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Kino in der Kulturfabrik Hoyerswerda
Der Job des Filmvorführers startet dienstags

Filmvorführer Karsten Held holt noch einmal eine alte Filmrolle aus dem Archiv. Auf- und abgespult wird sie nichts mehr. Die Filme werden auf dem Kinoserver abgespeichert, bevor sie gezeigt werden.
Filmvorführer Karsten Held holt noch einmal eine alte Filmrolle aus dem Archiv. Auf- und abgespult wird sie nichts mehr. Die Filme werden auf dem Kinoserver abgespeichert, bevor sie gezeigt werden. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Karsten Held liebt das Kino. In der Kulturfabrik Hoyerswerda will er gern mal einen Stummfilm zeigen. Von Rainer Könen

Gelegentlich fährt der Hoyerswerdaer Karsten Held nach Dresden, um sich Kino-Filme anzuschauen. Für den 55-Jährigen ist das jedoch kein pures Freizeitvergnügen, er unternimmt diese Ausflüge auch aus beruflichen Gründen. „Wenn hier in der Hauptvorstellung nur zehn Leute sitzen, kommt so ein Film mit großer Sicherheit für uns nicht in Frage“, erzählt Karsten Held, der in der Kulturfabrik Hoyerswerda seit vielen Jahren auch für das Blow-Up-Programmkino zuständig ist. Wenn man so will, ist er der Filmvorführer. Der aber seit einigen Jahren nichts mehr mit Filmrollen zu tun hat, denn natürlich hat auch im Kufa-Kino die Digitalisierung Einzug gehalten. Jetzt muss er nur noch auf die „Play“-Taste des Computers drücken, um den Kinoabend zu starten. Klar, für ihn war das auch anfangs eine Umstellung. Er, der ja seine Karriere als Filmvorführer mit 35-mm-Projektoren begann.

Jeden Dienstag bekommt er die Festplatte mit dem Film zugeschickt, den er dann an den drei Kinotagen, am Donnerstag, Sonntag und Dienstag, zeigt. Zuerst gilt es den Streifen von der Festplatte auf den Kinoserver zu überspielen. „Das ist oft recht zeitintensiv“, sagt er.

Der gebürtige Bad Saarower, der in Dresden-Neustadt aufwuchs und 1972 nach Hoyerswerda kam, ist seit mehr als 20 Jahren in der Kulturfabrik für all das zuständig, was mit Kino zu tun hat. In dieser Zeit habe er bestimmt so rund 500 Filme gezeigt. Klar, nicht immer lag er mit seiner Einschätzung richtig. Manchmal sei der Besuch nicht gerade übermäßig ausgefallen. Aber oft genug, wie etwa bei der französischen Komödie „Willkommen bei den Sch´tis“ oder „Die fabelhafte Welt der Amelie“ sei das Publikumsinteresse enorm gewesen. „Da haben wir noch Zusatzvorstellungen eingelegt“, erzählt Held, der nach der Armeezeit und seinem Studium, er studierte Staats- und Rechtswissenschaften, bei der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung als Mitarbeiter im damaligen Jugendklub „Konrad Wolf“ begann. 1988 war das. Dort habe es auch Filmvorführungen gegeben. „Kino ist für mich immer etwas gewesen, das mich in den Bann gezogen hat. Das ist eine eigene, eine faszinierende Welt“, beschreibt er.
Held gehört noch der Generation an, die sich in der Welt der kleinen und großen Zeltkinos auskennen, in denen  Filmvorführer eine ganz große Rolle hatten, weil sie  auf diesen Veranstaltungen alles managen mussten, auch Filmrisse und die damit verbundenen Zwangspausen während einer Vorführung. Open-Air-Kinoveranstaltungen schätzt Karsten Held sehr. Auch, weil man da eine Menge Leute erreichen kann. Womit ja letztendlich die Arbeit eines Filmvorführers wertgeschätzt wird, findet der Hoyerswerdaer.
Sein Wunsch, seine Hoffnung: In der Kulturfabrik einmal einen Stummfilm zu zeigen, mit Live-Musik. Das, davon ist Karsten Held überzeugt, „wäre ein Kinoabend mit besonderem Flair“. Eine Vorführung, die sicher für einen vollen Saal sorgen würde, davon ist er überzeugt.