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| 17:39 Uhr

Jährliche Wartung
Das Lausitzbad Hoyerswerda ist trockengelegt

Matthias Brauer, seit 18 Jahren im Lausitzbad, steht im leer gepumpten 25-Meter-Becken.
Matthias Brauer, seit 18 Jahren im Lausitzbad, steht im leer gepumpten 25-Meter-Becken. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Einmal im Jahr wird das Hoyerswerdaer Schwimmbad von der Fliesenfuge bis zur Spielplatzschraube durchgecheckt. Von Anja Hummel

Zwei Millionen Liter Wasser strömen normalerweise durch die Becken im Lausitzbad. Damit könnte sich der Otto-Normal-Verbraucher locker 13000 Mal die Badewanne füllen. Wassermassen, die im Lausitzbad mal eben über Nacht verschwinden.

Gut 15 Stunden hat es gedauert, bis im 25-Meter-Becken nur noch Pfützen übrig waren, erzählt Matthias Brauer. Der Betriebsleiter des Lausitzbades steht dort, wo sonst gekrault wird –  mitten im trockengelegten Sportbecken. „Nach 18 Jahren ist es trotzdem immer wieder beeindruckend“, gesteht Brauer, der seit dem Jahr 2000 im Lausitzbad-Team ist. Seine Begeisterung steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Dieser Anblick ist schon etwas besonderes. Schließlich, sagt der 40-Jährige, sieht man so ein Schwimmbecken immer nur mit Wasser befüllt. Bis zu 3,80 Meter tief ist gefliest. Normalerweise steht hier niemand auf dem Beckenboden.

Einmal im Jahr, so auch in diesem Sommer, stehen im Lausitzbad die großen Wartungsarbeiten an. Für zwei Wochen muss der normale Betrieb eingestellt werden. Dann bevölkern statt planschender Kinder und sportlicher Senioren ausschließlich Maler, Fliesenleger, Lüftungsbauer oder Tüv-Mitarbeiter das Areal in Hoyerswerdas Neustadt. Einer, der das Bad zumindest beruflich nur im Trockenzustand kennt, ist Sascha Alkewitz. Akribisch begutachtet er die Kanone auf dem Wasserspielplatz im Außenbereich. Normalerweise toben hier die kleinen Badegäste umher, bespritzen sich durch die Düsen der Spielkanone mit dem kühlen Nass. „Keine Verletzungsgefahr“, lautet das Urteil vom Tüv-Beauftragten. Sascha Alkewitz hat nur einige lockere Schrauben entdeckt, die ausgewechselt werden müssen. Er blickt auf den Boden, hält Ausschau nach zu großen Spalten, in denen Besucher mit den Zehen hängen bleiben könnten. „Alles top“, bemerkt der Prüfer und macht sich auf in den Innenbereich.

Dort werden die trockengelegten Fliesen geputzt oder Fugen neu gezogen. „Sonst kommen wir natürlich nicht dazu, die Becken zu scheuern“, sagt Matthias Brauer. Zwangsläufig würden sich über die Monate hier und da Algen in den Fugen bilden. Die Materialien arbeiten schließlich bei diesen klimatischen Bedingungen. Von großen Vorteil wiederum ist die tropische Luftfeuchte für den mittlerweile riesigen Gummibaum. Vor 18 Jahren hat ihn Matthias Brauer mitgebracht. Heute schlängelt sich die Pflanze etliche Meter entlang der Scheibe bis hinüber zur Rutsche durch das Schwimmbad. Während ein Kollege die braunen Blätter entfernt, werden im Saunabereich neue Holzbänke eingebaut. „Das ist neben dem Ersatz der Fliesen einer der größten Posten“, sagt Matthias Brauer. Wie viel das Lausitzbad insgesamt in die Wartungsarbeiten investiert, lässt er offen.

Pro Jahr begrüßt die Schwimmhalle etwa 200 000 Besucher. „Die Zahl schwankt immer mal wieder, aber das ist normal“, erzählt Matthias Brauer. „In diesem Jahr hängen wir etwas hinterher, die Osterferien waren spät, der Winter sehr mild“, so Brauer. „Wir sind nun mal eine Schlecht-Wetter-Alternative.“ Doch auch in den Sommertagen, so Brauer, sei das Bad gut besucht. Schließlich seien die Vorteile gegenüber Freibädern oder Seen nicht von der Hand zu weisen: „Unsere Wasserqualität schwankt nicht, man hat die Kinder unter Kontrolle und immer ein schattiges Plätzchen“, fasst es der Betriebsleiter zusammen. Imbissangebot und erfrischende Wassertemperaturen kommen hinzu.

Noch gut anderthalb Wochen Zeit bleibt dem Lausitzbad-Team, um Kinder, Jugendliche, Eltern und Senioren wieder mit genau diesem Angebot zu locken. Bis dahin ist noch viel zu tun. „Die Becken werden grundgereinigt, dann wieder aufgefüllt“, erklärt Matthias Brauer. Nicht länger als zwölf Stunden wird es dauern, bis das Sportbecken mit knapp 900 Kubikmeter Wasser vollgelaufen ist. Neben insgesamt vier großen Becken gibt es auch etliche kleinere Whirlpools und Kinderanlagen. „Wir fügen dann Chlor hinzu, pH-Wert und Temperatur werden eingestellt“, so Brauer. Und dann kommt das Gesundheitsamt ins Spiel, Wasserproben werden entnommen. „Wir konnten bisher immer pünktlich öffnen und gehen auch dieses Mal wieder davon aus“, sagt der Diplom-Betriebswirt guten Gewissens. Schließlich seien die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda (VBH) seit Jahren ein verlässlicher Partner in Sachen Wasserbewirtung. Filter, Pumpen und unzählige Rohre bleiben den Besuchern zwar verborgen, doch auch im Maschinenraum herrscht während der Wartungszeit reges Treiben. „Wir reinigen Ventile oder überprüfen den Sand in den Filteranlagen“, sagt Kornelia Wrobel von den VBH. Und beim großen Reinemachen im Schwimmbad findet sich natürlich auch das ein oder andere Schmuckstück. „Einen Pfennig haben wir zum Beispiel entdeckt, Schwimm- und Sonnenbrillen sind auch immer mal mit dabei“, verrät Brauer, der selber jahrelang im Schwimmsport aktiv war.

Bis Sonntag, 26. August, werden nun noch Tausende „Badewannenfüllungen“ in die Wasserbecken gespült, Fugen verdichtet und Lüftungen gecheckt. Ab 10 Uhr öffnet das Lausitzbad dann wieder wie gewohnt – frisch, sauber und vor allem mit Wasser in den Becken.

Der Maschinenraum mit seinen unzähligen Rohren bleibt den Besuchern verborgen. Kornelia Wrobel kümmert sich um die Badewasserqualität.
Der Maschinenraum mit seinen unzähligen Rohren bleibt den Besuchern verborgen. Kornelia Wrobel kümmert sich um die Badewasserqualität. FOTO: LR / Anja Hummel
Sascha Alkewitz vom TÜV Thüringen überprüft akribisch die Wasserkanone im Außenspielbereich.
Sascha Alkewitz vom TÜV Thüringen überprüft akribisch die Wasserkanone im Außenspielbereich. FOTO: LR / Anja Hummel