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| 15:46 Uhr

Concierge-Service im Wohnhaus
Diese Hausmeister helfen auch bei menschlichen Dramen

 Insiderwissen und Diskretion: Claudia Nötzel und Tino Rothenburger arbeiten am Empfang in der Straße des Friedens 1-7 als Concierges.
Insiderwissen und Diskretion: Claudia Nötzel und Tino Rothenburger arbeiten am Empfang in der Straße des Friedens 1-7 als Concierges. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Sie sind zur Stelle, wenn die großen und kleinen Katastrophen passieren. Der Concierge-Service der WG Lebensräume ist bei Leid und Not in den Wohnblocks an der Straße des Friedens 1-7 ein Ansprechpartner für die Mieter. Von Rita Seyfert

Manchmal kullern auch Tränen. Als Concierges der Wohnungsgenossenschaft Lebensräume Hoyerswerda erleben Claudia Nötzel (30) und Tino Rothenburger (28) am Tresen täglich die volle Bandbreite menschlicher Dramen. „Wir sind keine ausgebildeten Psychologen, brauchen aber viel Einfühlungsvermögen“, erzählen sie.

Das Spektrum ihrer täglichen Aufgaben ist breit. Um zeitlich alles zu schaffen, arbeiten Tino Rothenburger und Claudia Nötzel von montags bis freitags im Zwei-Schicht-Betrieb. Einer übernimmt die Frühschicht von 7.30 bis 15.30 Uhr, der andere die Spätschicht von 10 bis 18 Uhr. Präsenz im Eingangsbereich zeigen sie von 10 bis 16 Uhr. Die restliche Zeit arbeiten sie im Büro. „Dort haben wir mehr Ruhe, wenn wir Mietverträge vorbereiten oder Gespräche mit Mietinteressenten führen“, erzählen sie.

Tino Rothenburger ist seit 2013 als Concierge dabei, Kollegin Claudia Nötzel stieß zwei Jahre später dazu. Beide schnupperten bereits während ihrer Lehrjahre in das Unternehmen.  Tino Rothenburger wählte die Lebensräume als Student seines Dualen Studiums als Praxispartner. Claudia Nötzel absolvierte hier ihre dreijährige Ausbildung zur Immobilienkauffrau. Beide hatten Glück: Kurz vor ihrem Abschluss wurde die Stelle als Concierge frei.

Heute wissen sie, dass die französische Bezeichnung für „Hausmeister“ oder „Portier“ den Kern ihrer Aufgaben eigentlich nicht ganz trifft. „Wir sind in erster Linie für die wohnungswirtschaftliche Betreuung hier“, sagen sie. Heißt: Wenn Mieter einziehen, übergeben sie die Wohnungsschlüssel; und wenn Bewohner wieder ausziehen, veranlassen sie die nötigen Instandsetzungsmaßnahmen. Und wenn zwischendurch der Wasserhahn tropft, die Emaille der Badewanne abplatzt oder der Rollladen klemmt, dann kümmern sie sich auch darum und informieren die zuständigen Klempner, Maler und Elektriker. „Jetzt im Winter melden sich die meisten Bewohner, weil die Fenster ziehen“, berichten sie. Wöchentliche Kontrollgänge durchs Treppenhaus gehören ebenso zu ihren Aufgaben. Falls eine Glühbirne durchgebrannt ist oder ein Knopf im Fahrstuhl nicht funktioniert, leiten die Concierges die nötigen Reparaturmaßnahmen ein. Auch den Brandschutz haben sie stets im Visier. „Die gelben Lämpchen müssen stets leuchten.“

 Der Oma die Geburtstagsblumen von den berufstätigen Enkeln überreichen? Ausnahmsweise auch das! Claudia Nötzels Aufgaben als Concierge sind so bunt wie ein Frühlingsstrauß.
Der Oma die Geburtstagsblumen von den berufstätigen Enkeln überreichen? Ausnahmsweise auch das! Claudia Nötzels Aufgaben als Concierge sind so bunt wie ein Frühlingsstrauß. FOTO: LR / Rita Seyfert

Besonders wichtig ist aber immer der Mensch. Etwa 750 Mieter verteilen sich auf die 325 Wohnungen in der Straße des Friedens 1 bis 7. „Jeden einzelnen persönlich kennen wir nicht“, sagen sie. Aber die Namen wissen sie von allen. Und sie haben den Überblick übers Sozialgefüge. „Bei einer Neuvermietung wissen wir, wer wo reinpasst.“ Natürlich könne man es nicht jedem Recht machen. Falls es mal mit einer Wohnung nicht geklappt hat, versuchen sie Alternativen zu finden. „Meistens klappt das ganz gut.“

 Concierge Tino Rothenburger überreicht Carolin Mesech (21) ihre neuen Wohnungsschlüssel. Dazu gibt’s ein Einzugspräsent mit Putzmitteln, Zewa-Rolle und Rauchmelder.
Concierge Tino Rothenburger überreicht Carolin Mesech (21) ihre neuen Wohnungsschlüssel. Dazu gibt’s ein Einzugspräsent mit Putzmitteln, Zewa-Rolle und Rauchmelder. FOTO: LR / Rita Seyfert

Diskretion ist oberstes Gebot. Denn manchmal werden die beiden auch Zeugen unschöner Szenen. Hin und wieder müssen sie dann jonglieren. Wenn beispielsweise ein Partner nach einem Ehekrach von jetzt auf nachher ausziehen muss und nach einer Bleibe fragt, organisieren sie eine Gästewohnung. „Wir versuchen, möglich zu machen, was möglich ist.“ Zumindest weitestgehend. Manche Anfragen müssen sie auch verneinen. „Die Leute kennen ja nicht unsere Aufgaben.“ Selbstverständlich, wenn Zeit ist, bringen sie der alten Dame mit dem Rollator auch mal eben das Päckchen hoch. Fürs Schleppen von Waschmaschinen und Kühlschränken sind aber Umzugsunternehmen zuständig; und um die aufgeplatzten Joghurtbecher auf dem Fußboden kümmert sich die Reinigungsfirma. Das ist aber nicht jedem Mieter bewusst. Deshalb müssen die guten Geister des Hauses fast täglich auch als Blitzableiter herhalten. Doch ein dickes Fell haben sie sich längst zugelegt.