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Das Geschäft mit den dicken Bäuchen

Grenzenlose Kreativität: Nicole Ludewig, selber hochschwanger, umrundet von eigenhändig gestalteten Babybäuchen in den verschiedensten Varianten.
Grenzenlose Kreativität: Nicole Ludewig, selber hochschwanger, umrundet von eigenhändig gestalteten Babybäuchen in den verschiedensten Varianten. FOTO: ahu
Hoyerswerda. Dicke Bäuche, wo man auch hinschaut: in lila, hellblau, mit Rüschenborte oder Schleifchen, mit Schnörkelmalerei, Foto, Blumen oder Schrift verziert. Im Hoyerswerdaer Atelier "Belly Style" von Nicole Ludewig sind schöne Rundungen das A und O. Anja Hummel

Die 32-Jährige bemalt, beklebt und überarbeitet Babybäuche aus Gips. Jedes Modell ein Unikat. Und damit ist die Lausitzerin seit einigen Jahren richtig "dick im Geschäft".

"Ich habe momentan eine Wartezeit von sechs Monaten", sagt die aufgeschlossene Frau, die selber im achten Monat schwanger ist. Ihren Kundenstamm hat sie sich nach und nach aufgebaut. Und der geht bei Weitem über die Lausitzer Grenzen hinaus. "80 Prozent der Gipsabdrücke bekomme ich per Post aus dem ganzen Bundesgebiet zugeschickt", erzählt die Lautaerin, während sie braune Stoffrüschen zusammenrafft und mit Perlen versieht. Nur dieser deutschlandweite Zulauf mache ihr das Geschäft mit den "dicken Bäuchen" möglich. "Kinder werden zwar immer geboren", sagt Nicole Ludewig. "Aber auf die heimischen Babybäuche allein kann man sich dann doch nicht verlassen."

In ihrem Atelier an der Friedrichsstraße verschönert sie die Gipsabdrücke nicht nur, sondern fertigt sie auch an. "Insgesamt ist das ein sehr aufwendiger Prozess", erzählt die vierfache Mutter. "Die Gipsformen müssen verspachtelt, geschliffen und grundiert werden und zwischendurch trocknen, bevor Farbe, Lackierung und Deko an der Reihe sind." 25 Arbeitsstunden und mehr investiert sie pro Modell. "In den vergangenen zwei Jahren habe ich mindestens 150 Bäuche gestaltet", schätzt Nicole Ludewig. "Die Leute lieben Schnörkel", weiß sie deshalb nur allzu gut. Name und Geburtsdatum sind auch kaum wegzudenken. "Als Farben sind Türkis und Lila am beliebtesten." Aber auch Naturtöne sind immer häufiger gefragt.

Wie beliebt die Babybauch-Kunst ist, sieht jeder Atelier-Besucher. Im Regal direkt hinter dem "Basteltisch" stapeln sich 23 Frauenbäuche aus der weißen Modellmasse - sie sind groß, klein, kugelrund, oval. Ihr eigener "Kugelbauch" brachte die gelernte Verkäuferin auf die Geschäftsidee. "Ich war damals schwanger und mir wurde plötzlich gekündigt", blickt sie zurück. Da sie selber Gipsabdrücke von ihrem Bauch anfertigte, schlug der Kindsvater vor, das doch auch anderen Müttern anzubieten.

"Im Geburtsvorbereitungskurs habe ich dann meine ersten Kundinnen gefunden", sagt sie lächelnd. Mittlerweile gibt es sogar Muttis, deren Bauch sie zum wiederholten Mal "eingipst".

Die Nachfrage hat eindeutig zugenommen, stellt Nicole Ludewig fest. "Es ist vielen Frauen wichtig, die schöne Zeit der Schwangerschaft zu konservieren."

Die Lautaerin bekommt nicht nur jeden kaputten Gipsbauch wieder in Form, sondern bietet auch 3D- Abdrücke von Füßen und Händen an. Und weil es so viel zu tun gibt, ist sie zurzeit auf der Suche nach Unterstützung.

Um ihr Konzept nun gänzlich rund zu machen, will sie demnächst Kurse anbieten: "Dann können die Muttis ihren Bauch selber gestalten", verrät die Hochschwangere. Ihre eigenen Bauchabdrücke, bisher vier an der Zahl, hängen als Vorzeigestücke im Atelier. Bald kommt auch das aktuellste Modell hinzu. Ganz schlicht im Naturton. Planmäßig die letzte eigene "Murmel" aus dem Hause Ludewig.