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| 01:04 Uhr

„Das Tal der Tränen ist noch nicht durchschritten“

Wittichenau.. Die Stadt Wittichenau hat eine Scheidung hinter sich. Ab diesem Jahr existiert die Verwaltungsgemeinschaft mit Knappensee nicht mehr.

Wie Udo Popella das Ende der Verwaltungsehe bewertet und welche Hoffnungen er ins neue Jahr setzt, darüber sprach die RUNDSCHAU mit dem Wittichenauer Bürgermeister.

Die Kassen sind leer - auch in Wittichenau. Trotzdem hat sich in der Stadt 2004 ein wenig getan. Sind Sie zufrieden„
Na ja, die Hürden waren ja schon zum Jahresanfang sehr niedrig gestellt, weil einfach kein Geld da war. Unser Hauptthema 2004 war die Stadtsanierung. Das wird uns noch knapp zehn Jahre begleiten. Doch es wird immer schwieriger, die nötigen Eigenmittel aufzubringen. Ohne den Eigenanteil können wir die Fördermittel von Bund und Freistaat nicht nutzen und müssen sie wieder zurückgeben.

Das wäre in diesem Jahr ja fast passiert. Wie haben Sie sich geholfen“
Zu Hilfe kam uns, dass die Fördermittelrichtlinie geändert wurde. So können jetzt auch Kirchen oder Vereine Fördermittel entgegennehmen, wenn sie den Eigenanteil aufbringen können. Die katholische Kirche hat das gemacht und so damit begonnen, das Pfarrhaus zu sanieren. Im neuen Jahr soll die Erneuerung weitergehen. Das ist wichtig. Denn die Kirche und das Pfarrhaus bilden ein wichtiges Ensemble im Stadtbild. Ohne die Kirche hätten wir die Fördermittel zurückgeben müssen. Denn die Stadt kann zurzeit aus eigener Kraft in kein Gebäude investieren.

Trotz finanzieller Not: Die weitere Sanierung der Kindertagesstätte war eines der größten Vorhaben 2004. Was ist daraus geworden„
Innen ist im vergangenen Jahr fast alles fertig geworden. Man hört von allen Seiten nur Lobeshymnen für die gute und schnelle Sanierung. Jetzt ist nur noch der letzte von drei Sanierungsabschnitten offen: Dach, Fassade und der Anbau einer Treppe für mehr Sicherheit. Wenn das 2005 nicht gelingt, weil das Geld fehlt, dann haben diese Arbeiten auch noch bis 2006 Zeit.

War das alles an Investitionen“
Nein, wir haben in Keula noch einen neuen Spielplatz errichtet. Inzwischen freut man sich ja über jede Maßnahme - auch solche Kleinigkeiten. Angesichts der finanziellen Lage sind wir auch froh, dass wir 2004 alles erledigen konnten, was an Reparaturen und Instandsetzungen anfiel. Wir hoffen, dass uns das auch im neuen Jahr gelingt. Wenn alles so kommt, wie es sich jetzt anhört, dann sieht es so aus, als ob es mit der finanziellen Ausstattung der Kommunen 2006 wieder leicht bergauf geht. Im Moment haben wir aber das Tal der Tränen noch nicht durchschritten.

Der depressiven Haushaltslage zum Trotz gibt es im neuen Jahr doch etwas zu feiern. . .
Ja, wir feiern 2005/06 die 300. Karnevalssaison. Und zu diesem Anlass soll das Treffen der Präsidenten der sächsischen Karnevalsvereine 2006 in unserer Stadt über die Bühne gehen. Wir erwarten dazu Mitglieder aus rund 150 sächsischen Karnevalsvereinen. Das ist für das Image der Stadt ohne Frage keine schlechte Sache. Etwas näher liegt ein anderes großes Ereignis: Beim Weltjugendtreffen, das 2005 vom 16. bis 21. August in Köln stattfindet, werden vom 11. bis 15. August auch zahlreiche Jugendliche in Wittichenau untergebracht sein. Die jungen Menschen sollen in der Zeit in Familien wohnen und so die Wittichenauer mit in die Weltjugendtage einbeziehen.

Politisch hat sich 2004 einiges getan. Wie bewerten Sie die Veränderungen auf kommunalpolitischem Parkett„
Ich finde es gut, dass drei Bürger aus Wittichenau in den Kreistag gewählt wurden. Ich denke, dass das wichtig für die Kommune ist, um für die Region einzutreten. Der Stadtrat ist kleiner geworden, wir haben jetzt zwei Räte weniger und ich habe nur noch einen Stellvertreter. Dadurch wird ein nicht unerheblicher Teil an Aufwandsentschädigungen gespart.

Bleiben wir gleich bei Ihrem Stellvertreter. Sie waren ja kein Freund des Stadtratsbeschluss, dem Bürgermeister nur noch einen Ersatzmann an die Seite zu stellen. Wie läuft die Zusammenarbeit denn jetzt“
Ich habe kein Problem mit nur einem Stellvertreter. Die Repräsentationsaufgaben sind ja nicht mehr ganz so zahlreich wie früher. So viele Firmengründungen gibt es ja leider nicht mehr. Heute muss der Bürgermeister ja im Wesentlichen bei verschiedenen Versammlungen, Vereinen, Festen und Jubiläen präsent sein. Und unsere älteren Herrschaften legen dann schon Wert darauf, dass der Bürgermeister ihnen persönlich gratuliert.

Mit Beginn des neuen Jahres ist ja auch die Ehe mit Knappensee Geschichte. Wie betrachten Sie das Ende der Verwaltungsgemeinschaft zwischen Stadt und Einheitsgemeinde„
Mit einem weinenden und lachenden Auge. Wirtschaftlich ist die Eingemeindung (von Koblenz und Großsärchen nach Lohsa bzw. Wartha nach Königswartha, A. d. Red.) sicherlich für alle beteiligten Kommunen die sinnvollste Variante.

Welche wichtigen Dinge gibt es denn durch das Ende der Verwaltungsgemeinschaft mit den Knappensee-Dörfern noch zu klären“
Die wichtigste Angelegenheit ist die Abwasserentsorgung. Denn Groß Särchen ist ja an das Wittichenauer Klärwerk angebunden. Auch in diesem Zusammenhang ist es günstig, dass Michael Schweinert das Lohsaer Hauptamt übernimmt. Er kann solche Dinge klären, weil er die Vergangenheit der Knappensee-Gemeinde kennt und dann in einer kompetenten Verwaltung arbeitet.

Mit UDO POPELLA sprach
Christiane Klein.