Von Katrin Demczenko

Am vergangenen Sonntag begann in Hoyerswerda die Interkulturelle Woche des Landkreises Bautzen mit der Ausstellungseröffnung „Kein schöner .... in dieser Zeit“. Eine Leipziger Künstlergruppe sprach zu ihren Arbeiten, die auf dem Freigelände der Kulturfabrik für jeden Passanten zugänglich sind. Isaak Broder und seine Kollegen werden das noch bis zum 28. September tun und Besucher in ihre Projekte einbeziehen.

Das Thema Zwangsadoptionen in der DDR und die Auswirkung dieses staatlichen Gewaltakts auf betroffene Familien beleuchtet Sophie Stephan in ihrer Multimediaarbeit. Stellwände zeigen Porträtfotos und Interviews mit Menschen verschiedener sozialer und geografischer Herkunft, die an der Via Regia und in der Leipziger Eisenbahnstraße wohnen.

In den Medien wird die Eisenbahnstraße oft plakativ als sozialer Brennpunkt gezeigt, die Bewohner haben aber auf ihr Umfeld einen differenzierteren Blick, der viel öfter dargestellt werden muss, sagt der an diesem Projekt beteiligte Fotograf Rafael Brix. Aufnahmen von Bea Nielsen nehmen Details des ländlichen Raums in Sachsen wahr, die unkompliziertes Zusammenfinden verschiedener Kulturen im Alltag dokumentieren und meist übersehen werden.

Hoyerswerdaer können mit eigenen, in der Stadt gemachten Fotos Teil der Ausstellung werden, die seit August schon in Döbeln, Weißwasser und Annaberg Buchholz zu sehen war. Der Künstler Paul Altmann will mit Passanten einen 73,30 Meter großen Kreis rund um die Kufa aufs Pflaster malen. So viel Land stehe jedem Deutschen rein statistisch zur Verfügung, und wie viel Selbstbestimmung hat der Einzelne darüber, ist die dahinter steckende Frage. Aus dem Gesamtprojekt und den von Ausstellungsbesuchern gebrachten Fotos soll ein Buch entstehen, sagt Bea Nielsen.

Die sonntägliche Diskussion zwischen Künstlern und Gästen unter Leitung des Moderators Guido Michels aus Boxberg hat Folgendes ergeben: Das Projekt Eisenbahnstraße etwa erinnert einen Teilnehmer sofort an Hoyerswerda, das seit dem Pogrom gegen Ausländer 1991 mit einem schlechten Ruf zu kämpfen hat. Dieser schwindet nur langsam, weil die Medien sachsen- und bundesweit über positive Entwicklungen viel zu wenig berichten, ergänzt Reinhard Gähler. Die Provinz kommt nur negativ oder gar nicht vor, was das Erstarken der AfD auch begünstigt, glaubt der Hoyerswerdaer.

„Wir in der Lausitz werden es nur schaffen, bekannter zu werden, wenn wir selber etwas tun“, sagt Elke Altmanns, die aus einem Dorf bei Kamenz angereist ist. Henry Reeb aus Hoyerswerda reflektiert, dass heute politisch rechts und links orientierte Menschen meist auf ihren Positionen beharren, anstatt miteinander zu diskutieren. „Der Runde Tisch hat gezeigt, wie man es machen kann“, ist sein Vorschlag. Weil Veränderungen immer Ängste schüren, sei es wichtig, an öffentlichen Orten darüber zu reden, meint Kufa-Mitarbeiterin Sabine Proksch. Der 87-jährige Heinrich Wolf aus Hoyerswerda sagt: „Hoffen wir, dass viele diesen Dialog haben wollen.“