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| 17:14 Uhr

Museum Hoyerswerda
Das Hoyerswerdaer „Gedächtnis“ geht in den Ruhestand

Kerstin Noack (rechts) übergibt Elke Roschmann ein Geschenk - eine historische Ansicht des Schlosses.
Kerstin Noack (rechts) übergibt Elke Roschmann ein Geschenk - eine historische Ansicht des Schlosses. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Mit einer Gemäldeausstellung hat Elke Roschmanns Arbeit im Museum vor 40 Jahren begonnen. Von Katrin Demczenko

„Fast 40 Jahre an einem Arbeitsplatz, das muss mir erst mal jemand nachmachen“, sagt die wissenschaftliche Leiterin des Stadtmuseums Hoyerswerda Elke Roschmann zu ihren Gästen. Eingeladen hatte sie in den Schlosssaal, weil sie ab April mit dann 63 Jahren in ihren wohlverdienten Ruhestand geht.

Zufrieden zeigt sich die Historikerin mit der abwechslungsreichen Arbeit im Schloss, die sie 1978 nach ihrem Geschichtsstudium mit der Organisation einer Gemäldeausstellung begann. Weitere Sonderausstellungen und Konzerte, zum Beispiel als Teil der Musikfesttage, folgten, die sie mit den anderen Mitarbeitern des Schlosses realisiert hat. An die damit verbundenen Treffen mit professionellen Malern, Bildhauern, Musikern und kreativen Hobbykünstlern erinnert sich Elke Roschmann gern. Natürlich musste sie auch alltägliche Museumsarbeit erledigen, wozu das Katalogisieren und Inventarisieren vieler Objekte der Sammlungen gehörte.

Mit ihren Führungen, Vorträgen und Publikationen hat die Historikerin den Besuchern nahegebracht, wie Menschen vor vielen Jahrhunderten in der Stadt gelebt haben. Vor 1990 schrieb die SED oft vor, welche Inhalte wie zu vermitteln waren, was auch die damals herausgegebenen „Hoyerswerdaer Geschichtshefte“ betraf. „Dafür musste ich beim Rat des Bezirkes Cottbus Druckgenehmigungen einholen“, erinnert sich Elke Roschmann. Mit dem Zusammenbruch der DDR war diese Bevormundung Geschichte und im Schloss änderte sich alles. Das damals stark sanierungsbedürftige älteste Gebäude von Hoyerswerda wurde endlich renoviert. Mit dem Auszug des Kreisgerichtes sowie des Liegenschaftsamtes konnten alle Etagen museal genutzt werden. Von 1996 bis 2002 entstand die neue Dauerausstellung die den Zeitraum seit der Urgeschichte umfasst. In den vergangenen Jahren begann deren inhaltliche Umgestaltung unter Nutzung digitaler Medien. Seit 1998 gibt es wieder jährlich ein „Neues Hoyerswerdaer Geschichtsheft“, das unterschiedliche Inhalte der Historie der Stadt bekannter macht.

Oberbürgermeister Stefan Skora und Kulturbürgermeister Thomas Delling würdigten die lange und erfolgreiche Arbeit von Elke Roschmann und Kerstin Noack, Leiterin von Schloss und Stadtmuseum, sagte bedauernd: „Du wirst ein riesengroßes Loch hier reißen.“

„Ich bin doch nicht ganz weg“, antwortete die Noch-Museumsleiterin. Schließlich gehört sie zur Gesellschaft für Heimatkunde, die die Ausstellung über den Hoyerswerdaer Maler Ernst Janetzky organisiert. Diese wird im April im Schloss eröffnet. Die Umsetzung des zweiten Teils  der neuen Dauerausstellung „LehrReich“ zur DDR-Geschichte der Stadt begleitet Elke Roschmann ebenfalls weiter.

Neben dieser Arbeit, die langsam weniger wird, will sie ihre wachsende freie Zeit mit Chorgesang, Radausflügen und größeren Reisen füllen. „Mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren, das wäre was“, findet Elke Roschmann. Leserin der Stadtbibliothek will sie werden, erfuhr deren Leiterin Annekathrin Trojahn auf der Abschiedsfeier. Vielleicht wird sie einen Volkshochschulkurs besuchen, hörten die Mitarbeiter Ute Grun und Karla Kümmig. Letztere hatte ein Abbild des Wittichenauer Stadttors aus Filz hergestellt und als Geschenk mitgebracht, genau wie sich auch die bald ehemaligen Kollegen aus dem Schloss mit guten Gaben von Elke Roschmann verabschiedet haben.