ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:30 Uhr

Sommerhitze
Das große Gießen für die erfolgreiche Ernte

Werner Kirmer rät: Abends nicht zu spät gießen, damit die Pflanzen noch abtrocknen können.
Werner Kirmer rät: Abends nicht zu spät gießen, damit die Pflanzen noch abtrocknen können. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Kleingärtner geben Tipps für trockene Wetterphase. Von Katrin Demczenko

Bestes Sommerwetter füllt seit Wochen die Strände des Lausitzer Seenlandes mit Badelustigen. Doch nicht für alle Lebewesen ist solch ein Wetter Grund zur Freude: Die Pflanzen auf Feldern und in Wäldern leiden unter der langen Trockenheit. Mehr Glück haben die Obstbäume und Gemüsepflanzen in Gärten. Denn die werden regelmäßig mit Wasser versorgt – schließlich wollen ihre Besitzer auch ernten, was sie gesät haben.

Karola Buse, die zur Hoyerswerdaer Sparte „An der Baumschule“ nahe der Schwarzen Elster gehört, ist eine der eifrigen Gärtner. Frühmorgens vor der Arbeit wässert sie im Sommer täglich ihre Beete und am späten nachmittag noch einmal. „Nur wer gießt, kann ernten“, weiß sie und erzählt, dass Gurken und Kürbis zum Wachsen eine besonders große Menge Wasser brauchen. Weil Karola Buse ihre Pflanzen pflegt, erntet sie so viele Früchte wie jedes Jahr und diese sind auch nicht kleiner. Die meisten Arten lieben abgestandenes Wasser und kein kaltes aus dem Hahn, erzählt sie. Deshalb befüllt sie morgens eine Zinkwanne mit Trinkwasser und bewässert damit nachmittags ihre Beete. Sie freut sich, dass ihre Zwiebeln und Tomaten ohne chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel heranwachsen und sofort ausgereift gegessen werden können. Der Trockenheit kann Karola Buse sogar etwas Gutes abgewinnen, weil dadurch nur wenige Schnecken die Pflanzen abfressen und ihr Wachstum behindern.

Der Spartenvorsitzende Werner Kirmer bestätigte, dass sein Gießrhythmus dem seiner Gartennachbarin ähnelt. Er findet wichtig, abends nicht so spät zu gießen, damit die Pflanzen in der Wärme des Abends noch abtrocknen können. Feuchte Blätter begünstigen die Verbreitung von Pilzkrankheiten, lautet dafür die Begründung des Mannes, der auch Vorstandsmitglied im Verein der Kleingärtner Hoyerswerda ist.

Wer Wasser sparen will, sollte jede Gemüsepflanze, jeden Beerenstrauch und Obstbaum einzeln gießen, damit die Flüssigkeit die Wurzeln auf direktem Weg erreicht. Zur Qualität des Gießwassers erklärt Werner Kirmers Ehefrau, die früher bei der Wasserwirtschaft gearbeitet hat: Jeden Tag zu gießen helfe Nutzpflanzen weniger als ein ordentlicher Regenguss. Denn Wasser nehme nur auf seinem weiten Weg durch die Luft Energie auf, die letztendlich weitergegeben wird. Trinkwasser ist zwar das am besten geprüfte Lebensmittel Deutschlands, enthält aber keine Energie und ist deshalb als Gießwasser nicht so gut geeignet, so Helga Kirmer. Sie empfiehlt aus diesem Grund – und um die Wasserrechnung für den Garten im vertretbaren Rahmen zu halten – in großen Behältern Regenwasser aufzufangen.

Wegen des trockenen Sommers wird der Trinkwasserverbrauch im Kirmerschen Kleingarten 2018 etwas höher sein. Für den Verbrauch der Sparte insgesamt trifft das möglicherweise nicht zu: Derzeit stehen fünf der 20 Parzellen der Anlage leer. Junge Familien werden gesucht, die einen Garten bewirtschaften und ihren Kindern zeigen wollen, wie Radieschen, Äpfel und Zwiebeln heranwachsen. Werner Kirmer bedauert, dass mit jedem aufgegebenen Kleingarten das Wissen des Gärtners unwiederbringlich verloren geht.