ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:24 Uhr

Kindertagesstätten
Der 14-Stunden-Kita-Service

Mahlzeit: In der Kita-Küche vom „Spielparadies“ gibt es nicht nur Frühstück, Mittag und Vesper, sondern auch Abendbrot. Bis 20 Uhr können Kita- und Hortkinder hier betreut werden. V.l.: Eskil Kuwalczyk (10), Kita-Leiterin Carola Wenzel (57), Irén Körner (44) und Tochter Pia (6) sowie Elternratsvorsitzende Jana Kuwalczyk (43) mit Tochter Lykka (5) haben schon mal Platz genommen.
Mahlzeit: In der Kita-Küche vom „Spielparadies“ gibt es nicht nur Frühstück, Mittag und Vesper, sondern auch Abendbrot. Bis 20 Uhr können Kita- und Hortkinder hier betreut werden. V.l.: Eskil Kuwalczyk (10), Kita-Leiterin Carola Wenzel (57), Irén Körner (44) und Tochter Pia (6) sowie Elternratsvorsitzende Jana Kuwalczyk (43) mit Tochter Lykka (5) haben schon mal Platz genommen. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Spätschicht, Taxifahrt, Kinderkost: Wie sich die Hoyerswerdaer Kita „Spielparadies“ an die Arbeits- und Alltagswelt der Familien anpasst. Von Anja Hummel

Dienstags und donnerstags ist Pia „Abendbrotkind“. Pünktlich um dreiviertel sechs sitzt sie dann am Tisch in der Kita-Küche, hat ihre Brotbüchse vor der Nase, isst gemeinsam mit ihren kleinen Freunden. Während es sich die Sechsjährige schmecken lässt, arbeitet Mama Irén Körner noch, hat Bürosprechzeit bis 18 Uhr. Eine halbe Stunde später, direkt nach Feierabend, holt sie ihre Tochter im „Spielparadies“ in Hoyerswerdas Neustadt ab. Manchmal, wenn Versammlungen anstehen, kann es bei ihr auch noch später werden. „Wir müssen uns mit den Arbeitszeiten arrangieren. Deshalb war es auch so wichtig, so eine Kita zu finden“, sagt Irén Körner.

Von morgens um 6 bis abends 20 Uhr hat das „Spielparadies“ geöffnet. Schon vor 18 Jahren wurden die verlängerten Öffnungszeiten eingeführt, erzählt Kita-Leiterin Carola Wenzel. Und immer mehr Eltern nutzen diesen Service. „Wir möchten es einfach ermöglichen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen“, sagt Carola Wenzel. Ständig nach Möglichkeiten der Betreuung suchen zu müssen, bei Oma, Tante, Freundin nachzufragen, das sei schließlich weder für Kinder noch für Eltern schön.

Insgesamt werden in der Einrichtung, deren Träger die AWO Lausitz ist, 170 Kinder betreut. Zur Abendbrotzeit sitzen im Durchschnitt etwa 20 Kinder am Tisch. „Das ist immer unterschiedlich. Viele Eltern arbeiten in Schichten, haben lange Sprechtage, sind selbstständig“, erzählt die Kita-Chefin, die noch eine Neuigkeit parat hat: „Nach den Sommerferien werden wir schon um 5.30 Uhr öffnen.“ Dass dieser Wunsch da ist, hat sich aus einer Umfrage unter den Eltern ergeben. Und dass die Kommunikation zwischen Eltern und Erziehern so gut funktioniert, dafür sorgt seit vielen Jahren nicht zuletzt Jana Kuwalczyk. Die Mutter von Eskil und Lykka ist Elternratsvorsitzende der Kita. Die ab August erweiterte Öffnungszeit? Kann sie nur begrüßen. „Es gibt viele Eltern, die schon um sechs Uhr auf Arbeit sein müssen“, weiß die 43-Jährige, die selbst auch in Schichten arbeitet. Während ihre fünfjährige Tochter noch in der Kita ist, geht der zehnjährige Eskil längst in die Schule. „Wir nutzen aber auch das Hortangebot hier“, sagt Jana Kuwalczyk. Damit der Weg vom Hort zur Schule und umgedreht abgesichert ist, bietet das „Spielparadies“ einen Taxiservice an. Da setzt sich auch Chefin Carola Wenzel selber mal in den Bus, um die Schüler sicher in die Kita zu chauffieren. „Der Mehraufwand ist schon groß, der Abstimmungsbedarf mit den Schulen enorm“, sagt Carola Wenzel. „Aber die Eltern können sich auf uns verlassen.“

Nicht zuletzt dieses Angebot mag dazu beitragen, dass die Kita bis auf den letzten Platz belegt ist. „Und auf die Warteliste kommt nur, wer unsere Spätbetreuung in Anspruch nimmt“, erklärt Wenzel, die seit dem Jahr 2009 Kita-Leiterin ist. In all den Jahren haben sich die Bedürfnisse der Eltern sehr verändert.  „Was wir in Hinblick auf die Bedürfnisse umsetzen können, das setzen wir auch um“, versichert sie. Erst vor kurzem wurde beispielsweise das Essen umgestellt, ein neuer Anbieter gefunden. Der kocht „kindgerecht“: salz- und zuckerarm, frische Produkte, wenig Fett. Doch nur weil die Kita immer mehr zum Rundum-Service für Eltern und Kind avanciert, gehen die Familien nicht leichtfertig mit dem Angebot um, betont Carola Wenzel. „Die Zeit, die miteinander verbracht wird, wird umso intensiver genutzt“, hat sie die Erfahrung gemacht. Doch manchmal, gesteht sie, komme bei den Eltern doch das schlechte Gewissen durch. „Dann beruhige ich sie. Bei uns fühlt sich kein Kind allein“, sagt die Kita-Chefin. Auch Pia ist gern mal „Abendbrotkind“. Und Mama Irén ist dankbar dafür. Denn nach einem langen Arbeitstag kann sie eine entspannte und glückliche Tochter in ihre Arme schließen. „Das Essen ist erledigt, und sie kann zu Hause direkt zur Ruhe kommen.“ Das wiederum kommt auch der Mutti zugute, die am nächsten Morgen umso fitter für die gemeinsame Zeit mit dem Töchterchen ist.