ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Der Kampf gegen den Negativ-Trend

Lauta.. Manchmal scheint es, als sitze Kurt Tilgner mit seiner Mannschaft auf einer einsamen Insel. Während reihum die Wohnungsunternehmen über Leerstand und Mietschuldner klagen, kann der Geschäftsführer der Lautaer Wohnungsbaugesellschaft diese Probleme unter ferner liefen einordnen. „Wir müssen von keiner negativen Entwicklung sprechen“ , erklärt er gegenüber der RUNDSCHAU. Von Sven Hering

Der jüngste Jahresbericht, von Wirtschaftsprüfern erstellt und beinahe noch druckfrisch, stütze diese Einschätzung, betont Tilgner. Allerdings: Als Insel der Glückseligkeit will er den Verwaltungssitz in der Friedrich-Engels-Straße dann auch wieder nicht verstanden wissen. Denn völlig frei von allen Sorgen ist Tilgner nicht.
So belaste die Altschuldenfrage auch das Lautaer Unternehmen. „Mit dem Unterschied, dass für uns eine Lösung momentan nicht in Sicht ist“ , wie der Geschäftsführer erklärt. Denn nur im Zuge von Abrissmaßnahmen könne gegenwärtig über einen Erlass der alten Verbindlichkeiten verhandelt werden. Abreißen freilich will Tilgner vorerst nicht. Nicht heute und nicht morgen. Ganz ausschließen will er es allerdings auch nicht. „Ich kann doch heute noch nicht sagen, wie sich die Situation in fünf Jahren gestaltet und ob wir nicht dann gezwungen sein werden, vielleicht doch über dieses Thema nachzudenken“ , sagt er.
Gegenwärtig stehen allerdings gerade einmal 13 Wohnungen in Lauta leer. Über eine Quote von 2,2 Prozent würden sich die meisten Kollegen Tilgners mit Sicherheit riesig freuen. Ein Grund für die recht positive Zahl sieht der Wohnungsbau-Chef in der Mietpreisgestaltung seines Unternehmens. 4,86 Euro Kaltmiete müssen die Lautaer berappen, für die Laubuscher Wohnungen des Unternehmens liegt die Spanne zwischen vier und 4,57 Euro. „Für sanierten Wohnraum“ , ergänzt Tilgner. Damit allerdings sollte auch das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Das interne Ziel, die Fünf-Euro-Marke nicht zu erreichen, möchte die Wohnungsbaugesellschaft noch möglichst lange erfüllen. Unabhängig von der allgemeinen Preissteigerung.
„Ich glaube, das ist ein wertvolles Pfrund, mit dem wir wuchern können“ , streicht Tilgner die Bedeutung dieser Preispolitik heraus. Eine Kaution müsse ebenfalls nicht hinterlegt werden. „Es gab sicherlich zwei, drei Fälle, wo sich die Mieter einfach aus dem Staub gemacht haben und wir gerne von einer Kaution die Sanierung bestritten hätten“ , ergänzt Tilgner, „ansonsten hat sich unsere Vorgehensweise durchaus bewährt.“
Nicht ganz so glücklich ist der Chef des Lautaer Wohnungsunternehmens über die Begleiterscheinungen, die die „kleine Fusion“ mit dem Laubuscher Eigenbetrieb mit sich gebracht haben. Denn mit der Übernahme des Laubuscher Bestandes wurde eine Grunderwerbssteuer fällig. 115 000 Euro wollte das Finanzamt haben. „Geld, das wir natürlich lieber für andere Dinge ausgegeben hätten“ , sagt Tilgner.
Und beim Thema Geld leistet sich der Wohnungsbau-Chef dann doch noch ein paar Sorgenfalten. Denn möglicherweise wird die Gesellschaft schon bald noch einmal ordentlich zur Kasse gebeten. Dann nämlich, wenn der Abwasserzweckverband „Kamenz-Nord“ seine neue Beitrags- und Gebührensatzung verabschiedet. Einen ersten Vorgeschmack auf die zu erwartenden Belastungen bekam Tilgner in den Lautaer Stadtrats- und Ausschussitzungen vor der Sommerpause. „Ich wünschte mir“ , so der Wohnungsbauchef, „dass hier noch eine unternehmerfreundlichere Regelung getroffen wird.“

Hintergrund Zahlen & Fakten
  Insgesamt 606 Wohnungseinheiten gehören zum Bestand des Lautaer Unternehmens. 109 davon wurden vom früheren Laubuscher Eigenbetrieb übernommen.
Drei Gästewohnungen hat das Lautaer Unternehmen eingerichtet. Vollständig möbliert, können hier tageweise Übernachtungen gebucht werden. Dafür sind 15 Euro pro Person und Nacht zu berappen.
Das Durchschnittsalter der Mieter liegt bei rund 50 Jahren. „Hier sind wir gefordert, uns im Hinblick auf die Zukunft Gedanken zu machen“ , so Tilgner.
95 Prozent der Wohnungen sind saniert. Der übrige Bestand soll Schritt für Schritt auf Vordermann gebracht werden.