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Das Töpfern lernte Inge Röhl erst im Ruhestand kennen

Inge Röhl (links) hat erst im Ruhestand begonnen, sich mit der Lehmgestaltung zu befassen. Mittlerweile leitet die die Gruppe im Wohnbereich der Lebenshilfe seit 20 Jahren.
Inge Röhl (links) hat erst im Ruhestand begonnen, sich mit der Lehmgestaltung zu befassen. Mittlerweile leitet die die Gruppe im Wohnbereich der Lebenshilfe seit 20 Jahren. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Inge Röhl arbeitet seit 20 Jahren ehrenamtlich im Keramikzirkel der Wohnstätte der Lebenshilfe Dörgenhausen. "Die Behinderten kommen gern und haben Spaß", schilderte die heute 78-Jährige die Atmosphäre im Keramikzirkel. dcz1

Zweimal monatlich für je zwei Stunden gibt sie weiter, was sie selbst erst relativ spät erlernt hat; den Umgang mit Ton. Denn als Inge Röhl nach einer langjährigen Berufstätigkeit im Gaskombinat Schwarze Pumpe 1992 in Vorruhestand ging, fühlte sie sich nur mit Hausarbeit und der Betreuung ihrer Enkeltochter nicht ausgelastet.

Ihr Sohn brachte sie auf die Idee, sich im damals in der Lausitzhalle Hoyerswerda bestehenden Terracottaverein mit der Tonbearbeitung zu befassen. Inge Röhl erlernte bei Rolf Radowski den Umgang mit dem Material und später auch die Bedienung des Brennofens. Ihr erstes Stück war ein Eichhörnchen, das sie heute noch besitzt. Fasziniert von den Möglichkeiten des Tons organisierte die aktive Seniorin unter anderem für Erzieher einen Crashkurs zum Umgang mit dem Naturmaterial, das "Lebendigkeit besitzt und sich in alles verwandeln lässt". Dort wurde sie von einer Teilnehmerin gefragt, ob sie nicht Behinderten die Arbeit mit Ton nahe bringen könne.

Seitdem ist sie dabei. Und da jetzt Frühling ist, fertigen die Mitglieder der Gruppe hübsche Blüten, Laubblätter und Käfer. Nach einer Woche des Trocknens erfolgt der Vorbrand und nach dem Bemalen und Glasieren der GlasurbrandStolz zeigt Sybille eine gerade geformte Blume, auf die sie einen Käfer setzte. Dieter erzählte von einem Hahn mit bunten Federn, den er vor Ostern angefertigt hatte.

Gezeigt werden die Gegenstände auf dem jährlichen Hausfest. Sie dienen auch zur Ausgestaltung der Wohnbereiche, ergänzt Henri Heyne, der die Tagestätte der Behinderteneinrichtung leitet. Die Menschen besuchen sie von Vormittag bis Nachmittag und nutzen mehrmals wöchentlich die Keramikwerkstatt, die als ergotherapeutisches Angebot gilt, das auch den Tag strukturieren hilft. Auch Mitarbeiter mit Handicap aus den Lausitzer Werkstätten oder Betreute aus der Tages- oder Kurzzeitpflege werden dort kreativ. Geschult werden soll mit der Keramikarbeit bei allen Teilnehmern das planvolle Arbeiten. Außerdem sollen Konzentrations- und Merkfähigkeit sowie grob- und feinmotorischen Fertigkeiten verbessert werden.