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| 17:12 Uhr

Lauta
Das Geschäft mit dem Altpapier bleibt heftig umstritten

Der Altpapiermann Raphael Düffort beim Einsammeln der Zeitungen und Prospekte in Lauta.
Der Altpapiermann Raphael Düffort beim Einsammeln der Zeitungen und Prospekte in Lauta. FOTO: Anja Guhlan
Unternehmer will der Wegwerfgesellschaft in Lauta die Stirn bieten. Kreis Bautzen kritisiert den Aufkauf als kontraproduktiv für Gebührenentwicklung. Von Anja Guhlan

In so einem Hausbriefkasten landen wöchentlich jede Menge Papiere: Werbeprospekte, Zeitungen, Illustrierte, Flyer, Kataloge. Aber auch die ist nach dem Lesen nur noch Altpapier. Dass Altpapier bares Geld wert ist, beweist Raphael Düffort aus Lauta. Im Dezember 2017 hat der 29-Jährige seine Annahmestelle für Papier in Lauta eröffnet. „Manchmal kommen mehr, manchmal weniger. Heute waren bereits vier Sammler da und haben ihr Altpapier abgegeben“, berichtet er. Bürger aus Lauta, Hosena und teilweise auch aus Senftenberg nutzen die Annahmestelle in Lauta.

In der Region gibt es noch weitere gewerbliche Ankaufstellen für Altpapier. „Es ist ein kleines Plus im Geldbeutel der Sammler, womit sie sich den sonntäglichen Brötchendienst finanzieren können oder für die Enkel sparen“, sagtt  Raphael Düffort, der als Angestellter in einem Schrotthandel arbeitet und sich aber gern selbstständig machen möchte.

Für den Landkreis sind solche gewerblichen Ankaufstellen hingegen unerwünscht. Denn die Menschen werfen ihr Altpapier nicht mehr in die Blaue Tonne. Derzeit ist ein Rückgang im Altpapieraufkommen des Landkreises erkennbar. Im Jahr 1997 sammelte der Kreis Bautzen noch rund 23 000 Tonnen altes Papier ein. Pro Einwohner kamen da rund 60 Kilogramm zusammen. 2007 waren es  nur noch  21 000 Tonnen. Seit dem im Jahr 2008 gewerbliche Sammlungen vereinfacht worden sind und die Ankaufstellen als direkte Konkurrenz zu der vom Landkreis durchgeführten Sammlung von der Landesdirektion zulässig sind, ist die Menge nochmals erheblich zurück gegangen. Im vergangenen Jahr sank das Aufkommen auf 13 000 Tonnen.

Pro Einwohner also nur noch 42 Kilogramm. Tendenz weiter sinkend. „Der Landkreis erhält für die eingesammelten Papiermengen Erlöse. Diese werden bei der Kalkulation der Abfallgebühren als kostensenkende Position mit berücksichtigt“, erklärt Landkreis-Sprecher Peter Stange. Ein Rückgang der Papiermengen führt demnach zu sinkenden Einnahmen, die den Ausgaben gegenüberstehen. „Langfristig könnte sich das auf die Höhe der Abfallgebühren negativ auswirken“, prophezeit Peter Stange. Raphael Düffort argumentiert damit: „Das Papier gehört den Leuten doch, weil sie dafür bezahlt haben. Sie sollen selbst entscheiden, ob sie es in die „Blaue Tonne“ werfen und das Papier verschenken oder es zu einer Annahmestelle bringen, um kleines Geld zu erhalten“, sagt Düffort. Noch läuft der genehmigte Altpapierankauf des 29-Jährigen als Nebenerwerb. Gänzlich vom Papier allein kann er nicht leben, meint er. Deshalb möchte er gerne größer ins Recycling-Geschäft einsteigen. Am liebsten mit dem Rohstoff Kupfer. „Ich finde Recyclen heutzutage richtig wichtig. Wiederverwertung wird in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen“, erklärt der Mann, der der Wegwerfgesellschaft trotzen will.

Auch für Raphael Düffort ist es kein leicht verdientes Geld. „Ich muss alles gut sortieren, sonst bekomme ich weniger“, meint Düffort und eilt zum nächsten Sammler, der jede Menge Altpapier aber auch eine ganze aussortierte Büchersammlung abgeben möchte.