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Daimler hält an Kamenz fest

Sieht aus wie ein normaler Tankvorgang, ist es aber nicht: Sämtliche Smart-Modelle gibt es ab sofort auch in der Elektro-Version.
Sieht aus wie ein normaler Tankvorgang, ist es aber nicht: Sämtliche Smart-Modelle gibt es ab sofort auch in der Elektro-Version. FOTO: Daimler AG
Kamenz. Konzern bekennt sich zur Batterieproduktion in der Oberlausitz. Eine weitere Elektro-Offensive für Autos wird angekündigt. Uwe Menschner / ume

Die Daimler AG hat nicht vor, Teile der Batterieproduktion für ihre E-Fahrzeuge von Kamenz nach Stuttgart-Untertürkheim zu verlagern, wie es der dortige Betriebsrat gefordert hatte (die RUNDSCHAU berichtete). "Die Pläne für den Standort Kamenz werden genauso wie verkündet umgesetzt, es gibt daran keinerlei Abstriche", versichert eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Untertürkheim solle auf andere Weise in die Elektromobilität eingebunden werden, beispielsweise durch ein Technikum und durch die Fertigung von einzelnen Komponenten für den Antriebsstrang. "Mit Kamenz hat das überhaupt nichts zu tun", so die Sprecherin.

Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber hatte im Oktober 2016 Investitionen von 500 Millionen Euro in das Kamenzer Werk der Tochtergesellschaft Deutsche Accumotive angekündigt. Hier entsteht zurzeit eine zweite Fertigungsstätte für Fahrzeugbatterien. Ab 2017 sollen sämtliche Batteriesysteme für die Konzernmarken Mercedes-Benz und Smart von der Deutschen Accumotive kommen.

Legt man das von Thomas Weber genannte Ziel, den Anteil der Elektrofahrzeuge bis 2025 auf 25 Prozent zu erhöhen, zugrunde, würden dann jährlich circa 750 000 Batterien benötigt. Zum Vergleich: Seit Beginn der Serienfertigung im Jahre 2012 hat die Deutsche Accumotive nach Konzernangaben insgesamt 75 000 Lithium-Ionen-Batterien ausgeliefert.

Unterdessen hat die Daimler AG eine weitere Elektro-Offensive für ihre Marke Smart angekündigt. "Neben den Zweisitzern gibt es ab sofort auch den Viersitzer der Daimler-Marke Smart mit elektrischem Antrieb. Damit ist Smart künftig der einzige Autohersteller, der seine komplette Modellpalette sowohl mit Verbrennungsmotoren als auch batterieelektrisch anbietet", wie Markenchefin Annette Winkler erklärt. Die vierte elektrische Generation des Smart, so versichert sie, werde noch komfortabler als ihre Vorgänger. So verfüge sie über einen serienmäßigen "On Board-Lader", der die Ladezeit halbiere. Ab dem Herbst soll dann sogar ein Schnelllader verfügbar sein, der die Batterie in 45 Minuten zu 80 Prozent auflädt. Diese ermöglicht dem Stadtflitzer eine Reichweite von 160 Kilometern. Beide Kriterien - Ladezeit und Reichweite - gelten bislang als größtes Hemmnis für die Konkurrenzfähigkeit von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen.

Die in Kamenz hergestellten Batterien spielen im Marketing von Daimler-Benz für seine Stadtauto-Marke eine wichtige Rolle. In einer entsprechenden Presseerklärung heißt es unter anderem: "Durch die Deutsche Accumotive verfügt Daimler über fundiertes Know-how bei der Entwicklung und Produktion hochkomplexer Antriebsbatterien. Es gehört zur Philosophie der Daimler AG, sich direkten Zugriff auf Schlüsselkomponenten für die Elektromobilität zu sichern."