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| 02:40 Uhr

Den Frühling einfach herbeigesungen

Der Mädchenchor "Cantemus" gestaltete seinen Auftritt beim Benefizkonzert gern auch mal mit Bewegung und Körpereinsatz.
Der Mädchenchor "Cantemus" gestaltete seinen Auftritt beim Benefizkonzert gern auch mal mit Bewegung und Körpereinsatz. FOTO: Decker/mdr1
Hoyerswerda. Am Donnerstag gaben die Chöre des Lessing-Gymnasiums in der Lausitzhalle ihr traditionelles Benefizkonzert. Es handelte vom Frühling und der Hoffnung, die jedem Anfang innewohnt. Mandy Decker / mdr1

Haben Sie sich vielleicht schon gefragt, wo denn in diesem Jahr der Frühling bleibt? Sorgen Sie sich nicht. Er wartet auf sein Startsignal. Und das ist in Hoyerswerda das Benefizkonzert der Lessing-Chöre. In diesem Jahr musste das Konzert, das alljährlich einen der Höhepunkte im gemeinsamen Veranstaltungskalender des Musikprofils der Schule, der Kulturschulprojekte und der Schülerfirma "Pupils on Stage" darstellt, organisatorisch dem Landeswettbewerb "Jugend musiziert" Platz machen. Am Gründonnerstag aber war es soweit. Im voll besetzten Saal der Lausitzhalle sangen und tanzten 250 Schülerinnen und Schüler im Mädchenchor Cantemus, in den Kinder- und Jugendchören, der Schulband "404: band not found" und in den Jazz-Tanzgruppen die Morgendämmerung der wärmeren Jahreszeit herbei.

Sehnsuchtslieder

Dabei setzten die Mädchen und Jungen gemeinsam mit ihren Musiklehrern zunächst auf herkömmliche Weisen. "Frau Musica singt", das Loblied auf die beste Zeit des Jahres, bot den feierlichen Auftakt zum Gesang des vielfach ausgezeichneten Mädchenchores "Cantemus". Johannes Brahms Weisen "Die Müllerin" und "Die Nonne" leiteten hinüber in den Zauber des Sehnsuchtsliedes "Jerusalem of Gold", in dem die israelische Dichterin und Komponistin Naomi Schemer schon 1967 von der Unerreichbarkeit ihrer verbotenen Heimat erzählt. "Wir suchen die Lieder für das Benefizkonzert aus und ahnen mitunter gar nicht, wie aktuell sie am Tage des Konzertes sein werden", sagt Ilona Seliger, die Leiterin des Jugendchores, an diesem Abend. Und sie wird den Text der Ballade "Stairway to heaven" der britischen Rockband Led Zeppelin verlesen, der von einer Frau berichtet, die sich eine Treppe zum Himmel erkauft. Eine Treppe, die sie aus einer Zeit tragen soll, in der die Schatten der Menschen größer sind als ihre Herzen und die doch nur auf dem doppeldeutigen und ungewissen Säuseln des Windes aufgebaut ist. 1971 uraufgeführt ist der Titel aktueller denn je. Der Jugendchor singt ihn in eindringlicher Weise zum Ausklang des Abends.

Wanderung durch Zeit und Raum

In zweieinhalb Stunden wanderten die mehr als 850 Zuhörer mit den Chören durch Zeit und Raum. "Es ist ein guter Tag" sang der Kinderchor mit Text und Ton von Thomas Richter. "Das lässt sich alles reparieren", ermunterten die jungen Sänger ihr Publikum mit einem Lied von Jacob Bürthels. Der Jugendchor hält sich erst an Brahms eingängige Choräle "All mein Gedanken" und "Waldesnacht" aus dem Zyklus "Sieben Lieder", um seine Zuhörer später mit einem Titel des Hoyerswerdaer Liedermachers Gerhard Gundermann geschickt wieder nach Haus zurück zu holen. "Immer wieder wächst das Gras, wild und hoch und grün", singt der Chor und gibt den Zwöftklässlern aus dem Musikprofil, die zuvor mit dem Andreas Bourani-Song "Ein Hoch auf uns" ihr letztes Lied bei einem Benefizkonzert des Lessing-Gymnasiums gesungen haben, das Bild von der zufallenden, bunten Kinderzimmertür mit auf den Weg.

Und mit diesen Bildern vom ewigen Kreis des Lebens kann jeder Konzertbesucher ins Osterwochenende gehen. Denn nun wird der Frühling ganz bestimmt nach Hoyerswerda kommen. Der Erlös des Benefizkonzertes kommt der Arbeit des Schulfördervereins im Lessing-Gymnasium zugute.