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| 01:02 Uhr

Der erste Schritt zum kleinen Paradies

Elsterheide.. Nein, einen euphorischen Eindruck machte Jürgen Rosemund auch gestern nicht. Dabei hätte der Projektmanager für das Naturschutzvorhaben Lausitzer Seenland seit Dienstagabend allen Grund dazu. Hat doch der Bund seine Zusage eingelöst und die Fördermittel von 4,5 Millionen Euro bereitgestellt. Doch Rosemund ist angesichts der Ereignisse der letzten Monate, als das Projekt, das einige auch als Rosemunds Lebenswerk bezeichnen, beinahe gescheitert wäre, vorsichtig geworden. Von Sven Hering

Ein Stück Papier fehlt dem Geschäftsführer der Lausitzer Seenland gGmbH noch zum ganz großen Glück. Der Fördermittelbescheid des Freistaates, so verrät Rosemund, soll allerdings noch in dieser Woche eintreffen. „Ich gehe davon aus, dass das nur noch eine Formalie ist“ , sagt Jürgen Rosemund. Gibt es auch hier grünes Licht - der Freistaat steuert 20 Prozent der Projektkosten bei - dann geht es endlich ans Eingemachte.
Der Zeitplan steht: Zunächst sollen die Verhandlungen mit der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) über den Erwerb der Flächen in dem 5700 Hektar großen Areal zum Abschluss gebracht werden. „Die Verträge liegen bereits vor, sie müssen jetzt nur noch zum Notar, ehe sie unterschrieben werden können“ , sagt der Projektleiter. Dies solle noch in diesem Jahr geschehen.
Parallel dazu werde die Ausschreibung für die ersten Stellen auf den Weg gebracht. Als große Jobmaschine erweist sich das Nauturschutzvorhaben in seinem Anfangsstadium dabei noch nicht. Zwei Stellen gilt es zu besetzen. Gesucht werden ein Forstexperte und ein Projektleiter. Die Sekretärin, die sich bereits jetzt um den umfangreichen Schriftverkehr kümmert, soll eine Halbtagsstelle besetzen. „Wenn es gut läuft“ , sagt Rosemund, „haben wir die Leute im Februar, spätestens aber im März.“
Hat sich der Winter verabschiedet, wird es auch erste sichtbare Veränderungen in der Landschaft geben. Ein Hauptschwerpunkt wird dabei der Waldumbau sein. Die Nadelforste sollen in einen naturnahen Mischwald umgestaltet werden. „Hier sind wir auch ein wenig unter Zeitdruck, denn der Borkenkäfer macht uns ordentlich zu schaffen“ , verrät Rosemund. Deshalb sollen in einem ersten Schritt die befallenen Bäume aus dem Bestand genommen werden. Dann werden Eichen und Birken gepflanzt. „Eine gute Gelegenheit für das eine oder andere Experiment“ , erklärt Rosemund. Ein Teil der neuen Bäume soll durch Zäune geschützt werden, in einem anderen Gebiet soll darauf verzichtet werden. Stattdessen gibt es hier dann eine „scharfe Bejagung“ , sagt der Projektleiter. Vom Waldumbau werden dann auch erstmals so richtig einheimische Unternehmen profitieren können. Sie sollen mit den Arbeiten beauftragt werden.
Auf den Wiesenflächen hingegen werden künftig - so steht es in den fertigen Konzepten - große Schafherden das Bild bestimmen. „Die ersten Tiere gibt es hier ja schon, wir wollen mit den Schäfern Verträge über die Bewirtschaftung abschließen“ , so der Seenland-GmbH-Chef.
Einen ganz wichtigen Punkt, den er bisher bewusst ein wenig vernachlässigt habe, will Rosemund mit seinem Team in den kommenden Monaten ebenfalls angehen. „Wir müssen unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärken.“ Der Aufbau einer Internet-Präsenz sei geplant, Werbung für den sanften Tourismus unerlässlich. „Bei uns wird sowohl der Käferliebhaber, der ganz spezielle Interessen hat, wie auch der allgemein interessierte Besucher auf seine Kosten kommen“ , verspricht der Projektleiter.
In vielen Fragen herrscht also schon Klarheit, nur ein Problem hat Rosemund bisher noch nicht lösen können: Für die Leute, die künftig die Führungen übernehmen, ist ihm noch kein passender Name eingefallen. Die Bezeichnung „Ranger“ , wie sie anderswo üblich ist, findet Rosemund für das Lausitzer Seenland „nicht besonders schön.“