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| 17:46 Uhr

Tanzende Schuhe in der Lausitzhalle
Dem Geheimnis der klackernden Steppschuhe auf der Spur

Die tanzenden Steppschuhe, sie dürften sicher Besucher in Versuchung geführt haben, sich daheim dem irischen Spirit of Life zu nähern.
Die tanzenden Steppschuhe, sie dürften sicher Besucher in Versuchung geführt haben, sich daheim dem irischen Spirit of Life zu nähern. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Bei der Show „Night oft the Dance“ in der Lausitzhalle Hoyerswerda steht das Handwerkszeug der Tänzer im Blickpunkt. Von Rainer Könen

Klackidiklackidiklack. Wer den Stepptänzern von „Night oft the Dance“ am Donnerstagabend in der Lausitzhalle zuschaut, der staunt, wie federleicht diese über die Bühne federn. Hand aufs Herz: Hat man, wenn man ein Faible für diese tanzende Ausdrucksform hat, nicht auch einmal zuhause versucht, die irischen Stepptänzer zu plagiieren, sich bemüht, ihrer staccatoähnlichen Rasanz nachzueifern, in diesem Tempo, dass schon beim Zuschauen Schwindelanfälle auslösen kann? Da muss man bei derartigen Aktionen höllisch aufpassen, dass man sich dabei nicht die Beine bricht. Und überhaupt: Wie kriegen die Tänzer dieses prägnante Klackern hin, diesen in das Bewusstsein eindringenden Rhythmus, den man mitunter einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt?
Also muss ein Experte her. Einer, der das Geheimnis der klackernden Steppschuhe, wenn es denn eines ist, lüften kann. Zwei Stunden vor Beginn der Aufführung betreten junge Männer und Frauen die Bühne. Unter ihnen Liam Caputo. Er ist Vortänzer und Choreograph der Show. „Herr Caputo, was ist das Mysteriöse, das Besondere an den Steppschuhen?“ Der 37-Jährige schaut überrascht, erzählt, dass sich noch nie jemand für die Steppschuhe interessiert habe. Aber gut so. Einer muss ja den Anfang machen. Caputo, der im Gegensatz zu den anderen fragil-wirkenden Tänzern von bemerkenswert kräftiger Statur ist, wird an diesem Abend mit seinem Ensemble rund 350 Besucher mit den Steppschuhen verzaubern. Irland, dass muss man dieser Stelle auch kurz erklären, ist nicht nur fürs Guinnessbier oder die besonders grünen Wiesen bekannt, sondern auch durch die traditionellen irischen Tänze, deren bemerkenswert akustischer Eindruck der Steppschuh ist. Einen dieser bis zu 200 Euro teuren Schuhe hat Caputo aus der Garderobe geholt. Es ist ein sogenannter Hardshoe. Diese sind mit einer Sohle aus Leder und Glasfaser-Kunststoff versehen, wirken auf den ersten Blick wie aufgetunte Sonntagsschuhe, mit ihren Kunststoffplatten an den Absätzen, den Heels und den Toes, einer Art Keil am vorderen Fußbereich. Doch das vermeintlich Mysteriöse an diesen Schuhen ist nicht deren Beschaffenheit, sondern der Klang, den sie erzeugen, wenn die Tänzer über die Bühne fliegen. Mit diesem aufrüttelnden Klackern wird irische Lebensart verströmt.
Der Steppschuh ist für Caputo und seine Tänzer das Allerheiligste. Logisch, dass sich jeder um sein Schuhwerk selbst kümmert. Die Damen des Ensembles nutzen ebenfalls Hardshoes, treten aber auch mit der weicheren Variante, den Softshoes, auf. Das Charakteristische an diesem Schuhwerk ist die weiche Ledersohle mit der durchgehenden Schnürung, was ein wenig an einen Ballettschuh erinnert. Caputos Kollegen, insgesamt sind 16 Tänzer bei dieser Tournee dabei, stammen nicht nur aus Irland, auch aus den USA, Mexiko, Bulgarien, ja sogar aus Venezuela kommen die Ensemble-Mitglieder. Caputo selbst ist Italiener, steppt schon seit 22 Jahren. Die Zeit bis zum Auftritt wird zum Warm-Up genutzt, man macht sich vertraut mit dem mit Markierungen versehenen teppichartigen Rechteck, das auf der Bühne ausgelegt ist.  Caputo hält einen Schuh hoch. Hier sei das Geheimnis der irischen Stepptanzschuhe, grinst er. Zeigt auf ein an der Seite festgeschnürtes Mikro. Die Männer haben die Mikros an den Schuhen, die Damen am Knöchel, unter ihren Strumpfhosen. Für alle, die mit auf der Tour sind, ist es ein klares Zeichen: Wenn sich die Tänzer die Mikros anlegen, geht die Show bald los. Seit dem zweiten Weihnachtstag ist das Ensemble auf Tournee. Gastspiele finden nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark und Österreich statt. Bis Ende März werden die Tänzer rund 80 Auftritte in den Beinen haben. Das hinterlässt nicht nur Spuren beim tanzenden Personal sondern auch am Equipment, an den Schuhen. Mindestens zwei Paar  brauche jeder auf einer Tournee, erzählt Caputo. Und wenn mal eines der rund 500 Euro teuren Mikros an den Steppschuhen bei einem Auftritt kaputtgeht, sei das „sehr ärgerlich“, so der Vortänzer. Komme aber gelegentlich vor. Aber auch dann hört man die Schuhe, über die  Außenmikrofone, die den kernigen Klang der Steppschuhe hörbar machen.
Ja, diese tanzenden Steppschuhe, die dürften sicher nach der zweieinhalbstündigen Show wieder manchen Besucher in Versuchung geführt haben, sich daheim dem irischen Spirit of Life zu nähern. Tanzend. Vielleicht auf Hausschuhen.