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| 12:14 Uhr

Bernsdorf
„Kube 42“ steht für Hilfe und Freude

In weihnachtlicher Bastelstimmung sind die beiden Bernsdorfer Ben (l.) und Daniel. Tina Götze vom Sozialprojekt „Kube 42“ zeigte den Jungs, wie sie ihre ganz persönlichen Christbaumkugeln zaubern können. Die kamen später an den Weihnachtsbaum im Kube-Ring.
In weihnachtlicher Bastelstimmung sind die beiden Bernsdorfer Ben (l.) und Daniel. Tina Götze vom Sozialprojekt „Kube 42“ zeigte den Jungs, wie sie ihre ganz persönlichen Christbaumkugeln zaubern können. Die kamen später an den Weihnachtsbaum im Kube-Ring. FOTO: Anja Hummel / LR
Bernsdorf. Ob Bastelaktion, Schuldenberatung oder Bewerbungstraining: Wer will, findet in Bernsdorf Unterstützung. „Kube 42“ heißt die Anlaufstelle für Probleme verschiedenster Art. Trotzdem muss das Sozialprojekt um die Förderung kämpfen. Von Anja Hummel

Stolz recken Daniel und Ben ihre Christbaumkugeln in die Höhe. Frisch bemalt mit Tannenbaum und Weihnachtsmann halten sie echte Unikate in den Händen. Die Jungs sitzen am Basteltisch im Bernsdorfer Fritz-Kube-Ring, Hausnummer 42. Hinter der Tür im ersten Geschoss des Plattenbaus steht aber mehr als nur ein Tisch mit bunten Stiften, Kleber und Schere darauf. „Hier kann man immer herkommen, wenn einem langweilig ist“, sagt der zehnjährige Ben. „Es ist immer was los.“

„Immer was los“ bedeutet: Beratung, Begleitung und Bildung für jedermann. Dahinter steckt das Sozialprojekt „Kube 42“, das es seit anderthalb Jahren im größten Wohngebiet Bernsdorfs gibt. „Wir sind für Hilfsbedürftige da“, bringt es Sozialpädagogin Tina Götze auf den Punkt. Schuldenprobleme seien der Schwerpunkt ihrer Arbeit. Das beginnt beim Sortieren von Unterlagen und endet manchmal mit dem Einmarsch des Gerichtsvollziehers.

Weil die Hemmschwelle zu den Behörden riesig ist, ist die Anlaufstelle direkt vor Ort. Dort, wo der „geballte Sozialraum“, von Kind bis Rentner, von Single bis Großfamilie, von Ur-Bernsdorfer bis Geflüchteter, aufeinander prallt.

Maja Nitsche ist das neue Gesicht beim Bernsdorfer Sozialprojekt.
Maja Nitsche ist das neue Gesicht beim Bernsdorfer Sozialprojekt. FOTO: Anja Hummel / LR

„Wir helfen aber auch bei Bewerbungsschreiben, vermitteln Jobs, organisieren Sport- und Bastelaktionen“, erklärt Tina Götze. Wenn es um Sport und Basteln geht, sind Daniel und Ben immer dabei. Während sie die weißen Kugeln bemalen, schlürfen sie Tee, naschen immer mal wieder vom Plätzchenteller. Aufgefüllt hat den Maja Nitsche. Die junge Frau ist „die Neue“ bei „Kube 42“. Seit November verstärkt die Sachbearbeiterin aus dem Raum Bautzen das Sozialprojekt. Gemeinsam mit Kollegin Tina Götze möchte sie „Kube 42“ noch bekannter machen. „Wir wollen die Anwohner gezielt ansprechen. Denn viele wissen gar nicht, dass es uns gibt und sie hier Hilfe bekommen“, sagt Maja Nitsche.

Auch für Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel ist „Kube 42“ unabkömmlich. „Wir haben den Plan, das Projekt im kommenden Jahr mit der Wirtschaftsförderung zu vernetzen“, sagt der Rathaus-Chef. Durch solch ein Netzwerk könne der Kontakt zwischen Anwohnern und möglichen Arbeitgebern erleichtert werden. Für 2018 wünscht er sich, dass „sich noch mehr Bürger bei Sorgen und Problemen an die zwei Frauen wenden“.

Nicht nur geschmückt wurde das Bäumchen in Gemeinschaft – auch die Deko wurde von Anwohnern gebastelt.
Nicht nur geschmückt wurde das Bäumchen in Gemeinschaft – auch die Deko wurde von Anwohnern gebastelt. FOTO: Maja Nitsche

Um die für das kommunale Projekt überlebenswichtigen Fördergelder zu erhalten, ist genau das auch notwendig. „Wir müssen gewisse Teilnehmerzahlen nachweisen“, erklärt Tina Götze. Finanziert wird „Kube 42“ zu 95 Prozent aus dem Europäischen Sozialfonds. Bis Mitte 2018 sind die EU-Gelder sicher. Im Sommer entscheidet sich, ob es weitergeht. „Dafür möchten wir natürlich sorgen“, versichert Maja Nitsche. Auf der Aktivitätenliste für 2018 stehen Sportfeste, das Beratungsangebot für alle sozialen Fragen bleibt erhalten. „Wir möchten künftig auch in Kitas gehen und Experimente für die Kleinen organisieren“, verrät Maja Nitsche.

Nicht nur für die Kleinen, sondern für alle Bernsdorfer haben die beiden Frauen einen echten Hingucker herangeholt: ein zwei Meter hohes Weihnachtsbäumchen. „Der wurde extra für uns gefällt“, erzählt Maja Nitsche. Ermöglicht hat das die Bernsdorfer Wohnungsgesellschaft. Weil der Schmuck noch fehlt, wird nun eifrig gebastelt. Ben und Daniel halten schon die zweite selbstbemalte Kugel in den Händen. Die beiden Jungs fühlen sich wohl, wohnen gerne im Kube-Ring. „Man findet hier schnell neue Freunde“, erzählt der neunjährige Daniel.

Unter den Erwachsenen ist das hingegen eher die Ausnahme. „Anonymität wird hier leider groß geschrieben“, sagt Tina Götze. So ist das Zusammenbringen der Bürger auch eine der vielen Aufgaben, für die sich das Projekt in Hausnummer 42 einsetzt.