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| 16:51 Uhr

Hoyerswerda
Das Gundermann-Vermächtnis

Tonträger, Presseartikel, Plakate: Reinhard Ständer betreut das Gundermann-Archiv und weiß genau, wo er welches Dokument findet. Gundi-Fans aus aller Welt, einmal begrüßte er sogar einen Italiener, schauen hier vorbei, um mehr über das Schaffen des Hoyerswerdaer Künstlers zu erfahren.
Tonträger, Presseartikel, Plakate: Reinhard Ständer betreut das Gundermann-Archiv und weiß genau, wo er welches Dokument findet. Gundi-Fans aus aller Welt, einmal begrüßte er sogar einen Italiener, schauen hier vorbei, um mehr über das Schaffen des Hoyerswerdaer Künstlers zu erfahren. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Reinhard Ständer betreut das Gundermann-Archiv in der Kulturfabrik Hoyerswerda und hält damit Erinnerungen an den Liedermacher wach. Von Rainer Könen

Es gibt in Hoyerswerda und Umgebung unterschiedliche Auffassungen: Für viele der hier Lebenden steht fest, dass 2018 ein besonderes Jahr wird: das Gundermann-Jahr. Für die anderen, das sind diejenigen, die diesem Künstler etwas distanziert gegenüberstehen, ist es einfach ein Jahr, das im Zeichen der 750-Jahr-Feier der Stadt stehen wird.
Reinhard Ständer gehört auf jeden Fall zu denjenigen, die man getrost als große Anhänger, als innige Freunde des 1998 verstorbenen Liedermachers Gerhard Gundermann zählen darf. So steht für den 67-Jährigen fest, dass in diesem Jahr sicher mehr Arbeit als bisher auf ihn zukommen wird.

Allerdings muss man den Begriff Arbeit im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit etwas relativieren. Denn als Verwalter des Gundermann-Archivs ist er ehrenamtlich tätig. Heißt: Im Schnitt ist er zwei bis drei Mal in der Woche dort anzutreffen – in einem kleinen 14 Quadratmeter Raum, der von einem großen Panzerschrank dominiert wird. In diesem befinden sich Dokumente, Tonträger, Presseartikel, Plakate, persönliche Gegenstände von Gundi, wie man den Liedermacher aus Spreetal ja auch gerne bezeichnet. Reinhard Ständer, den man in Hoyerswerda mehr unter seinem Spitznamen „Pfeffi“ kennt, berichtet davon, dass sich in der letzten Zeit E-Mail-Anfragen und Besuche von Fans und Freunden des Liedermacherpoeten gehäuft haben. Für den gebürtigen Böhlener ist dies irgendwie logisch. Denn in diesem Jahr jährt sich Gundis 20. Todestag, benannte sich vor 40 Jahren der Hoyerswerdaer Singeclub in Brigade Feuerstein um, einem Ensemble, in dem auch Gundi mitwirkte.

Und der absolute Höhepunkt in diesem „Gundermann-Jahr“ werde auf jeden Fall der Spielfilm von Regisseur Andreas Dreesen sein, der sich mit dem Leben Gundermanns beschäftige. Der wird in diesem August in die Kinos kommen. Bundesweit. Dann, damit rechnet Ständer fest, werde zwar kein Gundermann-Hype ausbrechen, aber zumindest „werden in Deutschland  Leute auf ihn aufmerksam, die ihn bisher noch gar nicht kannten“. Im übertragenen Sinne heißt das, dass demnächst sicher häufiger wildfremde Menschen an die Tür seines in der Kulturfabrik untergebrachten Archivs klopfen werden.

Sechs Jahre nach Gundermanns Tod fand man, dass man Live-Mitschnitte, Fotos, Filme, Bücher und andere Publikationen und persönliche Gegenstände für die Nachwelt aufbewahren sollte. Seit Anfang Oktober 2004 kümmert sich Reinhard Ständer um diese Sammlung.
Immer wieder besuchten in den vergangenen Jahren Fans des Liedermachers, auch Touristen, seine von ihm betreute Sammlung. Dann versinke man beim Betrachten, Hören oder Lesen häufig „in Gundermanns Leben“, wie er das beschreibt.

Einmal habe ihn sogar jemand aus Italien, aus Südtirol, aufgesucht. Der, erinnert sich Ständer, habe seinen Urlaub in der Lausitz verbracht und in den Reisevorbereitungen offensichtlich auch etwas über Gundi gelesen. „Der war gut informiert“, weiß er noch. Und klar, auch dieser Besuch im Gundi-Archiv endete, wie bei den anderen auch, auf dem Kühnichter Waldfriedhof. Dort befindet sich Gundermanns Grab. Reinhard Ständer: „Da wollen die Leute eigentlich immer hin“. Meist begleitet er diese, zeigt ihnen, wo sich das Grab befindet. Er versteht das nur zu gut. Ständer erzählt von einem Liedermacher aus Niesky, mit dem er ebenfalls auf dem Friedhof war. Man sei danach noch zum Jugendclubhaus Ossi gefahren, dorthin, wo das Ehepaar Gundermann seinerzeit eine Kastanie gepflanzt habe. „Der hat sich einige Kastanien mit nach Hause genommen“, so Ständer. Als eine Art Reliquie. Um sie in seinem Garten einzusetzen, in der Hoffnung, später ebenfalls einen Baum als sichtbare Erinnerung an Gundi zu haben. Natürlich waren die Filmleute, allen voran Regisseur Andreas Dreesen, an Gundis Grab.

So wie es aussieht, wird in diesem Jahr noch so einiges auf den Verwalter des Gundermann´schen Vermächtnis zukommen. Aber das sei auch gut so, meint er. Wenn man Gundi nun endlich bundesweit kenne, sei das sicher für eine Stadt wie Hoyerswerda ebenfalls recht gut. Und irgendwie auch passend, zu den 750-Jahr-Feierlichkeiten.