Fast gespenstische Leere herrscht am Donnerstag zur Mittagszeit im Lausitz-Center. Allein rührt ein Mann in einem Café vom Lausitz-Center mit seinem Löffel im Cappuccino. Niemand sitzt an den Nachbartischen. Nur ein paar Meter weiter auf einer Bank starrt eine Dame einsam auf ihr Handy.

Was am Montag noch schwammig angedeutet wurde, ist seit Donnerstag Realität. Seit 19. März bis voraussichtlich 20. April sind alle „nicht-systemrelevanten“ Läden des Lausitz-Centers mit Beschluss vom Land Sachsen als Reaktion auf den Corona-Virus geschlossen.

Shops schließen für einen Monat

Nur noch 19 Läden sind derzeit im Lausitz-Center in Betrieb, darunter die Supermärkte, Drogerien, Apotheken, Reinigungen und Friseure. Alle anderen 45 Geschäfte für Bekleidung, Geschenkartikel oder Telekommunikation mussten vorerst zu machen. Die ausgeknipsten Lampen lassen die Ladenzeile derzeit ziemlich dunkel wirken.

Cottbus

Für Center-Manager Dieter Henke ein trauriges Bild. „Wir haben Frequenzeinbußen von 20 bis 30 Prozent“, sagt er. Nichtsdestotrotz sei die Stimmung bei den Mietpartner besonnen und ruhig. „Alle kooperieren.“ Jetzt denkt der Center-Chef über ein paar Lichtfluter nach.

Antiseptika vorm Supermarkt

Die Desinfektionsmittel-Spender an den sieben Eingängen vom Lausitz-Center werden bereits rege genutzt. Auch die Mietpartner wurden bereits aktiv. Gelb-schwarze Klebebänder auf den Fußböden markieren inzwischen die Sicherheitsabstände vor den Kassen im Bistro-Bereich. In den Supermärkten sind Plastikschirme zum Schutz der Kassiererinnen vor Covid-19 in Überlegung.

Nur die Zwergkaninchen im Eingangsbereich hoppeln über den Rollrasen, als wäre die Welt noch in Ordnung. Doch der Schein trügt. Die frisch gedruckte, erst am Donnerstag erschienene Center-Zeitung mit dem Oster-Programm ist am Tag ihrer Publikation schon wieder hinfällig. Center-Manager Dieter Henke spricht am Donnerstag von der „Stunde Null“. Noch wisse niemand mit Gewissheit, wie es weitergeht. „Wir stehen vor einer Herausforderung.“

Ostermarkt fällt aus

Der Ostermarkt vom 19. März bis 11. April wurde unterdessen von den Mietpartnern abgesagt. Der verkaufsoffene Ostersonntag, der unter diesen Umständen keinen Sinn macht, wurde ebenfalls gestrichen. Auch die Osterbühne wird dieses Jahr gar nicht erst aufgebaut. Veranstaltungen mit über hundert Teilnehmenden sind per Allgemeinverfügung verboten.

Fast minütlich klingelt das Telefon. Auch Einzelhändler aus Hoyerswerdas Altstadt rufen bei Center-Manager Henke an und bitten um Hinweise zum Umgang mit der aktuellen Situation. Manche fragen auch, was er dagegen unternimmt, dass die Menschen ins Lausitz-Center kommen. „Nichts“, lautet seine Antwort schlicht.

Verkürzte Öffnungszeiten

Zwar wurden die Öffnungszeiten der gastronomischen Einrichtungen auf 18 Uhr verkürzt. Doch der Betrieb soll weiter aufrecht erhalten werden. Ob für Jugendliche oder Rentner, das Center sei auch künftig ein Ort zum Verweilen. „Natürlich werden wir uns an die gesetzlichen Bedingungen halten“, stellt Henke klar. Dazu gehört auch der vorgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern. Die Anordnung der Tische und Stühle in den Sitz-Zonen wurde derweil neu gestaltet. „Wir haben Tische entfernt, um die notwendigen Abstände zwischen den Gästen zu vergrößern.“

Dieter Henke, ein Mann, der zur Begrüßung gern die Hand schüttelt, fährt inzwischen nur noch mit der flachen Hand halbmondförmig durch die Luft. Die Umsetzung der Maßnahmen vom sächsischen Infektionsschutzgesetz anlässlich der Corona-Pandemie nimmt er ernst. Panisch wirkt er nicht. „Bislang ist im Lausitz-Center kein bestätigter Corona-Fall bekannt“, sagt er.

Dieter Henkes Sorge gilt derzeit vor allem den Einzelhändlern. Denn es sei absehbar, dass die vorübergehenden Zwangsschließungen Umsatzeinbußen nach sich ziehen. Auch vertragsrechtliche Dinge seien deswegen zu klären. Das Center sei um eine möglichst „ganzheitliche Hilfestellung“ bemüht. Unter anderem wurden die Mietpartner bereits zum Kurzarbeitergeld informiert.

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