Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) warnt in Zeiten der Coronakrise vor grundlegenden Einschnitten in das Arbeitszeitgesetz in Sachsen. In der Lebensmittelindustrie, in der laut NGG im Kreis Bautzen rund 5100 Menschen beschäftigt sind, gebe es keine Versorgungsengpässe.

„Corona darf nicht dafür herhalten, die Höchstgrenzen bei der Arbeitszeit auszuhebeln. In Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen haben wir in der Lebensmittelindustrie längst die nötige Flexibilität, um Hochphasen zu stemmen. Sonst wären die Supermarktregale ja längst leer“, betont Volkmar Heinrich von der NGG-Region Dresden-Chemnitz.

Extra-Schichten sind in der Lebensmittelindustrie an der Tagesordnung

Gesetzliche Standards seien wichtig. Sonst leide am Ende die Gesundheit der Beschäftigten: „Wer eine Zwölf-Stunden-Schicht in der Backwarenindustrie hinter sich hat, bei dem steigt die Unfallgefahr“, sagt Heinrich. Das derzeit gültige Arbeitszeitgesetz setze ein klares Limit: nicht mehr als zehn Stunden am Tag und nicht mehr als 60 Stunden pro Woche.

Laut Heinrich sind Überstunden und Extra-Schichten in der Lebensmittelindustrie seit Wochen an der Tagesordnung. Die Menschen arbeiteten am Limit, damit die Supermarktregale weiterhin voll sind.

Gewerkschafter kritisiert Hamsterkäufe und Preisdruck

„Klar ist, dass die Versorgung mit Lebensmitteln an der Industrie, aber auch am Bäcker- und Fleischerhandwerk nicht scheitert. Wenn Nudelregale einmal leer oder Tiefkühlpizzen ausverkauft sind, dann liegt das vor allem an übertriebenen Hamsterkäufen und an Problemen in der Logistik“, sagt Heinrich.

Scharfe Kritik übt der NGG-Geschäftsführer vor allem aber auch an den Vorgaben von Supermarktketten. Die Konzerne forderten von den Herstellern auf der einen Seite, in der Krise noch schneller und noch mehr zu produzieren. Zugleich wolle man jedoch die Preise drücken.