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| 01:05 Uhr

„Das ist auch für einen Jäger kein schöner Anblick“

Hoyerswerda/Bärwalde.. In diesen Tagen fährt Stefan Bachmann besonders wachsam über die Bundesstraße 156. Der Vorsitzende des Jagdverbandes Hoyerswerda weiß warum: Von Mitte Juli bis Mitte August ist Paa-rungszeit bei den Rehen. Böcke und Ricken sind dann blind vor Liebe. Da kracht es schnell zwischen Tier und Maschine. Allein in Sachsen ereignen sich pro Jahr rund 6000 Wildunfälle. Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

„Man kann nie wissen, wo sie herauskommen“ , sagt Bachmann und blickt die Straßenränder entlang, während er seinen Wagen über die Bundesstraße lenkt. Hier an die B 156 muss er selbst oft raus. „Da kommt auch schon mal mitten in der Nacht ein Anruf.“ Vier- bis fünfmal im Jahr passiert das. Dann teilt ihm die Polizei-Leitstelle mit, dass es wieder einen Wildunfall gab. Bachmann schwingt sich in seinen Wagen und fährt zur Unfallstelle.
Hat die Polizei vor Ort schon alles erledigt, dann schaut er als Jagdpächter dort nach, wie es dem Tier geht, das angefahren wurde. „Ein Wild, das klagt, tut einem schon Leid“ , sagt der Jäger. Und obwohl er es gewohnt ist, im Sinne des Naturschutzes auch Rehe zu erlegen, gibt es Momente, in denen ihn die Gefühle überwältigen. „Wenn das zum Beispiel ein Kitz ist, dann ist das auch für einen Jäger kein schöner Anblick“ , sagt Stefan Bachmann. „Wie für jeden anderen Menschen.“
In solchen Situationen muss er sich selbst klar machen, dass er derjenige ist, der das Leid des Tieres beenden kann. „Ein gezielter und sauberer Schuss erspart dem Wild unnötige Qualen“ , so der Jäger. „Das ist dann auch im Sinne des Tierschutzes.“
Damit es möglichst gar nicht erst zur Kollision zwischen der vom Menschen gelenkten Maschine und dem Tier kommt, rät Bachmann im Juli und August zu noch mehr Vorsicht auf den Landstraßen als sonst. „Besonders gefährlich ist es in den zwei, drei Stunden Dämmerung am Abend und am Morgen“ , erläutert er. Dann wechseln die Rehe besonders gerne von einem Standort zum nächsten, um zu äsen.
Nicht nur das: Im Liebesspiel, wenn ein Bock einer paarungsbereiten Ricke hinterher jagt, dann nähmen die beiden Tiere ihre Umwelt kaum wahr. Weil sich die Rehdamen zunächst sehr spröde gegenüber den heißen Herren gäben, entwickelten sich oft wilde Jagden. Besondere Vorsicht sollte der Autolenker deshalb walten lassen, wenn gerade ein Reh die Fahrbahn überquert habe. „Da folgt fast immer ein zweites“ , warnt der Jäger. „Viele Autofahrer wiegen sich da zu früh in Sicherheit.“
Ein Schwerpunkt von Wildunfällen in der Region ist laut Bachmann die B 97. Der Experte rät Fahrern aber auf allen Strecken in diesen Tagen in der Dämmerung dazu, langsam und vo raus schauend zu fahren - ganz besonders, wenn Rehe an der Fahrbahn oder in der Nähe stehen. Falls Auto und Reh doch einmal kollidiert sind, dürfe das Tier nicht mitgenommen werden. „Das wäre Wilderei“ , erinnert Bachmann. Stattdessen sollte die Polizei gerufen werden - auch wenn kein Schaden am Auto ist. „Für ein Tier ist es eine Qual, wenn es verletzt im Straßengraben liegt und jämmerlich verendet.“
Noch ein Tipp liegt dem Jagdverbandschef am Herzen: Wer bei einem Spaziergang ein scheinbar verlassenes Kitz herumliegen sieht, solle dieses keinesfalls berühren. „Wenn das Tier den Geruch des Menschen annimmt, dann akzeptiert seine Mutter das Kleine nicht mehr.“ Und für den Fall, dass jemand ein ruhendes Kitz in einer zur Mahd anstehenden Wiese oder einem zur Ernte vorbereiteten Feld sieht, solle derjenige am besten den Bauern oder Jagdpächter informieren. „Es passiert immer wieder, dass die Tiere unter den Maschinen umkommen“ , seufzt Bachmann. „Obwohl wir und die Bauern vorher immer die Flächen kontrollieren.“

Hintergrund Wildunfall - was tun?
  Wer mit einem Tier zusammengestoßen ist, sollte zunächst die Unfallstelle absichern.
Danach die Polizei informieren. Diese regelt alles Weitere.
Weitere Informationen beim Landesjagdverband im Internet unter www.ljv-sachsen.de sowie den Unteren Jagdbehörden der Stadt Hoyerswerda und des Kreises Kamenz.