Im Nähstübchen des Nachbarschaftshilfevereins (NHV) in Hoyerswerda, das seit genau zehn Jahren existiert, wurde schon immer viel Wert auf Handarbeit gelegt. Ob nähen, häkeln, stricken oder sticken – bei vielen Handarbeiten konnte man sich in diesem Verein austauschen.

Neuerdings werden in dem Nähstübchen auch Behelfs-Nasen- und Mundschutze genäht. „Ich hätte vor einigen Wochen noch nicht geahnt, dass wir mal im Akkord solche Behelfsmasken nähen werden“, gibt die Leiterin des Nähstübchens Rosel B. zu. Die Leiterin will ihren vollständigen Namen nicht nennen.

Hoyerswerdaer Lebensräume-Chef liefert die Idee

Die Idee zu der Aktion hatte allerdings Axel Fietzek, der Vorstandsvorsitzende von Großvermieter Lebensräume Hoyerswerda. Er hatte von der Mundschutz-Knappheit gehört und sprach die Näherinnen im Nachbarschaftshilfeverein einfach an. Bei den Näherinnen stieß die Idee auf Gegenliebe.

Nun sind an drei Tagen in der Woche jeweils sechs Näherinnen damit beschäftigt, solche Mundschutze an ihrer eigenen Nähmaschine zu nähen. Es sei eine Mischung aus Notwendigkeit, Engagement und Zeitvertreib. Die Nähmaschinen rattern, Helfer schneiden die Stoffe zu, Schnittmuster werden herumgereicht und teilweise auch verfeinert.

Viele Bürger von Hoyerswerda spenden Stoffe

An die Stoffe kommen sie durch Spenden. „Viele Bürger bringen Baumwollstoffe vorbei, aus denen wir dann die Schutze nähen können“, erläutert die Nähleiterin. Die bunten Behelfsmasken kommen besonders gut an, meint sie. „Gerade die Muster mit Pünktchen oder Blümchen werden stark nachgefragt“, erzählt sie. Vor den reinen weißen Masken haben viele eine gewisse Scheu. „Das wirkt wahrscheinlich zu medizinisch“, vermutet die Näherin. Der Stoff muss zu 100 Prozent aus Baumwolle sein, damit man ihn dann auch bei mehr als 60 Grad waschen kann, betont sie weiter.

100 Behelfsmundschutze innerhalb weniger Tage produziert

Innerhalb weniger Tage haben die Näherinnen schon 100 Behelfsmasken hergestellt – mit Gummi oder Bändern und klassisch gefaltet. „Es geht darum, unsere Stadt und deren Einwohner zu schützen, sie bieten zumindest einen kleinen Schutz vor dem Virus. Ein richtiger Ersatz zu medizinischen Mundschutzmasken sind sie natürlich nicht“, erklärt die Nähleiterin. Die Behelfsmasken dienen lediglich der Reduzierung bei der Verbreitung von Virus-Tröpfchen. Durch das Tragen eines Mundschutzes werden also primär andere Menschen geschützt und die Ausbreitung der Coronaviren eingedämmt.

In Hoyerswerda werden selbstgenähte Mundschutze kostenlos abgegeben

Die Masken werden von den Näherinnen kostenfrei abgegeben, sie freuen sich aber auch über Spenden. Und zwar nicht nur über Geldspenden – sondern vor allem Stoffreste und, noch wichtiger: Gummilitze und Nähgarn werden langsam knapp. Wer hier also noch Bestände hat, findet in den Näherinnen dankbare Abnehmer.

Zurzeit nähen die Frauen zahlreiche Mund-Nasen-Schutze für die Städtischen Wirtschaftsbetriebe in Hoyerswerda (SWH), die laut RUNDSCHAU-Nachfrage sehr dankbar für dieses Angebot sind. Die SWH benötigt die Behelfsmasken für ihre gut 240 Mitarbeiter, sowohl bei der SWH als auch bei den fünf Töchterbetrieben wie der Verkehrsgesellschaft und den Versorgungsbetrieben.