meine Frau!"

Karnevalspräsident Herbert Kobalz hätte Jens Kilang gerne unter seinen Kappenbrüdern gesehen. Aber dort müsse wohl erst mal die Frauenquote erhöht werden, wie Christian Schenker befand: "Ich betone immer wieder, es muss so sein: Hier müssen endlich Weiber rein." Herbert Kobalz hielt dagegen: "Weiber im Karnevalsverein, nur dass ihr es wisst, nicht so lange Leben in mir ist!" Punkt. Frauen sind beim Fasching dennoch gerne gesehen. Nicht nur als attraktive Funken, sondern auch als Komödianten mit Bauchrednerambitionen wie Marion Grellert, oder wie die Darsteller in der per Video eingespielten und überaus gelungenen Parodie auf das Versandhaus Zalando mit seinem Motto "Schrei vor Glück". Tolle Leistung. So vergingen fast vier Stunden bei allerlei Kurzweil, bis es endlich an das Lüften des geheimsten aller Geheimnisse ging: Wer wird der neue Prinz sein und die amtierenden Hoheiten Luisa und Matthias Zomack ablösen? Selbst der Präsident wusste darauf keine Antwort: "Die Prinzenwerbekommission hat mich voll veräppelt und mir in den Umschlag statt eines Zettels mit dem Namen nur eine Weihnachtskarte gesteckt!" So stieg die Spannung weiter, insbesondere weil ein maskierter Kandidat nach dem anderen ausschied. Bis dann endlich der Klub der "Smarties" ihren Mann vorne auf der Bühne stehen sah, verkleidet als Leuchtturm (des Lausitzer Seenlandes?). Roland Exner war es. Zusammen mit seiner Frau Petra wird er in der 306. Saison das Zepter schwingen. Obwohl der neue Prinz selbst Bankberater ist, bekommt er mit Klemens Zschorlich einen Kassenwart zur Seite gestellt. Doch die Prinzeneinführung wird definitiv am 28. Januar 2012 stattfinden.