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| 18:26 Uhr

Hoyerswerda
Ein See – viele Hoffnungen

Fast direkt am Stadtrand von Hoyerswerda gelegen, soll der Scheibe-See zum künftigen Haussee der Stadt werden. Seit einem Jahr ist zunächst einmal im Sommer das Baden möglich. Nun sollen die nächsten Schritte folgen.
Fast direkt am Stadtrand von Hoyerswerda gelegen, soll der Scheibe-See zum künftigen Haussee der Stadt werden. Seit einem Jahr ist zunächst einmal im Sommer das Baden möglich. Nun sollen die nächsten Schritte folgen. FOTO: Gernot Menzel
Hoyerswerda. Neuer See – unendliche Möglichkeiten? Ja, wenn genügend Investoren gefunden werden. Der Scheibe-See liegt nur 4,5 Kilometer von der Hoyerswerdaer Innenstadt entfernt. Das ist eine Chance, die Hoyerswerda nutzen will. Doch dafür ist noch eine Menge zu erledigen. Von Sascha Klein

Rohkohleförderung: 53 Millionen Tonnen. Landinanspruchnahme: 758 Hektar. Förderzeitraum: 1985 bis 1996. Flutungszeitraum: 2002 bis 2012. Das ist der Scheibe-See, der einzige große Bergbaufolgesee auf dem Gebiet der Stadt Hoyerswerda. Es soll die Badewanne der Stadt werden. Dort soll die Entwicklung ebenso wie an anderen Seen fortschreiten und Investoren in Hoyerswerda, Lohsa und Spreetal die Chance liefern, im Tourismus Fuß zu fassen.

Die Realität zurzeit ist: Es gibt am Westufer des Sees – auf Hoyerswerdaer Territorium – eine 120 Meter breite Badestelle. Dort können sich Insider zurückziehen und einen winzigen Teil der 684 Hektar Seefläche genießen. Jährlich vom 15. Mai bis 15. Oktober ist dort das Baden erlaubt.

Aber: Es gibt seit Ende 2015 einen Masterplan für den Scheibe-See, den die drei Anliegerkommunen beauftragt haben. Dort ist auf 63 Seiten skizziert, wie es mit dem Gewässer einmal weitergehen soll. Welches Argument inzwischen sticht: Der See hat durch die entstehende Hoyerswerdaer Ostumfahrung bald einen direkten Anschluss an die B 96 und dadurch einen schnellen Anschluss an die B 97 Richtung Cottbus.

Was der Masterplan unter anderem vorschlägt:

Forstgarten Scheibe-See: Erlebnisareal mit Eventscheune, Gastronomie und Hofladen, Spiel- und Veranstaltungswiese, Kletterwald und Mountainbike-Crossstrecke. Die Idee dahinter: Das Areal soll sowohl forstwirtschaftlich als auch touristisch genutzt werden. Weitere Ideen sind die Haltung von Schafen, eine Lohnmosterei, Umwandlung von Ackerflächen im Gebiet Kühnicht für Wochenend- und Ferienwohnen.
Badestrand Westufer: Ein erster Schritt ist geschafft. Es gibt einen Badestrand. Dahinter verfolgt der Masterplan jedoch weitere Ziele, die in drei Phasen eingeteilt sind.
Phase 1: Ein Rastplatz für Freizeitsportler und Gäste mit Zugang zum See und zum Strand. Der sollte innerhalb eines Jahres entstehen.
Phase 2: Innerhalb von zwei bis vier Jahren sollen dann ein Campingplatz und eine kleine Ferienhaussiedlung entstehen. Um diese bauen zu können, haben die Initiatoren eine Gruppe von lokalen Investoren angesprochen, die sich vorstellen können, das Westufer des Scheibe-Sees zu entwickeln. Zudem soll möglichst ein Bootssteg entstehen. Bergbausanierer LMBV unterstützt diese Planungen durch Projekte mit Geldern aus der Bergbausanierung (Paragraf 4). So entsteht eine Slip­anlage / Hauptsteg mit Fingerstegen am Westufer des Scheibe-Sees.

Phase 3: In weiteren drei bis fünf Jahren soll der komplette entstehende Bebauungsplan in die Tat umgesetzt werden.

Zusammenfassung: Das Westufer auf Hoyerswerdaer Gemarkung wäre im absoluten Idealfall in sechs bis zehn Jahren entwickelt.

Kletterturm, Kletterpfad und Themenspielplatz: Ein neuer Aussichtsturm (Landmarke) am Scheibe-See soll einerseits zur Fernsicht sein, andererseits zum Sporterlebnis. Außerdem erdacht: ein abenteuerlicher Kletter-Wanderpfad auf Tritten am Steilufer und über dem Wasser sowie ein thematischer Spielplatz, beispielsweise zur Sagenwelt der Region. Die LMBV unterstützt bei der Errichtung der Landmarke, die derzeit in Planung ist – ebenfalls ein Paragraf-4-Projekt.
Indoorspielplatz am Westufer: Bei den Planungen habe sich gezeigt: Es gibt wenige Angebote, die unabhängig von Jahreszeit und Wetter sind. Ein Indoorspielplatz soll thematisch gegliedert werden und viele Mitmachangebote haben. Zwei Themenwelten bieten sich laut Masterplan an: „Leben auf dem Land – bäuerliches Leben zwischen Mooren, Seen, Wiesen und Wäldern“ und „Von schweren Maschinen und Landbewegungen“.
Erinnerungs- und Erlebnisort Scheibe am Südufer: Der abgebaggerte Ort Scheibe könnte durch eine Installation auf dem See wieder sichtbar gemacht werden. Die Idee: eine schwimmende Silhouette – zum Beispiel ein Dreiseithof – der abends illuminiert wird.
Anglerheim am Scheibe-See: Der Masterplan sieht Uferangelmöglichkeiten in den von der LMBV hergestellten Badestränden vor, bei einigen jedoch nur außerhalb der Badesaison. An drei Stellen soll es Bootsanleger (Westufer, Nordufer in Burg sowie im Süden nahe des Erinnerungsortes Scheibe) geben. Auch eine Slipanlage ist vorgesehen.

Exklusives Wohnen am Nordufer: Die Idee ist, am östlichen Nordufer – südlich von Burg – fünf bis zehn Grundstücke für „Exklusives Wohnen“ zu schaffen. Damit soll laut Konzept ein weicher Standortfaktor für die ansässige Wirtschaft und ihren Fachkräftebedarf gesichert werden. Zudem soll die westliche Fläche am Nordufer für das Ferienwohnen genutzt werden können.

Der Geheimtipp im Seenland – noch: Am Scheibe-See sind Badende am kleinen Strand noch relativ ungestört.
Der Geheimtipp im Seenland – noch: Am Scheibe-See sind Badende am kleinen Strand noch relativ ungestört. FOTO: Anja Hummel