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| 14:52 Uhr

Hoyerswerda
Der Gentest ist nicht entscheidend

Diese zwei jungen Kubakrokodile suchen Körperkontakt. Im Jahr 2013 ist dem Hoyerswerdaer Zoo zum ersten Mal die Zucht der seltenen Kuba- oder Rautenkrokodil genannten Art gelungen. Zurzeit gibt es sechsfachen Nachwuchs im Zoo.
Diese zwei jungen Kubakrokodile suchen Körperkontakt. Im Jahr 2013 ist dem Hoyerswerdaer Zoo zum ersten Mal die Zucht der seltenen Kuba- oder Rautenkrokodil genannten Art gelungen. Zurzeit gibt es sechsfachen Nachwuchs im Zoo. FOTO: Sascha Klein
Hoyerswerda. Die Jung-Krokodile aus dem Hoyerswerdaer Zoo sind europaweit begehrt. Dabei spielt die Frage, ob sie reinrassig sind, eher eine untergeordnete Rolle, sagt der zoologische Leiter Eugène Bruins. Von Sascha Klein

Die sechs kleinen Kubakrokodile im Zoo Hoyerswerda wachsen und gedeihen. Vor Kurzem haben die vier Erstgeschlüpften – allesamt Männchen – zwei Schwestern bekommen. Alle fressen gut. Der zoologische Leiter Eugène Bruins ist zufrieden.

Worüber er weniger zufrieden ist, ist die Diskussion über die Kubakrokodile an sich. Der erklärte Zoo-Gegner und einstige Hoyerswerdaer Stadtrat Frank Albrecht hatte die Reinrassigkeit aller Hoyerswerdaer Kubakrokodile und damit deren Bedeutung für den Artenschutz angezweifelt.

Für Eugène Bruins, gerade frisch aus dem Urlaub zurück, ist dieses Thema eigentlich gar keins. Er sagt: „Selbst wenn die Tiere Hybriden wären, sind sie wichtig.“ Denn Kubakrokodile seien nicht nur die aggressivsten Vertreter ihrer Gattung, sondern auch europaweit gefragt. Allerdings, so schränkt Bruins ein, gehe der Zoo Hoyerswerda nach wie vor davon aus, dass es sich bei Jaco und Primos, den beiden Kubakrokodilen im Zoo Hoyerswerda und Eltern des jetzigen Nachwuches, um reinrassige Tiere handelt. So ist es zumindest aus den mehr als 35 Jahre alten Unterlagen nachzuvollziehen. Die Tiere waren zunächst im Jahr 1981 aus einer kubanischen Zuchtfarm zum Staatszirkus der DDR gekommen. Der hatte sie im Jahr 1986 an den einstigen Tierpark Hoyerswerda abgegeben.

Die Frage steht jetzt: Wie lässt sich herausfinden, ob die acht Hoyerswerdaer Kubakrokodile – zwei Alt- und sechs Jungtiere – tatsächlich reinrassig sind? Schon im Jahr 2015/16 hatte der damalige Zuchtbuchführer mit Sitz in England eine europaweite genetische Untersuchung aller Kubakrokodile angestoßen. Auch der Zoo Hoyerswerda hatte Proben eingesandt. Jetzt sagt Eugène Bruins: Dadurch, dass die Zuchtbuchführer inzwischen mehrmals gewechselt haben, würde es vorerst keinen europaweiten Gentest mehr geben.

Um mehr Informationen zu bekommen, habe er selbst versucht, mit zuständigen Stellen auf Kuba in Kontakt zu treten – bislang erfolglos, so Bruins. Mails in Englisch und Spanisch seien unbeantwortet geblieben.

Der Kontakt nach Kuba sei jedoch entscheidend: Denn nur dort gebe es verlässliches genetischen Material von reinrassigen Kubakrokodilen, die mit den Genen der Hoyerswerdaer Tiere verglichen werden könnten. Falls dies nicht zustande kommt, ist das laut Bruins aber kein großes Problem: „Schließlich ist das Hauptziel für uns nicht die Auswilderung.“ Es sei von vornherein klar gewesen, dass die Jungtiere nicht zurück nach Kuba gehen, sondern in Europa bleiben. „Man kann auch Kubakrokodile zeigen und Naturschutz betreiben, wenn man nicht eindeutig weiß, ob die Tiere reinrassig sind“, sagt er.

Der Zoo Hoyerswerda wird, wie den Krokodil-Nachwuchs 2013, auch diesmal wieder abgeben. Ist es dann Zoos egal, ob sie reinrassige Tiere oder Hybriden bekommen? „Egal ist es ihnen natürlich nicht“, sagt Eugène Bruins. Zoos wollten am liebsten reinrassige Tiere erhalten.

Der Zoo Hoyerswerda habe bereits drei Abnehmer für die Tiere – einer davon ist laut des zoologischen Leiters ein neu entstehender Reptilienzoo in den Niederlanden. Die ersten beiden Jungtiere könnten bereits im September oder Oktober umziehen. „Die drei Zoos wissen, dass die Tiere Hybriden sein könnten“, sagt Bruins. Zoo-Gäste in Hoyerswerda können die jungen Krokodile voraussichtlich bis zum Jahresende sehen. Dann werden auch die letzten eine neue Heimat gefunden haben – auch ohne einen verbindlichen Gen-Test.