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| 02:47 Uhr

Das Finanzamt geht jetzt in die Schulen

Die allererste Steuererklärung: Schüler Robert Mechling bekommt Hilfe von Ricarda Schäfer.
Die allererste Steuererklärung: Schüler Robert Mechling bekommt Hilfe von Ricarda Schäfer. FOTO: ahu
Hoyerswerda. Die Steuererklärung ähnelt für die meisten einem Zahnarztbesuch: Macht keinen Spaß, ist aber notwendig. Die sächsischen Finanzämter wollen den Ruf der Steuern verbessern und schicken Mitarbeiter in die Schulen. 21 Jugendliche erhielten diese Woche am Foucault-Gymnasium im Gemeinschaftskundeunterricht einen Schnellkurs in Sachen Steuern. Weitere Klassen werden folgen. Anja Hummel

Anders als gewohnt stand nicht Lehrerin Ute Hoffmann vor der Tafel, sondern zwei Mitarbeiter des Finanzamtes Hoyerswerda. Ricarda Schäfer und Frederick Pöthig wollen den Zwölftklässlern in einer Doppelstunde Sinn und Zweck von Steuern erklären. Gestartet wird mit einem kleinen Ausflug in die Geschichte: "Was haben Spatzen, Bärte und öffentliche Toiletten gemeinsam? Auf alles wurden schon einmal Steuern erhoben", gibt Sachbearbeiter Frederick Pöthig zum Besten. Ein kleines Raunen geht durch die Klasse. Dass es mittlerweile nicht mehr ganz so kurios hergeht, ergründen die Schüler, indem sie die verschiedenen Steuerarten zusammentragen: Von der Mineralölsteuer über die Energiesteuer bis hin zur Einkommenssteuer. Es ist der einstieg in eine nur scheinbar staubtrockene Materie.

Der Startschuss für das sachsenweite Projekt "Finanzamt und Schule" fiel im Herbst vergangenen Jahres. Katja Schimke, Finanzamtsleiterin in Hoyerswerda, hält die Schulstunden für wichtig: "Viele schimpfen immer nur über die Steuern. Wenn die Schüler bald selber im Berufsleben stehen, sollen sie vorher schon einmal etwas über das Steuerrecht gehört haben und vor allem wissen, wofür diese Einnahmen gut sind." Weil Bürger zunächst nicht unmittelbar bemerken, was mit dem Geld passiert, seien Steuern generell ein unbeliebtes Thema. "Doch wenn zum Beispiel der Straßenbau im Ort vorangeht, dann haben sie einen Teil dazu beigetragen", sagt die Finanzamtsleiterin.

Auch den Foucault-Schülern wird genau erklärt, in welche Haushalte, in diesem Sinne die Kassen von Kommunen, Ländern und des Bundes, das Geld fließt. Im Jahr 2013 lagen die Steuereinnahmen der Bundesrepublik bei insgesamt 620 Milliarden Euro. Doch diese Gelder werden nicht nur genutzt, um das Gemeinwesen zu finanzieren oder soziale Ungleichheiten auszubalancieren, erläutern die Mitarbeiter des Finanzamtes. "Steuern haben auch eine erzieherische Funktion, denn sie lenken das Verhalten in eine bestimmte Richtung", erklärt Pöthig. Ein Beispiel dafür sei die KFZ-Steuer: Je umweltfreundlicher das Auto, desto weniger Steuern müssen abgedrückt werden. Was also würde passieren, wenn wir diese "Zwangsabgaben" nicht zahlen würden? "Ohne Steuern wäre keine funktionierende Gemeinschaft mehr möglich. Jeder leistet seinen Beitrag, um so leben zu können, wie es in Deutschland möglich ist", unterstreicht Ricarda Schäfer.

Nach der Theorie folgt dann die Praxis: Die Gymnasiasten schreiben ihre erste Einkommenssteuererklärung. Was viele Menschen eher mit Widerwillen angehen, hat die Schüler neugierig gemacht. Laura Häberlein findet die kurze Einführung in die Welt des Fiskus zumindest sehr praktisch. "Jetzt kann ich mir wenigstens etwas darunter vorstellen." Von dem Nutzen der besonderen Schulstunde ist auch Gymnasiast Robert Mechling überzeugt: "Es ist gut, dass jemand hier ist, der sich beruflich damit beschäftigt und alle Fragen beantworten kann."

Weitere Antworten wird das Finanzamt-Team auch noch in anderen Schulen geben. Am heutigen Mittwoch sind sie im Beruflichen Schulzentrum in Hoyerswerda zu Gast. Fünf andere Termine sind schon gesetzt. Dann wird abgerechnet. "Wenn sich das Projekt etabliert, soll es auch fortgeführt werden", sagt Hoyerswerdas Finanzamtsleiterin Katja Schimke.