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Brücke für Ostumfahrung schwebt ein

Hier schwenkt der Schwerlastkran das zweite von insgesamt vier Brückenteilen auf die Widerlager der neuen Straßenbrücke ein. Jedes Teil ist mehr als 40 Tonnen schwer und 27 Meter lang. Präzisionsarbeit war gefragt.
Hier schwenkt der Schwerlastkran das zweite von insgesamt vier Brückenteilen auf die Widerlager der neuen Straßenbrücke ein. Jedes Teil ist mehr als 40 Tonnen schwer und 27 Meter lang. Präzisionsarbeit war gefragt. FOTO: Würz
Hoyerswerda. Sie ist eines der Herzstücke des neu entstehenden Bundesstraßenabschnittes bei Hoyerswerda: die Brücke über die zweigleisige Bahnstrecke von Hoyerswerda nach Horka. Über die in den Planungsunterlagen schlicht als "Bauwerk 1" bezeichnete Stahlbetonkonstruktion wird die neue B 96-Ortsumfahrung künftig die DB-Bahnlinie bei Zeißig überqueren. Catrin Würz

Gestern hat das Brückenbauwerk nun Gestalt angenommen. Die beiden Brücken-Widerlager rechts und links der Gleise waren ja schon seit Längerem fertiggestellt. Doch nun schwebten gestern am Haken eines 400 Tonnen-Kranes ab 8 Uhr morgens vier riesige, jeweils knapp 42 Tonnen schwere Fertigteile für den Brückenüberbau ein.

Das technische Spektakel, das sich auch ein paar besonders interessierte Technik-Fans hinter dem Bauzaun als Zuschauer nicht entgehen lassen wollten, war seit Monaten generalstabsmäßig vorbereitet worden. "Immerhin müssen ja dafür große Technik und Spezialkräfte mehrerer Firmen koordiniert werden", erklärte Hardy Pönichen, Polier von der Hoch- und Tiefbau GmbH Richard Schulz. Das Unternehmen mit Sitz in Schwarzheide ist Generalauftragnehmer für den ersten Bauabschnitt der Neubautrasse bei Hoyerswerda.

Bereits in der Nacht zu Dienstag waren die vier jeweils 27 Meter langen Stahlverbundträger als Schwerlasttransport aus Bautzen nach Hoyerswerda gebracht worden. Damit der Transport mit "Überlänge" in Hoyerswerda überhaupt die Kurve von der jetzigen B 96 zum Industriegelände kriegt, war in der Nacht der Parkplatz am Neustädter Bahnhof gesperrt und als Wendeschleife benutzt worden.

Die vier Stahlhohlkästen mit aufgesetzten Betonfertigteilplatten wurden in Hosena und im Betonfertigteilwerk Hentschke in Bautzen hergestellt, informiert Pressesprecherin Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV). Das Bauwerk über die Gleise der Deutschen Bahn kostet zirka 1,1 Millionen Euro, dazu kommen noch Kosten für den Bahnleitungsbau und die Planung in Höhe von 500 000 Euro. Damit ist die Brücke der größte "Batzen" für den derzeit im Bau befindlichen ersten Bauabschnitt zwischen der B 96 bei Maukendorf und der Staatsstraße 108 in Richtung Lohsa, der insgesamt sechs Millionen Euro kosten wird. Die Gesamtkosten für die 6,7 Kilometer lange Neubau-Trasse werden bis Ende 2019 jedoch insgesamt rund 19 Millionen Euro verschlingen.

Der Bau der Straße liegt derzeit gut im Zeitplan. Bis Ende September wollen die Bauleute das Brückenbauwerk im Rohbau fertigstellen. "Der Termin ist gesetzt und muss dringend eingehalten werden. Denn danach will die Bahn wieder die Oberleitungskabel in Betrieb nehmen, die während des Brückenbaus abgeschaltet sind", verweist Hardy Pönichen auf das gesetzte Ziel. Überhaupt war die Brückenmontage gestern nur in engster Abstimmung mit der Deutschen Bahn möglich. Zwar gibt es derzeit kaum Zugverkehr auf der Strecke, denn die Bahn baut derzeit selbst an ihrem Gleisnetz nahe Hoyerswerda. Doch etwa jede Stunde fährt ein Bauzug Material und Schotter zur Gleisbaustelle. Darauf mussten sich auch die Straßenbauer und die Brückenspezialisten der Pontes GmbH aus Dresden einstellen.

Ein zweites Schlüsselstück der neuen Bundesstraße soll bis Ende des Jahres fertiggestellt sein: die Kreuzung der B 96 mit der S 108 bei Kühnicht. Im Frühjahr sind dann die Asphaltarbeiten auf dieser Trasse geplant. Zirka ab August 2018 soll das erste Stück Straße bereits in Betrieb genommen werden.