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| 01:43 Uhr

Das kurze Leben des O-Bus-Verkehrs

An der Lausitzhalle vorbei fuhr am 30. Dezember 1994 letztmals ein O-Bus ins Depot. Archiv-Foto: Schulz
An der Lausitzhalle vorbei fuhr am 30. Dezember 1994 letztmals ein O-Bus ins Depot. Archiv-Foto: Schulz FOTO: Schulz
Hoyerswerda. Man sagte in der Stadt nur „O-Bus“. O wie Oberleitung. no

Es war ein recht kurzes Kapitel der Stadtgeschichte, das da am Nachmittag des 6. Oktober 1989 begann. An der Buswendeschleife neben dem heutigen Foucault-Gymnasium standen heute vor zwanzig Jahren drei "Ikarus"-Busse mit Stromabnehmern auf den Dächern. Schwarze-Pumpe-Generaldirektor Herbert Richter, Rainer Bonkaß vom Rat des Bezirkes Cottbus und Kreis-Chef Heinz Auerswald zerschnitten ein Band und der Volkseigene Betrieb Kraftverkehr des Verkehrskombinates "Wilhelm Pieck" nahm seine erste Elektrobusstrecke zwischen dem Stadtzentrum und dem Industriegelände auf der Linie A in Betrieb. 345 Masten hatte man aufgestellt, sechs Kilometer Draht gezogen, die Kreuzung am Centrum-Warenhaus rekonstruiert, Wartehäuschen und die Buswendeschleife errichtet. Insgesamt vier O-Bus-Linien plante man für die Zeit bis zum Jahr 1993. Doch dann kamen die politische Zeitenwende und die Zweifel. Sollte man wirklich Strommasten in der Altstadt aufstellen? Und wie soll die plötzlich allein zuständige Stadt den Ausbau bezahlen? Zudem sanken die Fahrgastzahlen. Es sollte schließlich nicht mehr als zwei Linien mit insgesamt 641 Masten und 20 Leitungskilometern geben. Die Stadtverordneten beschlossen einen Baustopp und am 26. April 1994 das Aus zum Jahresende. Eine Jubiläumsfahrt zum 5. Geburtstag im Oktober 1994 zeitigte für sogar eigens aus Plauen, Leipzig oder Dresden angereiste O-Bus-Fans reichlich Wehmut. "Die Anlagen sind so gut gepflegt", schüttelte etwa Matthias Schindler aus Dresden den Kopf. Am 30. Dezember 1994 gegen 11 Uhr fuhr letztmals ein O-Bus ins Depot der Verkehrsgesellschaft VSE. 1,5 Millionen Streckenkilometer hatten er und seine neun Kollegen vom Typ "Ikarus-Ganz" da zurückgelegt. Die Busse wurden über Zwischenhändler nach Tallin und Tscheljabinsk verkauft und das Streckenzubehör ging nach Eberswalde. Zwei Stadtlinien bedienen dort heute ein Elektronetz von ca. 30 Kilometern. In Hoyerswerda blieben vom O-Bus die Wendeschleife und eine Trafostation in Kühnicht. Ein hiesiger Unternehmer will sie zu einem Geschäft umbauen. no