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Der erste Schritt in Richtung Hilfe

Jacqueline Bramborg ist Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle, die in der Hoyerswerdaer Schulstraße ist. Im neuen Wegweiser der Kontaktstelle finden Interessierte viele Ansprechpartner im gesamten Landkreis Bautzen. Dieser Wegweiser ist demnächst bei vielen öffentlichen Stellen erhältlich.
Jacqueline Bramborg ist Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle, die in der Hoyerswerdaer Schulstraße ist. Im neuen Wegweiser der Kontaktstelle finden Interessierte viele Ansprechpartner im gesamten Landkreis Bautzen. Dieser Wegweiser ist demnächst bei vielen öffentlichen Stellen erhältlich. FOTO: Sascha Klein
Hoyerswerda. Wer an die Tür von Jacqueline Bramborg klopft, hat in der Regel Sorgen – oftmals sogar große Sorgen. Die 45-Jährige ist für viele Menschen im Landkreis Bautzen die erste Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, Hilfe zu suchen. Sascha Klein

Die dreifache Mutter ist Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle (SKS) der Diakonie. Hinter dem etwas sperrigen Namen steckt ein riesiges Netzwerk an Vereinen, Verbänden, Institutionen und Gleichgesinnten. Denn: Jacqueline Bramborg sucht für viele Menschen in der Region den Schlüssel für das passende Schloss. Sie vermittelt Selbsthilfegruppen.

Sehr nachgefragt zurzeit: Hilfe bei Depressionen, Angst- oder Panikzuständen. Allein für Depressionen gibt es derzeit vier Gruppen im Landkreis. Wobei die 45-Jährige betont: "Die Selbsthilfe ersetzt nie eine Therapie oder ärztliche Behandlung." Die Kontaktstelle wird in der Regel dann tätig, wenn Menschen nach einer Behandlung Gleichgesinnte suchen, um mit ihnen über ihre Sorgen und Nöte zu reden.

Wer dabei denkt, dass dann alle in einem Stuhlkreis sitzen und sich selbst bemitleiden, liegt komplett falsch. "Natürlich wird in den Gruppen viel miteinander geredet. Aber einige Gruppen gehen auch raus, treffen sich in Cafés, unternehmen etwas, helfen sich gegenseitig und verbringen Zeit miteinander", sagt Jacqueline Bramborg. Sie ist diejenige, die diese Menschen zueinander bringt.

Zurzeit gibt es im Landkreis Bautzen 160 Selbsthilfegruppen, -verbände und Gesprächskreise, bei denen Betroffene Hilfe suchen. Dabei geht das Angebot für Angehörige von Alzheimerpatienten über Harninkontinenz bis Wirbelsäulenerkrankungen. Die komplette Übersicht ist auf der Internetseite der Selbsthilfekontaktstelle unter der Adresse www.sh-lk-bz.de zu finden.

Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe - ab sechs Personen zählt sie als solche - ist kostenfrei. Es ist sogar möglich, Förderung für anfallende Kosten wie für Telefon oder Porto zu erhalten. Dabei hilft die SKS.

Jacqueline Bramborg erlebt in ihrer täglichen Arbeit drei Arten von Personen, die Kontakt zu ihr aufnehmen. Die einen seien verzweifelt, andere eher verschlossen und zurückhaltend, die nächsten dagegen sehr fordernd. "Wir versuchen, auf alle individuell einzugehen", sagt die Leiterin der SKS.

Der Vorteil einer Selbsthilfegruppe: "Die Leute sehen, dass sie nicht allein mit ihren Problemen sind. Sie tauschen sich aus, geben sich Hilfestellung und fühlen sich verstanden", sagt Jacqueline Bramborg.

Eine Sache, die in allen Selbsthilfegruppen wichtig ist: das gemeinsame Lachen und die richtige Portion Optimismus. Es gibt jedoch auch klare Regeln. Eine lautet: Das Gesprochene verlässt den Raum nicht. Das heißt: Betroffene sollen sich in der Gruppe sicher fühlen und sich sicher sein, dass ihre Nöte nicht nach außen getragen werden.

Zum Thema:
An diesem Samstag, 23. September, findet von 10 bis 16 Uhr der Selbsthilfetag des Kreises Bautzen in der Helios-Klinik Pulsnitz statt. Hauptthema des Tages ist: "Wenn die Seele streikt". Es geht um Depression und Burn-out. Dazu gibt es ab 10 Uhr Vorträge. Zudem stellen sich Selbsthilfegruppen vor.Die Selbsthilfekontaktstelle im Kreis Bautzen hat ein Büro in Hoyerswerda (Schulstraße 5) und eines in Bautzen (Löhrstraße 33). Zudem sind Sprechstunden in Kamenz auf Nachfrage möglich.Die SKS ist erreichbar unter Telefon: 03571 408365 oder per Mail: sks-hy@diakonie-hoyerswerda.de.