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| 08:45 Uhr

Der Historie und der Legende auf der Spur

Hans-Jürgen Schröter hat dieses Porträt des kroatischen Reiterobristen Sajatovic – geschaffen 2016 von Jörg Tausch – für sich erworben.
Hans-Jürgen Schröter hat dieses Porträt des kroatischen Reiterobristen Sajatovic – geschaffen 2016 von Jörg Tausch – für sich erworben. FOTO: Catrin Würz
Wittichenau. Sie haben 2016 für positive Schlagzeilen gesorgt – oder auch ganz im Stillen ein großartiges Vorhaben zu Ende gebracht, mutige Entscheidungen getroffen oder tolle Erfolge erzielt. Die RUNDSCHAU stellt solche „Menschen 2016“ vor. Heute: Hans-Jürgen Schröter. Der Wittichenauer Familien- und Ahnenforscher ist im Endspurt für sein Buch über den historischen Krabat Johann von Schadowitz. Catrin Würz

Ein Krabatjahr ist zu Ende gegangen, ein neues hat für die Oberlausitz wohl gerade begonnen. Denn nach dem weithin ausstrahlenden Krabat-Fest 2016 in Wittichenau soll nun auch 2017 ein wichtiger Impuls für die Krabat-Region von Wittichenau ausgehen: Hans-Jürgen Schröter, Familien- und Ahnenforscher aus der sächsischen Kleinstadt, will in diesem Jahr sein mit großem Interesse erwartetes Buch über jenen kroatischen Reiter-Obristen Janko Sajatovic alias Johann von Schadowitz vorlegen, der vor mehr als 300 Jahren in Dresden und Groß Särchen lebte und der als historischer Ursprung für die Lausitzer Krabat-Sage gilt.

Dass dieser Zusammenhang zwischen der realen Person des Schadowitz/Sajatovic und der Lausitzer Sagenfigur Krabat besteht, wird schon seit Längerem so gesehen. "Doch welche Beweise und historischen Hintergründe gibt es dafür? Welche Fakten und Dokumente können diese Theorie untersetzen? Das hat mich seit zehn Jahren einfach nicht mehr losgelassen", sagt der Genealoge Schröter heute. Also vertiefte er sich in Kirchenarchiven, Bibliotheken, Staatsarchiven und alten Chroniken. Er sah Dokumente im großen Archiv der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ein, nahm Kontakt zu Sammlern und Privatarchiven auf. Mehrere Jahre verbrachte der Wittichenauer damit, in den Unterlagen schlüssige Zuordnungen und Hinweise zu finden. Allein 13 verschiedene Schreibweisen für Schadowitz' Namen tauchen in den Annalen auf. "Mein Schlüsselerlebnis war es wohl, als ich vor einigen Jahren im Staatsarchiv Dresden jene Musterungsliste fand, auf der Sajatovic als Offizier der kurfürstlichen Leibgarde eigenhändig Angaben über seine Herkunft aus einem Dorf nahe dem kroatischen Zumberak - im damaligen "Krabatien" - machte", erzählt Schröter.

Im Jahr 1660 war Janko Sajatovic als junger Reiteroffizier in den Dienst des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. und in dessen kroatische Leibkompanie getreten. In drei Jahrzehnten machte er sich dort offenbar so verdient, dass er 1690 von Johann Georg III. das Gut Groß Särchen als Alterssitz übertragen bekam.

In dem damals verwendeten Landesnamen "Krabatien" (für Kroatien) und der Bezeichnung "Krabate" für Menschen von dort ergibt sich für Schröter einer jener Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen realen Begebenheiten aus Schadowitz' Leben, die den historischen Kern für die Krabat-Sage bilden. "Die ersten Aufzeichnungen der Krabat-Mythen stammen ja nachweislich von Pfarrern. Später wurden diese dann immer mehr ausgeschmückt - so dass sie heute eine Zauberergeschichte sind", erklärt der 57-jährige Krabat-Forscher.

Sein Buch, dessen Erscheinen sich durch verschiedene Umstände um ein Jahr verzögert hat, soll nun die umfassendste Sammlung der historischen Fakten, Hintergründe und Dokumente werden, die es bisher über den historischen Krabat und sein Leben gibt. In das Buch einfließen werden dabei nicht nur Hans-Jürgen Schröters Forschungen, sondern auch jene Informationen, die seit dem Beginn der 2000er-Jahre die Mannheimerin Ingrid Kalensee zusammengetragen hat. "Wir haben unabhängig voneinander Forschungen über Krabat und Schadowitz angestellt und uns vor einigen Jahren erstmals darüber ausgetauscht", erzählt der Wittichenauer. "Unsere Ergebnisse passten zusammen wie Puzzleteile und ergänzen sich gegenseitig", ist Schröter begeistert. Die inzwischen sehr betagte Germanistin aus Mannheim hat dem Wittichenauer ihre Forschungen zur Verfügung gestellt. "Ein Glücksfall für mich", so Schröter, der das Erscheinen seines Buches deshalb 2016 noch einmal zurückstellte.

"Die Forschung über Krabat ist wie eine Schatzsuche. Immer wieder taucht Neues auf", sagt Schröter. Doch 2017 soll nun die Veröffentlichung im Oberlausitzer Verlag auf jeden Fall erfolgen. Catrin Würz