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| 16:53 Uhr

Wiedehopf-Projekt
Bruthöhlen für den Wiedehopf

Der Wiedehopf, der Wiedehopf … Herbert Schnabel und Christina Schmidt von der Reservatsverwaltung finden das hölzerne Modell gar nicht kitschig.
Der Wiedehopf, der Wiedehopf … Herbert Schnabel und Christina Schmidt von der Reservatsverwaltung finden das hölzerne Modell gar nicht kitschig. FOTO: Uwe Menschner
Guttau. Naturschützer wollen dem auffälligen, selten gewordenen Insektenfresser hilfreich unter die Flügel greifen. Am Montag vollzogen sie den Auftakt.

() Ein wenig kitschig sieht er aus, sagt Jan Peper. Damit meint der Referatsleiter in der Verwaltung des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft den hölzernen Wiedehopf, den Naturwacht-Mitarbeiter Herbert Schnabel mitgebracht hat. Doch genau so stellt sich ein Laie den Vogel vor, der zur Vogelhochzeit „der Braut den Blumentopf“ bringt: orange-bräunliches Gefieder, langer schwarz-weißer Elsterschwanz und auffälliger, bogenförmiger Kamm auf dem Kopf.

Was das hölzerne Modell freilich nicht aussendet, ist der aufdringliche typische Wiedehopf-Geruch. „Es stimmt tatsächlich, dass diese Vögel in Bedrängnis ein übel riechendes Sekret ausstoßen, das lange anhaftet“, erklärt Peper. Der Ausdruck „stinken wie ein Wiedehopf“ hat also durchaus einen wahren Hintergrund, wird dem intensiv gefärbten Vogel aber nicht gerecht.

Trotz seiner Auffälligkeit macht sich der Höhlenbrüter rar. „Am ehesten ist noch sein charakteristischer Ruf zu hören. Er findet sich auch in der lateinischen Bezeichnung Upupa Epops wieder. Um den Wiedehopf zu sehen, braucht es viel Geduld und auch Glück“, so Marco Zischewski. Er muss es wissen, denn er ist dem bunten Insektenfresser als Mitarbeiter der Vogelschutzwarte Neschwitz schon seit vielen Jahren auf der Spur. Insbesondere in der Bergbaufolgelandschaft zwischen Hoyerswerda und Weißwasser sowie auf früheren und aktiven Truppenübungsplätzen wurde er fündig.

So weiß Zischewski auch, dass diese Vogelart zwar nicht akut vom Aussterben bedroht, aber im Rückzug begriffen ist: „Der Wiedehopf leidet unter dem dramatischen Rückgang der Insekten, da auf seinem Speiseplan hauptsächlich Grillen, Raupen und Käfer stehen.“

So mussten die Verantwortlichen der Vogelschutzwarte und der Reservatsverwaltung auch nicht lange überlegen, als sie vom Artenschutzprogramm der Allianz-Versicherungsgruppe hörten, die für mehrere ausgewählte Projekte deutschlandweit Mittel zur Verfügung stellt. „Für jeden Kunden, der vom Brief- auf den E-Mail-Schriftverkehr umsteigt, spendet die Allianz fünf Euro an eines von 18 Projekten“, erklärt Jan Peper. Deshalb können in den kommenden Wochen in der gesamten Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft 40 Nisthöhlen, zumeist in alten Baumstämmen „versteckt“, aufgestellt werden.

Maßgeblich daran beteiligt sind die Junior-Ranger des Biosphärenreservates und die Jungen Ornithologen der Vogelschutzwarte Neschwitz. „Wir haben kleine Holzstöckchen druntergelegt, damit der Stamm nicht zu stark wackelt“, berichtet Toni Paetsch. Der Zehnjährige aus Lohsa hilft mit seinen Freunden Gustav und Emil Schröter  beim Aufstellen der Nisthöhle. Dabei kommen die Jungs ganz schön ins Schwitzen, gilt es doch, den schweren Baumstamm auf einer Sackkarre den Berg hinauf zu bugsieren.

Der Standort am Guttauer Eisenberg erfüllt die Voraussetzungen ideal: „Der Wiedehopf braucht eine trockene, offene Wiesenlandschaft, um sich erfolgreich fortzupflanzen“, wie Angelika Schröter von der ebenfalls beteiligten Naturschutzstation Neschwitz weiß. Ab April, wenn die ersten Wiedehopfe aus ihren Winterquartieren zurückkehren, sollen die Höhlen Bewohner finden. Dann werden sich auch Toni, Gustav und Emil in die Spur begeben, um den Erfolg ihrer Bemühungen zu kontrollieren. Und dann hoffen sie, den Wiedehopf in Echt zu sehen – und nicht nur als „kitschiges“ Holzmodell.