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| 14:42 Uhr

Fotografie
Der Blickfang bei Andreas Rümcke: eine Globica II

Der Hoyerswerdaer Fotograf Andreas Rümcke mit seiner Globica II.
Der Hoyerswerdaer Fotograf Andreas Rümcke mit seiner Globica II. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Die museumsreife Kamera steht noch immer im Hoyerswerdaer Fotostudio des 52-Jährigen. Für ihren Einsatz ist Zeit notwendig. Von Rainer Könen

Eine halbe Stunde für sechs Fotos. Drei in sitzender, drei in stehender Pose. Harte Arbeit sei das gewesen, erinnert sich Andreas Rümcke. Zur Vorwendezeit war das, als er häufig Hochzeitspaare fotografierte. Bis zu zehn an einem Tag. Und die „musste man bei den Terminen immer bei Laune halten“, blickt der 52-jährige Fotograf zurück. Denn die Globica II, mit der Rümcke seinerzeit fotografierte, riss ihr Auge, je nachdem, wie man sie einstellte, meist für einige Sekunden auf. Was in der heutigen Zeit  nicht mehr vorstellbar ist, die Belichtungszeit von Digitalkameras beträgt ja nur noch den Bruchteil einer Sekunde. Doch bei der Globica-Fotografie galt es, den Gesichtsausdruck einzufrieren. Fiel nicht jedem leicht, so Andreas Rümcke.
In seinem Fotostudio in der Hoy­erswerdaer Altstadt steht die Globica II noch immer, hergestellt im VEB Görlitz Ende der 60erJahre. Fotografieren mit dieser rund 45 Kilogramm schweren Kamera bedeutet auch, etwas zu brauchen, was in der heutigen Zeit ein knappes Gut zu sein scheint: Zeit. Zeit fürs Motiv, Zeit für die richtige Kameraeinstellung. Fotografieren mit Platten, entwickeln in der Dunkelkammer, Andreas Rümcke zeigt Bilder, die er mit der Globica II gemacht hat. Das Fotografieren mit dieser Großformatkamera gab und gibt Fotografen oft genug einen richtigen Kick. Wer Menschen damit fotografiert, mit dieser langen Belichtungszeit, gibt auch der Seele Gelegenheit ins Bild zu schlüpfen. Da zerbröseln Posen, zeigen die Menschen sich so, wie sie sind. Wird aus kecken Blicken ein naturalistischer Gesichtsausdruck. Im besten Fall legt eine solche Kamera das Wesen des Porträtierten, eines Gebäudes oder einer Landschaft frei.
Viele Exemplare dieser Globica II gebe es heute nicht mehr, sagt Andreas Rümcke. Die heute üblichen technischen Standards wie Zeitsteuerung oder Schärfekontrolle fehlt der alten Fototechnik. Alles geht manuell. „Da kommen die grundlegenden handwerklichen Fähigkeiten der Fotografie zum Tragen“, so Rümcke.

Seine Globica II will er auf gar keinen Fall weggeben, weil „zu viele Erinnerungen dranhängen“, so der Hoyerswerdaer. An die Zeit, als das Fotografieren noch richtige Handarbeit war, als der Fotograf darauf hoffte, dass die Menschen, die er ablichtete, „gut drauf waren“, so Rümcke weiter. Denn das, so der Hoyerswerdaer Fotograf, sei immer eine gute Basis für ein schönes und eindrucksvolles Bild gewesen.