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| 18:45 Uhr

Traditionsbäckerei
Pieprz zurück in der Backstube

André Pieprz und seine Ehefrau Katrin wagen einen Neuanfang mit dem, was sie am besten können: Backen und Verkaufen.
André Pieprz und seine Ehefrau Katrin wagen einen Neuanfang mit dem, was sie am besten können: Backen und Verkaufen. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Das Hoyerswerdaer Ehepaar backt ihre traditionellen Brote, Brötchen und Kuchen ab sofort wieder in der Altstadt. Von Anja Hummel

Keine 24 Stunden mehr, dann ist es soweit. André Pieprz und seine Ehefrau Katrin sind nicht die einzigen, die es kaum noch erwarten können. „Gibt’s denn heut schon was?“, ruft ein älterer Herr, der zielstrebig auf die noch unbestückte Ladentheke zustiefelt. „Ab morgen 10 Uhr“, schallt die Antwort gleichzeitig aus mehreren Ecken zurück. „Achso“, sagt der Mann, macht kehrt und verlässt das Geschäft durch die offenstehende, noch mit Folie abgedeckte Glastür.

Nicht mal mehr ein Tag bleibt dem Ehepaar Pieprz und seinen Helfern, bis ihre neue – und dennoch für viele Menschen vertraute – Bäckerei eröffnet. Dann wird die Theke mit frischem Krabatbrot, Zuckerkuchen, Schwarz-Weiß-Talern und anderem Backwerk bestückt sein. Noch liegt auf den Bistrotischen vor der Theke ein silbernes Metallschild. „Pieprz – der Bäcker“ steht darauf geschrieben. Angebracht werden soll es an der Außenfassade über der Tür der Mittelstraße Nummer 17.

Bereits im Frühjahr hatte Bäckermeister André Pieprz angekündigt, dass er seinem Handwerk wieder nachgehen möchte. Im November vor zwei Jahren musste er sein Lebenswerk abtreten, Insolvenz anmelden.

Sieben Filialen inklusive des Namens Pieprz wurden an die Landbäckerei Schmidt verkauft, die nun unter anderem keine 500 Meter entfernt das Stadtcafé unter gleichgebliebenen Namen betreibt. „Ich heiße nun mal Pieprz. Ich kann ja nicht einfach eine Bäckerei namens Lehmann, Meier oder Schulze eröffnen“, sagt der 54-Jährige. Inhaberin des neuen Geschäfts ist jedoch seine Ehefrau Katrin, die künftig vorne an der Theke arbeiten wird. André Pieprz wird das tun, was er am besten kann: backen. „Ich lebe und brenne einfach dafür“, erklärt er kurz und knapp die Entscheidung für den Neustart nach einer nicht gerade einfachen Zeit. „Ich habe richtig großen Rückhalt von meiner Familie und meinen wirklich wahren Freunden bekommen“, erzählt der Bäckermeister, als plötzlich seine Schwester Elfi aus der Backstube hervorkommt. „Der Teig schmeckt so lecker“, ruft sie laut und schaut ihren Bruder freudestrahlend an. Sie ist eine der helfenden Hände, ohne die es dem Ehepaar Pieprz nicht möglich wäre, ihrer Leidenschaft vom Bäckerhandwerk wieder nachzugehen.

„Keine Backmischungen, keine Aromen“, verspricht André Pieprz, „nur hausgemachter Teig und eigene Rezepte“. Sämtliches Mehl kommt aus der Mühle Bresan in Sollschwitz. „Was ich nicht selber herstellen kann, das verkaufe ich auch nicht“, sagt er mit fester Stimme. „Ich bin da ein völliger Idealist.“ Mit der Neueröffnung in der Mittelstraße bekommt die Stadt Hoyerswerda wieder einen – und zwar ihren einzigen – selbst produzierenden Bäckerbetrieb zurück.

Der Standort für diese Rückkehr könnte kaum passender sein: Im Januar 1992 machte sich André Pieprz in genau dieser Räumlichkeit mit seiner ersten eigenen Bäckerstube selbstständig. Die alte Bäckerei seiner Eltern war direkt nebenan. Viele Jahre stand der Geschäftsraum leer, dementsprechend groß waren die Vorbereitungen für den Neueinzug. Einen Tag vor der Eröffnung ist die Anspannung groß. Neben dem Gewusel im Küchenbereich will auch das silberne „Namensschild“, verziert mit gezeichnetem Bäcker und Brotlaib, gut sichtbar an der Straße angebracht werden. André Pieprz muss die Details besprechen. Zeit für Käffchen und Kuchen bleibt keine. Ehefrau Katrin erzählt indes, wie sehr sie hofft, dass alles gut läuft. „Wir können ja auch nicht in die Glaskugel gucken“, so die 53-Jährige. „Und wir wollen auch niemandem in die Quere kommen. Aber Backen ist nun mal das, was wir können. Deshalb haben wir uns für den Neuanfang entschlossen“, sagt die blonde Frau, die künftig von Dienstag bis Freitag, 6 bis 17 Uhr, und samstags von 6 bis 11 Uhr original Pieprz-Waren an die Leute bringen wird. Sonntag und Montag sind Ruhetage. Momentan aber liegt das Ausruhen noch in weiter Ferne. Denn die Zeit drängt. Katrin Pieprz muss weitermachen – umräumen, umrühren, einsortieren. Ihr Ehemann hat in der Zwischenzeit geklärt, wie und wo genau das neue Pieprz-Logo in den nächsten Minuten über der Tür platziert wird.

„Ich werde das alles sicherlich erst morgen realisieren“, gesteht der Bäckermeister. Wenn er die Kunden am Eröffnungstag vom „tollen Geschmack“ seines Handwerks überzeugen kann, dann wird er glücklich sein. „Saulecker“ sollen die Leute sagen, wenn sie in die Pieprz-Originale beißen. Das könnte bei einigen Kunden durchaus nicht zum ersten Mal vorkommen – schließlich dürfte der Geschmack von Krabatbrot und Zuckerkuchen bei dem ein oder anderen kulinarische Erinnerungen hervorrufen.

So sieht das neue Logo vom Pieprz-Original aus.
So sieht das neue Logo vom Pieprz-Original aus. FOTO: LR / Anja Hummel