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| 11:49 Uhr

Ostereiermarkt
Bunte Trachtenvielfalt in Neuwiese

Kirsten Böhme gab Tipps für das Ankleiden der Tracht etwa zum Befestigen von Hauben oder Schleifen. Den jungen Damen vom Trachtenverein Zittau, die 2018 erstmals nach Neuwiese kamen, hat es sichtlich Spaß bereitet.
Kirsten Böhme gab Tipps für das Ankleiden der Tracht etwa zum Befestigen von Hauben oder Schleifen. Den jungen Damen vom Trachtenverein Zittau, die 2018 erstmals nach Neuwiese kamen, hat es sichtlich Spaß bereitet. FOTO: Reinhard Hoffmann
Neuwiese. Der Ostereiermarkt im Neuwieser Landhotel hat seine 27. Auflage erlebt. Neben dem Bautzener ist er der älteste seiner Art in der Region und findet traditionell alljährlich am Sonnag Palmarum statt. Die weiteste Anreise hatten Besucher aus Halle und Berlin Von Reinhard Hoffmann

So lange, wie es den Neuwieser Ostereiermarkt gibt, ist der Chor Seidewinkel dabei. Und so eröffnete er auch den jüngsten Markt mit einem eindrucksvollen Programm. Veranstaltet wird dieser vom sächsisch- brandenburgischen Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz, der sich 1992 gründete. Ein Höhepunkt am Sonntag war der Auftritt der Kindergruppe Neuwiese, die unter anderem den Brauch der österlichen Patengeschenke in Erinnerung brachte.

Die Gäste konnten den Lausitzer Ostereierverzierern über die Schulter schauen. Immerhin waren 20 sorbische und deutsche Volkskünstler mit modernen oder überlieferten Techniken zu erleben. Seit vielen Jahren gehören die Frauen und Mädchen der Familien Sachon, Kasper und Hahne dazu. zudem wurde eine Reise in die sächsische Historie geboten dank der Darsteller der Künstlergruppe des Dresdener Barock um August den Starken. Und was viele Jungs begeisterte: Trecker fahren. Auch die Kinderstaße in der Alten Mühle war bei bestem Wetter gut besucht.

Der Ostereiermarkt in Neuwiese ist bekannt für die Pflege der teils in Vergessenheit geratenen sorbischen Bräuche, die ,mancherorts nur noch als Touristenattraktion dienen. So tragen die Mitglieder des Regionalkulturvereins die sogenannten „grünen Trachten“, denn nach überlieferter Tradition durften bei den christlichen Sorben erst am Ostersonntag zur Feier des Tages wieder alle Farben leuchten. Natürlich wurde zum Verzieren der Ostereier die Arbeitstracht getragen.

Großes Interesse fand jedenfalls am Sonntag das Ankleiden sorbisch-evangelischer Trachten aus der Hoyerswerdaer Region. Kirsten Böhme und ihre Tochter Marielena demonstrierten den Besuchern einige Elemente. Kirsten Böhme, übrigens die Enkelin des Gründers des Trachtenhauses Jatzwauk, trug als Ankleidefrau die festliche Sonntagstracht, während Tochter Marielena die Arbeitstracht vorstellte. Vor 100 Jahren standen Frauen in der Region um Hoyerswerda 60 verschiedene Kleidungsvarianten zur Verfügung standen.

Auch in diesem Jahr war das Oberlausitzer Urgestein Hans Klecker in Neuwiese zu Gast. Er war besonders an den farbenfrohen Trachten interessiert. Denn er sammelt Material für sein Buch „Oberlausitzer Trachten im deutschen Siedlungsgebiet“.In der Region der mittleren Lausitz unterscheiden sich schon die evangelischen Trachten von Schleife, Halbendorf, Bad Muskau, Spreetal oder Hoyerswerda. Ebenso farbenfroh sind die katholischen Trachten um Wittichenau oder Bautzen. Für iHans Klecker und seine Begleiterinnen des Oberlausitzer Trachtenvereins Zittau ist die lebendige Traditionspflege umso interessanter, als die ursprüngliche „Deutsche Tracht“ im 19. Jahrhundert aufgegeben wurde.