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| 17:53 Uhr

Straßenbau
Das Straßenchaos um Hoyerswerda

Heinz Franke (83) aus Knappenrode ist neugierig und schaut sich entlang der Straße des Öfteren mal um, wie die Baurbeiten vorangehen.
Heinz Franke (83) aus Knappenrode ist neugierig und schaut sich entlang der Straße des Öfteren mal um, wie die Baurbeiten vorangehen. FOTO: Anja Hummel / LR
Knappenrode. Kilometerlange Umwege, blanke Nerven: Der Straßenbau südlich von Hoyerswerda stresst die Anwohner, ist aber notwendig. Von Anja Hummel

Heinz Franke blickt in die Ferne. Oben blauer Himmel, unten brauner Schotter. „Wird schon werden“, kommentiert der 83-Jährige das Bild vor ihm. Wo einst der Asphalt Richtung Maukendorf lag, versperren derzeit Warnbake, Walze und Bagger die Durchfahrt. Seit einem Monat wird sie erneuert – die Verbindung Knappenrodes zur „Außenwelt“. Für viele Anwohner ist der Neubau unumstritten notwendig. „Die vielen Löcher waren nicht mehr auszuhalten“, erzählt Franke. Und trotzdem: „Es ist schon schlimm für uns, wenn wir bis nach Hoyerswerda plötzlich doppelt so weit fahren müssen.“ Tatsächlich – statt der üblichen neun Kilometer beläuft sich die offizielle Umleitung über Koblenz und Lohsa noch bis Fertigstellung Ende Oktober auf gut 30 Kilometer.

„Warum wurde denn nicht einfach eine Ampel aufgestellt?“, fragt Steffen Czekalla mit einem Kopfschütteln. Der Lautaer steht mit Schippe in der Hand neben seinem Schwiegersohn. Der hat einen Garten in Knappenrode. Aktuell ist Terrassenumbau angesagt. Beton, Steine, Split – all das komme nun nur über einen erheblichen Umweg ans Ziel. Für eine halbseitige Sperrung wäre die Straße nach Maukendorf doch breit genug, schätzt der ehemalige Straßenbauer. Dass sie das keinesfalls ist, erwidert Landkreis-Sprecher Gernot Schweitzer auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Die Fahrbahnbreite lässt eine halbseitige Sperrung nicht zu.“ Und: Eine Abstimmung mit den Anliegern in Knappenrode sei erfolgt.

Weniger abgestimmt scheint nicht nur nach Steffen Czekallas Geschmack die gesamte momentane Straßenbausituation südlich von Hoyerswerda. Seine Tochter Christin Tondera bezeichnet die Fahrt nach Hoyerswerda als „eine halbe Weltreise“. Schließlich sei gleichzeitig die Ortsdurchfahrt Groß Särchen gesperrt. „Ansonsten würde es ja gehen“, findet die Krankenschwester. Aufgrund ihrer Schwangerschaft ist sie derzeit im Beschäftigungsverbot. „Zum Glück“, sagt sie. Schließlich müsste sie für den Arbeitsweg sonst täglich den kilometerlangen Umweg auf sich nehmen. „Man muss momentan die Besorgungen besser planen“, sagt die 24-Jährige, für die es auch ganz klar ist, dass die Straße gemacht werden muss. „Aber zeitgleich mit der Baustelle in Groß Särchen kostet das Zeit, Geld und Nerven.“ Wie  der Landkreis jedoch mitteilt, sei die Sicherstellung des Verkehrs – beide Baustellen in Groß Särchen und Knappenrode beachtend – Teil eines Umleitungsmanagements gewesen. Eigentlich sei auch der Brückenneubau bei Hoske geplant gewesen. Der ist im Interesse der Anlieger schon verschoben worden.

Auch in Dörgenhausen wird derzeit gebaggert, verlegt und gebaut. Das ist nicht nur für die Anlieger des Hoyerswerdaer Stadtteils ein nerviger Kraftakt. Auch für Einzelhändler aus dem Umland zieht das Baugeschehen Auswirkungen nach sich. So herrscht unter den Wittichenauer Gewerbetreibenden zwar Verständnis für den Straßenbau als solchen. „Aber nicht über diesen langen Zeitraum“, ärgert sich Ladenbesitzerin Birgit Bensch. Ganze zwei Jahre, noch bis November 2019, soll die Ortsdurchfahrt gesperrt sein. „Über die Dauer ist das für den Handel eine Katastrophe“, sagt die Wittichenauerin. Bei allem Verständnis für den Unmut, so heißt es aus dem Rathaus, ist weiterhin von der langwierigen Bauzeit bis November 2019 auszugehen. Drei Teilabschnitte, ein Brückenbau, neue Leitungen – der Grob­ablaufplan bei solch einer großen Baumaßnahme sehe diesen Zeitraum nun einmal vor.

Heinz Franke setzt sich indes auf sein Fahrrad. Natürlich kennt der Rentner aus Knappenrode auch den ein oder anderen Schleichweg. „Aber für die Schotterpisten ist mir mein Auto zu schade“, sagt er. Zum Einkauf könne er schließlich auch nach Lohsa fahren. Aber zum Arzt, stöhnt er, dafür müsse er nun mal den Umweg bis in die Stadt in Kauf nehmen. Sei es drum. „Aufregen nützt nichts. Gemacht werden muss es ja“, sagt er und rollt mit dem Drahtesel davon. Für Radfahrer und Linienverkehr ist die Strecke bis nach Maukendorf offen. So hat Heinz Franke heute auch schon ein bisschen in die Pedale getreten. Schauen, was auf der Baustelle so passiert. Und etwas für die tägliche Bewegung tun. Einen Vorteil müsse sie schließlich haben, diese Baustelle.  

Die wichtige Verbindungsstraße zwischen Knappenrode und Maukendorf ist  voll gesperrt - außer für den Schülerbusverkehr, Radfahrer und den Notdienst.
Die wichtige Verbindungsstraße zwischen Knappenrode und Maukendorf ist voll gesperrt - außer für den Schülerbusverkehr, Radfahrer und den Notdienst. FOTO: Anja Hummel / LR
Straßensperrungen Hoyerswerda 4c
Straßensperrungen Hoyerswerda 4c FOTO: Katrin Janetzko / LR