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Caminauer erweitern Abbaugebiet

Die Caminauer Kaolinwerke liefern jährlich circa 185 000 Tonnen im Tagebau gewonnenes Kaolin aus.
Die Caminauer Kaolinwerke liefern jährlich circa 185 000 Tonnen im Tagebau gewonnenes Kaolin aus. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Caminau. Das Genehmigungsverfahren für den Neuaufschluss eines Tagebaus für das Kaolinwerk kann beginnen. Das Unternehmen will damit seinen Rohstoffbedarf für mindestens 20 Jahre absichern. Uwe Menschner / ume1

Die Erweiterung des Abbaugebietes durch die Caminauer Kaolinwerke nimmt konkrete Formen an. "Wir planen den 120 Hektar großen Neuaufschluss auf der dem Werk gegenüberliegenden Seite der B 96", erklärt Betriebsleiter Helmut Stuchtrup. Die bisherigen 75 Bohrungen in dem Areal haben allesamt verwertbares Kaolin zutage gefördert. Noch weitere 100 Bohrungen sind geplant.

Mit der neuen Grube wollen die Kaolinwerke ihre Produktion für weitere mindestens 20 Jahre sicherstellen. "Die Vorräte im gegenwärtigen Fördergebiet östlich der B 96 reichen noch für circa zehn Jahre", so Helmut Stuchtrup. Allerdings könne mit dem Neuaufschluss nicht erst begonnen werden, wenn die bisherigen Vorräte aufgebraucht seien. "Das muss bereits parallel erfolgen", sagt er.

Erstmals öffentlich gemacht hatten die Kaolinwerke ihren Erweiterungsbedarf im Jahr 2011. In den Folgejahren nahmen sie umfangreiche Erkundungen in zahlreichen Gemeinden, darunter Neschwitz, Radibor und Ralbitz-Rosenthal, vor. Insbesondere in der letztgenannten Gemeinde stieß dies auf vehementen Protest, befand sich doch das dortige Erkundungsgebiet in der Nähe der berühmten Wallfahrtskirche Rosenthal.

Letztlich stellte sich jedoch heraus, dass die Kaolinwerke nur die Straßenseite wechseln müssen, um ihren Rohstoffbedarf für die nächsten Jahrzehnte zu decken. Und doch ist auch hier ein jahrelanger Vorlauf nötig, um die Voraussetzungen für den Abbau zu schaffen. "Das Genehmigungsverfahren dürfte die nächsten drei Jahre in Anspruch nehmen", blickt Helmut Stuchtrup in die nähere Zukunft. Bereits im Oktober soll ein Termin stattfinden, bei dem Vertreter der beteiligten Behörden die örtlichen Gegebenheiten unter die Lupe nehmen. Dies bildet den Auftakt für das bergrechtliche Planungs- sowie das Raumordnungsverfahren. "Die drei Jahre sind ein Schätzwert. Man weiß im Voraus nie, wie lange solche Verfahren dauern", so der Werkleiter.

Eine weitere Voraussetzung bildet der Erwerb der für den Abbau erforderlichen Flächen. Dass auch hierbei Fallstricke lauern können, hat der jetzt endlich begonnene Bau des Radweges in unmittelbarer Nähe an der B 96 verdeutlicht. Dieser hatte sich durch ungeklärte Grundstücksfragen um Jahre verzögert. Bei den 120 Hektar handelt es sich vorrangig um Ackerland, doch auch ein Fischteich ist betroffen.

"Letztendlich spielt die auf den Abbau folgende Renaturierung eine wichtige Rolle im Genehmigungsverfahren", sagt Helmut Stuchtrup. Und hier haben die Kaolinwerke Caminau Beeindruckendes vorzuweisen: Schließlich ist über Jahrzehnte auf den nicht mehr benötigten Flächen ein Biotopverbund entstanden, der weit und breit seinesgleichen sucht. "Wir nehmen die naturnahe Wiederherstellung sehr ernst", betont der Werksleiter und verweist unter anderem auf den baumkundlichen Lehrpfad.

Noch relativ neu sind das "Arboretum Sinensis", eine Pflanzensammlung aus dem asiatischen Raum, und der phänologische Garten, in dem das Wachstum von Pflanzen unter bestimmten klimatischen Bedingungen beobachtet wird. "Bei einer unlängst vorgenommenen ökologischen Begutachtung wurde eine Vielzahl seltener Spezies, darunter Vögel und Fledermäuse, festgestellt", so Helmut Stuchtrup.

Zum Thema:
Die Caminauer Kaolinwerke sind ein Tochterunternehmen der Quarzwerke Frechen. Sie beschäftigen 113 Mitarbeiter und erzielten im Jahr 2015 einen Umsatz von 38,8 Millionen Euro. Jährlich verlassen circa 185 000 Tonnen Kaolin das Werk, hauptsächlich (zu 70 Prozent) über die Schiene. Das hier geförderte Kaolin wird hauptsächlich in der Papierindustrie eingesetzt.

Der Biotopverbund mit baumkundlichen Lehrpfad und einer Sammlung asiatischer Pflanzen, der auf den nicht mehr benötigten Tagebauflächen, entstanden ist, lässt sich sehen. Zu den Besuchermagneten zählt unter anderem eine nachgebildete Burgruine.
Der Biotopverbund mit baumkundlichen Lehrpfad und einer Sammlung asiatischer Pflanzen, der auf den nicht mehr benötigten Tagebauflächen, entstanden ist, lässt sich sehen. Zu den Besuchermagneten zählt unter anderem eine nachgebildete Burgruine. FOTO: Uwe Menschner/ume1