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Brauchtum
Das Geheimnis wird strikt bewahrt

Im Jahr 2015 stand beim Kartoffelball in Bergen der Alltag in der Dorfschule im Mittelpunkt.
Im Jahr 2015 stand beim Kartoffelball in Bergen der Alltag in der Dorfschule im Mittelpunkt. FOTO: Herzger Ulrike/Archiv / Herzger Ulrike
Elsterheide/Bergen. Seit fast 40 Jahren wird im Elsterheide-dorf Bergen alljährlich im Herbst der Kartoffelball gefeiert. Um das Thema wird im Vorfeld immer ein großes Geheimnis gemacht.

. Eine fast vier Jahrzehnte lange Tradition schickt sich am kommenden Wochenende zu einer Neuauflage an: Bereits zum 37. Mal geht in Bergen dann der Kartoffelball über die Bühne. Im Stammlokal „Zur Linde“ wird dann wieder das halbe Elsterheidedorf auf den Beinen sein.

Seit dem Herbst 1994 wird der Bergener Kartoffelball unter der Regie des Traditionsvereins „Elsterland“ organisiert. Der Verein hatte sich damals aus Anlass des 400-jährigen Dorfjubiläums gegründet. Die Idee war es, weiter auf die Historie des Dorfes einzugehen. Von dieser Zeit an wurde der jährliche Kartoffelball noch „gehaltvoller“ und thematischer.

Fortan wurden nicht nur einzelne Traditionen des sorbischen Brauchtums vorgestellt, sondern sogar ganze Sketche für ein einstündiges Programm einstudiert.

Welches Thema jeweils im Mittelpunkt steht, „darüber verraten wir im Vorfeld nie etwas“, bestätigt Vereinsvorsitzender Dietmar Koark, der vor mehr als 20 Jahren damals als Bergener Gemeindeoberhaupt schon Gründungsmitglied des Vereins war. „Trotzdem die Vorbereitung des Balls sehr viel Zeit kostet, manchmal auch Nerven, haben wir alle immer wieder aufs Neue Spaß – bei den Proben sowie dann auch bei der Veranstaltung“, ergänzt Renate Scharf. Als gebürtige Bergnerin mit sorbischen Wurzeln ist sie dem Verein nicht nur beim Thema Trachten eine wichtige Hilfe, sondern übernimmt als Stellvertreterin von Dietmar Koark nach seiner Begrüßung auf Deutsch die sorbische Einleitung.

Auch Siegfried Hubrich gehört dem Verein seit der Gründung an: „Als einstiger Hoyerswerdaer stand mit dem Umzug nach Bergen sofort fest, dass ich aktiv am Dorfleben teilnehmen will. Und da ich nicht unbedingt zum Sportler werden wollte, auch die Freiwillige Feuerwehr keine Option war und mich das kleine slawische Völkchen der Sorben mit seiner Kultur schon immer beindruckt hat, wählte ich zielgerichtet den Traditionsverein „Elsterland“. Das war die optimale Variante, mich mit vielen sorbischen Details besser vertraut machen zu können. Habe ich einst auch gern beim Programm mitgewirkt, so übernehme ich inzwischen mit Freude die Rolle des Erzählers, der sozusagen dem Publikum mit seiner ergänzenden Schilderung, den roten Faden zum bevorstehenden Geschehen gibt. Das heißt, dass ich mich zuvor sehr genau mit der jeweiligen Geschichte vertraut machen muss; also beispielsweise wie ging es beim Markttag oder beim Schweinschlachten zu. Wir setzten auch schon einen Schulalltag in Szene, stellten die Besonderheiten der kleinen lieben Wichtel – die Bergener Lutkis vor. Und bei allem natürlich mit reichlich Humor, sodass unser Publikum viel Spaß hat!“, unterstrich Siegfried Hubrich mit Schalk im Blick. Vorfreude auf Samstag hat auch schon Erika Witschaß. Sie ist die frisch angetraute Braut von Wolfgang Witschaß, dem Bergener Ortsvorsteher. Beide lernten sich 2011 beim traditionellen Bergentreffen in ihrer Heimat dem Saarland, an der luxemburg-französischen Grenze kennen. „Unsere Gegend ist von Bergbau gezeichnet. Wir haben keine Tracht, nur die Bergmannsuniform. Ich fand das Traditionstreffen faszinierend und das sorbische Brauchtum sehr interessant. Mein Mann ist Sorbe und ich lebe das sorbische Brauchtum sehr gern mit, weswegen mir auch die Arbeit im Traditionsverein gefällt. Ich freue mich wie alle anderen schon sehr auf den kommenden Samstagabend und wir hoffen, wieder den Nerv der Zuschauer zu treffen!“, so Erika Witschaß. und

(uhz)