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| 21:55 Uhr

Nominierung für den Sächsischen Bürgerpreis 2018
Damit die Integration besser gelingt

Das Bürgerbündnis "Hoyerswerda hilft mit Herz" besteht aus vielen aktiven Leuten. Von Anfang an dabei ist das Ehepaar Gebauer (l.). Koordinatorin Birgit Radeck (r.) fährt am Dienstag zur Ehreung nach Dresden.
Das Bürgerbündnis "Hoyerswerda hilft mit Herz" besteht aus vielen aktiven Leuten. Von Anfang an dabei ist das Ehepaar Gebauer (l.). Koordinatorin Birgit Radeck (r.) fährt am Dienstag zur Ehreung nach Dresden. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Vor fünf Jahren hat sich das Hoyerswerdaer Bürgerbündnis gegründet und das Thema Integration zur Herzensangelegenheit gemacht. Mittlerweile engagieren sich auch viele Migranten ehrenamtlich für den kulturellen Austausch. Von Anja Hummel

Dora und Wolfram Gebauer schwelgen in Erinnerungen. Damals, vor fünf Jahren, hat ein ganz neuer Lebensabschnitt für sie begonnen. Engagiert war das Hoyerswerdaer Ehepaar zwar schon immer. Aber im Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ haben sie „ein Stückchen zu Hause“ gefunden, wie sie sagen. Eine Begrüßungskultur wollten sie anfangs mit anderen Bürgern in der Stadt schaffen, mittlerweile ist daraus ein reges Netzwerk aus engagierten Menschen verschiedenster Herkunft geworden. Was die Gebauers zur Nominierung für den Sächsischen Bürgerpreis sagen? „Das ist natürlich eine absolute Anerkennung der Arbeit“, erzählt Dora Gebauer, die immer wieder betont, dass sie längst nicht die einzigen Bürgerbündnis-Unterstützer sind.

Aus etwa 50 aktiven Mitgliedern besteht die Initiative im Moment, sagt Koordinatorin Birgit Radeck. Fast die Hälfte davon sind mittlerweile Migranten. Einer von ihnen ist Mahdi Faour. Der 38-Jährige organisiert kulturelle Begegnungen, gibt Sprachunterricht, ist Dolmetscher. Als Sozialarbeiter arbeitet er bei der Arbeiterwohlfahrt Lausitz. „Absolut verdient“ findet er die Nominierung des Bündnisses für den Bürgerpreis. „Menschen wie Birgit Radeck geben ihr Bestes für die Migranten, haben ein gutes Herz, kämpfen für die Rechte der Leute“, sagt der zweifache Vater. Seit 2015 lebt er in Hoyerswerda. Was er allerdings kritisch anspricht: Der Kontakt zu den Hoyerswerdaer Bürgern könnte besser sein. Regelmäßig veranstalten das Bürgerbündnis und das Projekt Samofa gemeinsam mit den Migranten ein Begegnungscafé – so wie in der vergangenen Woche. „Aber es kommen wenig Besucher“, sagt Mahdi Faour geknickt. „Wenn nur Araber und Kurden hier sind, können wir nichts Neues lernen“, merkt er an. Das aber ist genau der Wunsch der Geflüchteten. Er hofft auf mehr Austausch. „Nicht nur Kaffee trinken und Kuchen essen. Wir sollten offen über Probleme sprechen“, sagt der Syrer. Sollte das Bündnis den Bürgerpreis tatsächlich bekommen, würde das für Aufmerksamkeit sorgen – und damit, so hofft Mahdi, auch für mehr Kontakte.

Zum ersten Mal ist das Bürgerbündnis für den Preis nominiert, der Vorschlag kam aus der Stadtverwaltung Hoyerswerda. Wenn Birgit Radeck die Bedeutung des Bündnisses beschreiben soll, sagt sie bescheiden: „Wir tun etwas dafür, dass die Integration besser gelingt.“ Deutschunterricht, Behördengänge, Patenschaften: „Es geht oft um profane Sachen, um Alltagsdinge“, sagt die Koordinatorin. Vom Sperrmüll über die Wohnungsanmeldung bis hin zur Möbellieferung. „Und wir konnten auch schon Ausbildung und Arbeit vermitteln“, erzählt Birgit Radeck stolz. Am Dienstag wird sie nach Dresden fahren, um an der Auszeichnung in der Frauenkirche teilzunehmen.

Begegnungscafé im Jugendclubhaus Ossi in Hoyerswerda: Die Kinder lieben den Kickertisch.
Begegnungscafé im Jugendclubhaus Ossi in Hoyerswerda: Die Kinder lieben den Kickertisch. FOTO: LR / Anja Hummel