CDU-Stadtrat Bernhard Waldau war nach eigenem Bekunden der Ohnmacht nahe. Grund dafür waren ein Bericht mit Foto in der der Lausitzer Rundschau. Es ging um das Umsetzen einer Gedenktafel für den 1932 in Weißwasser erschossenen KPD-ler Erich Kanitz.

Der zu DDR-Zeiten gefertigte, rote Granitstein mit der stark ideologisch geprägten Inschrift "Dein Kampf ist uns Verpflichtung" fand jetzt in der Waldhausstraße einen neuen Platz. Die freie Fläche am Turnerheim-Sportgelände entstand, weil ein marodes Kassenhäuschen und eine Litfaßsäule abgerissen worden waren, wie Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) auf Nachfrage informierte. Der Gedenkstein stand zuvor in der 4. Mittelschule, die kürzlich rückgebaut wurde. Die Stadt habe in Absprache mit der Denkmal-Kommission gehandelt.

Bernhard Waldau war zuvor nicht über das Umsetzen des Denkmals informiert worden. "Sicherlich auch sonst keiner der Stadträte", sagt er. Dabei hätte dieses Vorgehen dringend diskutiert werden müssen. "Wenigstens im Ausschuss für Kultur, Soziales und Sport", so Waldau weiter. Im Ergebnis wäre der Stein mit der eingravierten Kampfparole sicher nicht dort hingesetzt worden, wo er jetzt steht. Für Waldau gehört er überhaupt nicht in den öffentlichen Raum und müsse umgesetzt werden: "Das werde ich im Stadtrat fordern. Erich Kanitz war Mitglied einer auch heute noch verbotenen Partei. Bald bekommt wohl noch ein russischer Panzer, der unter Denkmalschutz steht, einen Platz in der Straße des Friedens."

Auf dem Stein stehe ferner das Wort "ermordet", obwohl gar nicht feststehe, dass Kanitz ermordet wurde, so Waldau. Eine Polizei-Kugel habe den KPD-Mann im Juli 1932 getroffen, als sich Kommunisten und Nationalsozialisten in Weißwasser eine Auseinandersetzung lieferten.

Kritisch äußern sich auch Anwohner der Waldhausstraße. Angelika Bläck fühlt sich unangenehm erinnert an die Streitereien über den Straßennamen kurz nach der Wende. Damals wurde die Kanitz-Straße zunächst in Siegfried-Straße umgetauft. Nach einem Hinweis auf einen gleichnamigen Nationalsozialisten, nach dem während der Hitler-Diktatur die Straße mit den Häusern für SA-Männer benannt worden war, stand die nächste Straßentaufe an. Aus der Siegfried-Straße wurde die Waldhausstraße.

Diese unschöne Geschichte werde mit dem Denkmal nun wieder aufgewärmt, so Angelika Bläck. Es sei auch widersinnig, Kanitz erst den Straßennamen nicht zu gönnen, dann aber dort ein Denkmal für ihn zu platzieren.Frank Schwarzkopf aus der Waldhausstraße kann zwar mit dem Denkmal leben, wie er sagt. Doch hätte man vonseiten der Stadt über das Vorhaben vorher unbedingt informieren und eine Diskussion zulassen müssen. So sei das "ein Schnellschuss". Ohne die nötige Sensibilität habe man völlig unnötigerweise ein Politikum produziert, sagt Schwarzkopf.

Günter Segger, Vorsitzender der Denkmal-Kommision in Weißwasser, zeigt sich von der Kritik aus der CDU-Stadtratfraktion nicht überrascht. Mit historischen Zeugnissen aus der DDR-Zeit habe man dort offenbar grundsätzlich ein Problem. Doch auch eine Gedenkplatte für den Kommunisten Erich Kanitz sei Teil einer erhaltenswerten Geschichte, so Segger.

Im August 1970 sei die heute denkmalgeschützte Tafel am Wasserturm in Weißwasser eingeweiht, später dann zur Polytechnischen Oberschule in Weißwasser-Süd transportiert worden. Mit dem Abriss der Schule vor wenigen Wochen stellte sich die Frage: Wohin mit dem Denkmal?

Den Platz an der Waldhausstraße hält Segger für geeignet: "Gerade weil die Straße mal nach Kanitz benannt wurde, gibt es die Verbindung zum Denkmal." Zu der Forderung Bernhard Waldaus, für die Tafel einen anderen Standort zu suchen, sagt Segger nur: "Wenn der Stadtrat das will, dann machen wir das. Nur soll er dann auch bitte sagen, wo das Denkmal stehen soll."

Oberürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) sieht das ähnlich pragmatisch: "Dann soll der Stadtrat das beschließen." Nichts anfangen kann Pötzsch mit der Kritik, dass die Stadt über die Umsetzung vorher hätte informieren müssen: "Wir können nicht über alles diskutieren." Die Stadt habe den Rat der Denkmal-Komission eingeholt. Das habe in diesem Fall ausgereicht.