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Das Natz kann jetzt neu durchstarten

Ulrike Müller (M.) ist ehrenamtliche Vereinsvorsitzende im Natz und zeigt hier die Bartagame Waldi. Die neuen Mitarbeiter Gerd Löwa (r.) und Torsten Hanf leiten das Natz künftig im Duett.
Ulrike Müller (M.) ist ehrenamtliche Vereinsvorsitzende im Natz und zeigt hier die Bartagame Waldi. Die neuen Mitarbeiter Gerd Löwa (r.) und Torsten Hanf leiten das Natz künftig im Duett. FOTO: cw
Hoyerswerda. Ulrike Müller atmet tief durch. Das waren aufreibende fünf Monate, die da hinter ihr liegen. Catrin Würz

Seit am Anfang des Jahres die langjährige Leiterin des Naturwissenschaftlich-technischen Zentrums (Natz), Dana Küchler, in einen anderen Job wechselte und wenig später auch noch der Sozialpädagoge das Haus verließ, musste die 69-jährige Vereinsvorsitzende plötzlich das Steuer der Kinder- und Jugendeinrichtung mit einer Hand voll Ehrenamtlicher und einigen gering Beschäftigten allein führen. Mit übergroßen Anstrengungen konnte das Natz zwar über die Sommer- und Ferienzeit dann doch kontinuierliche Angebote machen. "Aber wir kamen sehr dicht an unsere Grenzen - und hatten schon fast den Entschluss gefasst, aufzugeben", erzählt Ulrike Müller frei heraus. Doch zum Glück kam es anders.

Seit wenigen Wochen kann das Natz in seinem vor zwei Jahren bezogenen Domizil im Bürgerzentrum Braugasse 1 nun neu durchstarten. Seit dem 1. August gibt es zwei neue hauptamtliche Mitarbeiter im Haus. Diplomsozialpädagoge Gerd Löwa (53) aus Cottbus und der Ethnologe Torsten Hanf (50), der 15 Jahre lang in Berlin als Museumspädagoge gearbeitet hat, bilden die neue Doppelspitze im Natz. Einen Monat Einarbeitung haben die beiden Männer hinter sich und sagen: "Wir freuen uns auf diese Herausforderung."

Rund 12 000 Kinder und Jugendliche besuchen jährlich die offenen Angebote, die Arbeitsgemeinschaften, Projekte, Wettbewerbe, Ganztagsangebote an Schulen sowie Veranstaltungen des Natz. Seit dem Einzug in die Braugasse 1 auch wieder mit steigender Tendenz, bestätigt Ulrike Möller.

Das Zentrum hat sich die naturwissenschaftliche und technische Bildung junger Menschen auf die Fahnen geschrieben. Elektrotechnik und Bionik, Holzbearbeitung und Mineralogie, Schach und Mathematik sind die Gebiete, in denen sich Kinder und Jugendliche im Natz seit vielen Jahren ausprobieren können. Vor 45 Jahren wurde das Natz damals noch als Station junger Techniker und Naturforscher gegründet. Schon damals mit dem gleichen Anspruch:"Wir wollen den Erfinder- und Forschergeist bei den Kindern wecken", sagt Gerd Löwa. Es sei wichtig, dass die Kinder nicht nur auf ihren Smartphones daddeln, sondern die Fingerfertigkeit auch im Handwerklichen lernen: beim Sägen, Löten, Hämmern. Der Cottbuser freut sich, dass es diese Einrichtung hier in Hoyerswerda noch gibt. In seiner brandenburgischen Heimat sei das nicht mehr der Fall. Löwa leitet künftig die Bereiche Technik, Holz und Mineralogie.

Torsten Hanf wird dagegen künftig die Bereiche Naturwissenschaft und Umwelt verantworten. Den 50-Jährigen zog es nach mehreren hektischen Jahrzehnten in der Bundeshauptstadt an einen Ort, "an dem man nicht eine halbe Stunde mit dem Auto fahren muss, um einen Wald zu sehen", sagt er. Hoyerswerda ist so ein Ort und seine Wohnung in der Neustadt hat er längst bezogen. Aus seiner Erfahrung als Museumspädagoge kann er auch für das Natz einiges einbringen.

Viele altbewährte Themen wie die Mathe-Olympiade, die Mineralogie und Holzbearbeitung wird das Natz natürlich in naher Zukunft weiter beibehalten. Aber es wird auch Neues geben. Zum ersten Mal organisiert die Jugendeinrichtung zum Beispiel Ganztagsangebote für Grundschulen. In Wittichenau und Lauta hat man schon Interesse signalisiert. Ein neues Thema könnte "kreatives Recycling" sein: Das meint: Aus Abfall wie Plastikflaschen, Kronkorken oder Ähnlichem wird Neues gebaut, das sich bewegt oder Funktionen erfüllt.

Vereinsvorsitzende Ulrike Müller ist jedenfalls zuversichtlich: "Wir blicken nun wieder mit neuen Zielen in die Zukunft."