ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:50 Uhr

Interview
Dauerbrenner sind Klavier und Gitarre

Musikschulleiter David Brand.
Musikschulleiter David Brand. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Seit zwei Jahren leitet David Brand die Hoyerswerdaer Musikschule. Er schaut nach vorn.

Herr Brand, seit knapp zwei Jahren leiten Sie nun die Musikschule in Hoyerswerda. Ist die Stadt seitdem musikalischer geworden?

Brand Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, dass wir allein die Stadt musikalischer machen. Wir tragen sicher unseren Teil dazu bei. So haben wir im Frühling des vorigen Jahres mit mehreren Bigbands innerhalb unseres Spring&Swing Konzerte veranstaltet. Das wollen wir dieses Jahr in einem größeren Rahmen wiederholen.

Haben Sie bisher einige Ihrer Vorhaben verwirklichen können? Wenn ja, welche?

Brand Der Kontakt zu den Schulen in und um Hoyerswerda wurde stark ausgebaut. Wir haben verschiedene Angebote an den Schulen geschaffen, ermöglichen den Kindern somit einen leichteren Einstieg in den Instrumentalunterricht, direkt vor Ort in der Schule. Ich freue mich auch sehr, dass wir die Zusammenarbeit mit dem Lessing- sowie dem Foucault-Gymnasium in Form von besonderen Workshop-Angeboten und Bläsergruppen-Unterricht intensivieren konnten. Zudem haben wir hochqualifizierte neue Pädagogen, wie den ehemaligen Solopauker der Dresdner Philharmonie, Prof. Peter, die passionierte junge Geigerin Reka Szabo und den Bassposaunisten der Neuen Lausitzer Philharmonie, Holm Oswald, gewinnen können. Ach ja, unsere Präsenz im Internet und in den üblichen Social-media-Kanälen hat sich deutlich gewandelt, ist einen Besuch wert: www.musikschule-hy.de.

Ist durch Verlagerung von der Alt- in die Neustadt das Interesse an der Musikschule größer geworden?

Brand Das ist für mich nicht so leicht zu beurteilen, da ich aus Erzählungen immer nur viel über die glorreiche Vergangenheit der Musikschule gehört habe. Fakt ist, dass wir durch unsere Lage für jeden gut zu erreichen sind. Die Lausitzhalle ist für die kulturaffiine Bevölkerung schon lange ein Anlaufpunkt - davon profitieren wir mit Sicherheit. Die Ausstattung der Musikschule lässt (fast) nichts zu wünschen übrig. Ich denke schon, dass wir im Stadtleben sichtbarer sind als zuvor.

Welche Kurse sind besonders gefragt, welches Instrument spielen die Schüler bei Ihnen am liebsten, welches nicht?

Brand Dauerbrenner an sämtlichen Musikschulen in Deutschland sind Klavier und Gitarre - das läuft auch bei uns problemlos. Auch unsere Geigenlehrerinnen können sich nicht beklagen - da haben wir viel Zulauf. Wir versuchen derzeit, die Kinder vermehrt an Blasinstrumente heranzuführen. Instrumente wie Horn oder Posaune werden leider gar nicht unterrichtet - die Oboe möchte ich gar nicht erwähnen. Ein gutlaufender Zweig unserer Musikschularbeit ist auch der Populärbereich, hier freuen wir uns sehr, gemeinsam mit der Oberschule am Planetarium den Popchor wieder reanimiert zu haben.

In Zeiten von Kinderarmut wird auch viel über Teilhabe gesprochen. Welchen Beitrag leistet da die Musikschule?

Brand Die Musikschule bietet viele Möglichkeiten, Familien in besonderen Situationen und hier speziell deren Kindern eine kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Unsere Ermäßigungen sind vielfältig. Ich kann nur jeden, der den Wunsch verspürt, ein Instrument zu erlernen oder sich gesanglich weiterzubilden, Mut zusprechen, auf uns zuzukommen und sich direkt an uns zu wenden.

Welche Möglichkeiten zur Integration bietet die Musikschule an?

Brand Das Förderprogramm „Kultur macht stark“ ermöglicht hier einiges. Eine Kollegin hat zu diesem Thema bereits ein interessantes Workshop-Konzept für die Ferien entwickelt. Es ist in meinen Augen höchst förderwürdig. Wir setzen gerade alles daran, den Antrag durchzubekommen. Des Weiteren hatte ein sehr begabter junger Geflüchteter bei uns Klavier-Unterricht. Der Lions-Club erklärte sich bereit, für die kompletten Kosten aufzukommen. Glücklicherweise hat der junge Mann nun ein Aufenthaltsrecht bekommen und lernt fleißig dafür, in naher Zukunft sein Abitur abzulegen. Aus diesem Grund muss der Klavierunterricht vorerst pausieren..

Die Musikschule hat sich in Reichweite und Breite des Angebots in den zurückliegenden Jahren entwickelt, Was muss eine Musikschule in der heutigen Zeit alles leisten?

Brand Wir haben uns entwickelt, aber noch viel schneller und von deutlich größerem Ausmaß hat sich der äußere Rahmen entwickelt. Meiner Meinung nach haben die Musikschulen leider das Monopol in der Instrumental- und Vokal-Ausbildung in gewisser Weise „verloren“. Durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden Möglichkeiten im Bereich e-learning (dem zum Teil eigenständigen Erlernen von Fähigkeiten über Tutorial-Videos) ist ein neuer Markt entstanden, der sich rasant entwickelt und dem Kunden Hilfestellung bei nahezu allen Problemen des alltäglichen Lebens liefert.

Sicherlich kann der Kontakt von Mensch zu Mensch durch nichts ersetzt werden, jedoch wird diesem eine neue Qualität zugewiesen. Vereinfacht gesagt: Um einige Grundgriffe auf der Gitarre zu erlernen oder einen Song am Klavier zu spielen, benötigt man nicht mehr zwingend den klassischen Instrumental-Unterricht. Die Aufgabe der Musikschule wird vielmehr dahingehen, Tradition zu erhalten und Innovation nicht zu verhindern.

Gibt es ein Vorhaben, das Sie auf jeden Fall in der Musikschule realisieren möchten?

Brand Das, was ich eben beschrieben habe, zählt auf jeden Fall dazu. Ein großes Anliegen ist mir außerdem die Kooperation der ostsächsischen Musikschulen untereinander und auch mit Liberec. Ich wünsche mir, dass diese Verbindungen weiterhin so fruchtbar verlaufen.

Mit David Brand sprach
Rainer Könen/rkx

(rkx)